Muskelaufbau: Neandertaler-Variante steigert Muskelmasse um 270g
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 12:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen belegen einen signifikanten Zusammenhang zwischen prähistorischem Erbgut und der physischen Konstitution des modernen Menschen. Forschungsergebnisse, die Anfang August 2026 in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht wurden, zeigen auf, wie spezifische Genvarianten des Neandertalers die individuelle Muskelkraft und das Körpergewicht beeinflussen. Im Zentrum der Analysen steht dabei eine Variante des Wachstumshormon-Rezeptors (GHR).
Gesteigertes Muskelwachstum durch GHR-Varianten
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sowie des schwedischen Karolinska Institutet untersuchten den Einfluss der Neandertaler-DNA auf die menschliche Physiologie. In einer am 7. August 2026 publizierten Studie stellten Forscher des Max-Planck-Instituts fest, dass Träger bestimmter Neandertaler-Genvarianten im Wachstumshormon-Rezeptor über eine im Durchschnitt um 270 Gramm erhöhte Muskelmasse verfügen.
Ergänzende Untersuchungen des Karolinska Institutet, die am 5. August 2026 veröffentlicht wurden, bezifferten die Zunahme des Körpergewichts bei erwachsenen Trägern der Variante auf durchschnittlich 285 Gramm. Dieser Gewichtszuwachs sei laut den beteiligten Wissenschaftlern fast vollständig auf eine höhere Muskelmasse zurückzuführen. In Zellkulturen konnte dieser Effekt ebenfalls beobachtet werden: Die entsprechenden Zellen wuchsen im Labor zwischen 39 Prozent und 40 Prozent stärker als Vergleichsgruppen ohne die Neandertaler-Variante.
Regionale Verteilung und demografische Unterschiede
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Die Präsenz dieses genetischen Erbes variiert weltweit stark. Den Daten des Max-Planck-Instituts zufolge ist die Genvariante in Europa mit einer Häufigkeit von lediglich 0,5 Prozent sehr selten. In Amerika liegt die Verbreitung bei 2 Prozent, während sie in Ostasien 15 Prozent und in Südasien 20 Prozent erreicht. Das Karolinska Institutet gab für den süd- und ostasiatischen Raum eine Verbreitung von bis zu 24 Prozent an.
Diese Unterschiede in der genetischen Ausstattung verdeutlichen, wie sich evolutionäre Anpassungen über Jahrtausende in verschiedenen Weltregionen unterschiedlich stark manifestiert haben. Der sogenannte Neandertaler-Haplotyp des GHR-Gens führt pro Kopie zudem statistisch zu einer um 3 Millimeter größeren Körperstatur.
Wirksamkeit und statistische Relevanz
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Ein wesentliches Merkmal der identifizierten Genvariante ist der Zeitpunkt ihrer physischen Ausprägung. Die Forschungsgruppe um Philipp Kanis und Miriam Berreiter stellte fest, dass die genetischen Unterschiede bei Kindern unter 11 Jahren noch keine messbaren Auswirkungen haben. Auch auf das Geburtsgewicht habe die Variante keinen Einfluss. Der Effekt auf die Muskelmasse und die Körpergröße manifestiere sich demnach erst nach der Pubertät.
Die statistische Grundlage dieser Erkenntnisse ist ungewöhnlich breit. Eine Untersuchung von Kanis et al., die über 1 Million Individuen umfasste, bestätigte die Wirksamkeit der Variante. Obwohl die Effekte auf das Individuum bezogen eher subtil erscheinen mögen, seien sie in der Gesamtpopulation statistisch hochsignifikant. Die molekularen Ursachen liegen in zwei spezifischen Aminosäureänderungen innerhalb des Wachstumshormon-Rezeptors, die den muskulären Aufbau bei Trägern dieser Neandertaler-DNA fördern.
