Musik gegen Stress: PNAS-Studie zeigt Umbau von Gehirnnetzwerken
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Forschungsergebnisse geben detaillierte Einblicke in die Mechanismen, durch die Musik und Ansätze der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die neurologische und physiologische Stressreaktion beeinflussen können. Eine im September 2026 veröffentlichte Studie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften verdeutlicht dabei die Umstrukturierung von Gehirnnetzwerken durch musikalische Interventionen.
Neurologische Umstrukturierung durch Musik nach akutem Stress
Ein Team um die Forscherin You Siqi vom Institut für Psychologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften untersuchte mittels hochauflösender funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) die Erholung des Gehirns nach Stresssituationen. Die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Musikhören im Vergleich zu ruhigem Sitzen die Reorganisation neuronaler Netzwerke signifikant fördert.
Den Untersuchungen zufolge dämpft Musik das sogenannte Salienznetzwerk, welches für die Bewertung von Reizen und die Stressreaktion zentral ist. Gleichzeitig werde die Zusammenarbeit zwischen dem Default-Mode-Netzwerk und dem Exekutivkontrollnetzwerk gestärkt. Diese neurologischen Veränderungen korrelierten mit einer schnelleren Reduktion der subjektiv empfundenen Angst sowie einem rascheren Rückgang der Herzfrequenz und des Cortisolspiegels.
Die Autoren der Studie bringen diese Befunde mit der traditionellen chinesischen Auffassung in Verbindung, wonach insbesondere die Musik der Guqin den Geist beruhige.
Klinische Studien zu Musik und VR in der Notfallmedizin
Ergänzend zu den neurologischen Grundlagenforschungen wurden auf dem Europäischen Kongress für Notfallmedizin in Paris Ergebnisse einer türkischen Studie vorgestellt. Hierbei wurden 130 Erwachsene mit einer hypertensiven Krise ohne Organschäden untersucht.
Alle Teilnehmenden erhielten Blutdruckmedikamente; die Hälfte der Gruppe wurde zusätzlich mit einer Kombination aus Virtual-Reality-Naturlandschaften und klassischer Musik von Komponisten wie Bach, Mozart und Tschaikowski behandelt.
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In der VR-Gruppe sank der Blutdruck nach 15 Minuten um 4 bis 5 mmHg stärker als in der Kontrollgruppe. Die Angstwerte verringerten sich dort im Schnitt um 8 Punkte, während die Kontrollgruppe einen Rückgang um 4 Punkte verzeichnete. Nach 60 bis 120 Minuten glichen sich die Werte beider Gruppen jedoch weitgehend an.
Die Studienautoren betonten, dass Musik eine sinnvolle Ergänzung, jedoch keinen Ersatz für eine medikamentöse Therapie darstelle. Der mittlere arterielle Druck (MAP) der Probanden lag zu Beginn bei 130 bis 138 mmHg, während der Normalbereich zwischen 70 und 100 mmHg angegeben wird.
TCM-Ansätze bei chronischen Erkrankungen und Prävention
Neben der Musikrezeption rücken TCM-Präparate in den Fokus der klinischen Bewertung. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Phytotherapy Research vom 18. August 2026 untersuchte die Anwendung bei rheumatoider Arthritis.
Präklinische und kontrollierte Studien bringen unter anderem Wilfords Dreiflügelfrucht, Baikal-Helmkraut und die milchweiße Pfingstrose mit einer verbesserten Gelenkfunktion in Verbindung. Als Wirkmechanismen werden die Unterdrückung entzündungsfördernder Zytokine sowie antioxidative Effekte angeführt.
Parallel dazu integriert China die TCM verstärkt in das öffentliche Gesundheitssystem, um nichtübertragbare Krankheiten bei einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen präventiv zu behandeln. In einem Bericht aus Peking wird zudem die internationale Kooperation bei TCM-Behandlungen hervorgehoben.
Interventionen bei Schlafapnoe und Demenz
Auch bei spezifischen Krankheitsbildern wie der moderaten obstruktiven Schlafapnoe (OSA) werden alternative Methoden untersucht. Eine indische Studie mit 30 Erwachsenen verglich das regelmäßige Blasen einer Shankha-Muschel mit tiefen Atemübungen.
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Nach sechs Monaten verzeichnete die Muschelgruppe durchschnittlich fünf Atemaussetzer weniger pro Stunde und eine höhere Sauerstoffsättigung. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass diese Methode noch keine belegte Alternative zur Standard-CPAP-Therapie darstellt.
Im Bereich der Demenzpflege fordert die Bundesinitiative Musik & Demenz einen systematischen Ausbau musikalischer Angebote. Ziel sei es, Orientierungslosigkeit und Unruhe bei Betroffenen zu mindern. Hierzu sind Fachveranstaltungen geplant, darunter ein Online-Symposium am 30. September 2026 sowie ein Vernetzungsforum im Deutschen Musikarchiv in Leipzig am 20. November 2026.
