Mpox-Übertragung: Frankfurter Studie erklärt Virusaufnahme in Zellen
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 05:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt und der Universitätsmedizin Frankfurt liefert neue Erkenntnisse zu den molekularen Mechanismen, die Mpox-Infektionen bei sexuellen Kontakten begünstigen.
Veröffentlicht in der Fachzeitschrift Emerging Microbes & Infections, zeigt die Arbeit, dass Samenflüssigkeit die Aufnahme des Virus in menschliche Zellen erleichtert – ein Befund, der das erhöhte Übertragungsrisiko bei sexuellen Kontakten wissenschaftlich untermauert.
Amyloide als molekularer Türöffner
Im Zentrum der Untersuchung stehen Eiweißbruchstücke, sogenannte Peptidfragmente, die in der Samenflüssigkeit vorkommen. Diese Fragmente lagern sich zu Amyloiden beziehungsweise Fasern zusammen, die dem Mpox-Virus offenbar das Andocken an Zellen erleichtern.
In Laborversuchen zeigte sich, dass mit Samenflüssigkeit vermischte Viren deutlich stärker in Zellen aufgenommen wurden als Viren ohne diesen Kontakt. Die Frankfurter Forschungsgruppe interpretiert dies als möglichen Erklärungsansatz dafür, warum sexuelle Kontakte ein besonders effektiver Übertragungsweg für das Virus sind.
Studienleiterin Denisa Bojkova und Doktorandin Emma Torbica ordnen die Ergebnisse in den größeren Zusammenhang der Mpox-Übertragung ein. Torbica erläuterte, warum das Risiko bei sexuellen Kontakten besonders hoch ausfällt – ein Aspekt, der angesichts der anhaltenden Fallzahlen praktische Relevanz besitzt.
Ein möglicher Ansatzpunkt für neue Therapien
Über die Beschreibung des Mechanismus hinaus liefert die Studie auch einen therapeutischen Anhaltspunkt: Der experimentelle Wirkstoff CLR01 störte im Labor gezielt die amyloiden Strukturen in der Samenflüssigkeit und hemmte dadurch die Virusaufnahme.
Die neue Frankfurter Studie zeigt, warum sexuelle Kontakte ein besonders effektiver Übertragungsweg für Mpox sind – und welche Schutzmöglichkeiten es gibt. Verständlich aufbereitet, mit den wichtigsten Fakten zu Übertragung und Therapie. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Zusätzlich bestätigten die Forschenden, dass bereits verfügbare antivirale Medikamente gegen das Mpox-Virus wirksam sind. Beide Befunde zusammen deuten darauf hin, dass sich neben klassischen antiviralen Ansätzen künftig auch Wirkstoffe entwickeln ließen, die gezielt an der Wechselwirkung zwischen Virus und Samenflüssigkeit ansetzen.
Epidemiologischer Hintergrund
Die Studie erscheint vor dem Hintergrund einer angespannten globalen Lage: Die Weltgesundheitsorganisation hatte bereits 2024 eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite ausgerufen. Im Zusammenhang mit einer 2023 identifizierten Virusvariante wurden laut WHO im ersten Halbjahr 2024 in Afrika rund 100.000 Infektionen und mehr als 200 Todesfälle verzeichnet.
Auch in Deutschland bleibt Mpox präsent. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin beobachtet, dass sich das Virus zunehmend auch bei sexuellen Kontakten zwischen Männern und Frauen ausbreitet, unter anderem im Rahmen sexpositiver Veranstaltungen. Die Epidemiologin Claudia Ruscher äußerte sich besorgt über diese Entwicklung. Insgesamt registrieren Behörden hierzulande weiterhin kontinuierlich neue Fälle.
Einordnung für die Praxis
Angesichts anhaltender Fallzahlen in Deutschland fragen sich viele: Wie hoch ist mein Risiko wirklich? Der Leitfaden erklärt die neuen Erkenntnisse zur Übertragung und was Sie wissen sollten, um sich zu schützen. Leitfaden jetzt kostenlos sichern
Die Frankfurter Ergebnisse liefern damit nicht nur eine biologische Erklärung für ein bereits bekanntes epidemiologisches Muster, sondern auch einen konkreten Ansatzpunkt für die Wirkstoffentwicklung.
Angesichts der anhaltenden Fallzahlen in Deutschland und der internationalen Dimension des Ausbruchsgeschehens dürfte die Frage, wie sich die Übertragung über sexuelle Kontakte gezielt unterbrechen lässt, in der Forschung weiter an Bedeutung gewinnen.
Mehr zum Thema bei n-tv: „Übertragung von Mensch zu Mensch: Studie: Spermien können Mpox-Infektionen begünstigen - n“
