Mobbing, Psyche

Mobbing und Psyche: Schulschikanen verdoppeln bis verdreifachen das Depressionsrisiko

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Betroffene berichten von anhaltenden psychischen Belastungen; Studien zeigen erhöhte Risiken, während Programme und Beratungsstellen Unterstützung bieten.
Eine einsame, verwitterte Parkbank in einem herbstlichen Park, die eine Atmosphäre von Isolation und Einsamkeit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die langfristigen psychischen Folgen von Schikanen und sozialer Ausgrenzung stehen im Mittelpunkt der 27-minütigen ZDF-Dokumentation „37 Grad Leben – Mobbing: Unsichtbare Narben“. Die Sendung, die am 18. Oktober 2026 um 09.03 Uhr ausgestrahlt wurde und bis zum 16. Oktober 2031 in der ZDF-Mediathek abrufbar ist, beleuchtet das Phänomen anhand persönlicher Lebenswege und wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Tiefe Spuren bis ins Erwachsenenalter

Dass Ausgrenzung in jungen Jahren das gesamte spätere Leben prägen kann, veranschaulichen die in der Sendung porträtierten Betroffenen. Die heute 34-jährige Juliane erlebte von ihrer Einschulung bis zur 9. Klasse in Süddeutschland systematische Schikanen, ohne dass Lehrkräfte nach ihren Angaben eingriffen. Inzwischen arbeitet sie als Erzieherin und leitet ein Präventionsprogramm.

Ebenfalls porträtiert wird der 34-jährige Finanzbuchhalter Nils. Bei ihm begannen die Demütigungen ab dem 13. Lebensjahr beziehungsweise ab der 7. Klasse im Alter von 14 Jahren. Über Jahre hinweg wurde er ausgegrenzt, geschlagen und erniedrigt; eine Attacke in einem Parkhaus wurde aufgezeichnet und auf YouTube hochgeladen.

Auf einer Hausparty schlugen ihn drei Personen zusammen, was zu einem Nasenbruch führte, während anwesende Freunde tatenlos zusahen. Nach einer Panikattacke auf einem Festival und einem anschließenden Klinikaufenthalt wurde bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.

Bis heute begleiten ihn Panikattacken, Aufenthalte in Fachkliniken und therapeutische Behandlungen. Sein Vater starb, ohne jemals von den erlittenen Demütigungen erfahren zu haben.

Wissenschaftliche Dimensionen und Risiken

Wissenschaftliche Langzeitstudien unterstreichen die gesamtgesellschaftliche Tragweite der Problematik. Nach Angaben des ZDF gibt rund jede dritte Person in Deutschland an, im Laufe des Lebens Mobbing erfahren zu haben.

Schätzungen zufolge sind 10 bis 20 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholt betroffen. Die Untersuchungen belegen zudem, dass Mobbing in der Schulzeit mit einem zwei- bis dreifach erhöhten Risiko für Depressionen und Angststörungen im Erwachsenenalter einhergeht.

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Auch internationale Erhebungen spiegeln diese Belastung wider. Im Rahmen der PISA-Studie 2022 gaben in Deutschland jeweils 21 Prozent der befragten 15-jährigen Mädchen und Jungen an, mindestens einige Male pro Monat Mobbinghandlungen erlebt zu haben. Definiert wird dieses Verhalten als wiederholte, systematische Erniedrigung bei bestehendem Machtungleichgewicht.

Fachleute weisen darauf hin, dass Mobbing nicht nur in Bildungseinrichtungen und am Arbeitsplatz, sondern auch im digitalen Raum und im sonstigen sozialen Umfeld auftritt. Durch Isolation, Spott sowie gezieltes Ignorieren drohen schwerer Selbstwertverlust und sozialer Rückzug.

Präventive Ansätze und Unterstützung

Zur Bewältigung und Vorbeugung etablieren sich unterschiedliche Ansätze. Die Ludwig-Uhland-Realschule in Tuttlingen nutzt das vom Universitätsklinikum Heidelberg entwickelte und von der Baden-Württemberg Stiftung finanzierte Programm „Mobbing&Du – schau hin und nicht zu“. Es umfasst Fortbildungen für das Kollegium, Befragungen unter den Schülern sowie geschulte Lehrkräfte als direkte Ansprechpartner bei Verdachtsfällen.

Eine Evaluation des Interventionskonzepts No-Blame-Approach aus den Jahren 2007 und 2008 zeigte zudem anhand von 220 Fällen, dass Mobbing in 87,3 Prozent der dokumentierten Situationen gestoppt werden konnte.

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Parallel dazu entstehen regionale Hilfsangebote außerhalb des Schulsystems. Im Land Vorarlberg hat die Kinder- und Jugendanwaltschaft an ihrem Standort in Feldkirch eine Fachstelle für Mobbing eingerichtet, die vertrauliche, kostenlose und anonyme Beratung bei Vorfällen in Vereinen oder im Freizeitbereich anbietet, während für schulische Konflikte weiterhin Schulleitungen und Bildungsdirektionen zuständig bleiben.

Präventionsexperten, unter anderem bei einer Informationsveranstaltung des OÖ Familienbundes mit mehr als 500 Livestream-Teilnehmern, raten Betroffenen und Eltern dazu, frühzeitig auf Warnsignale zu achten, Vorfälle detailliert mit Datum zu protokollieren, Belege zu sichern und professionelle Unterstützung zu suchen.

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