Mittagsschlaf, Senioren

Mittagsschlaf bei Senioren: Häufige Nickerchen sind mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko verbunden

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
RKI-Daten zeigen verbreitete Schlafdefizite; Studien verbinden dauerhaft kurze Nächte und lange Nickerchen statistisch mit Demenzrisiken.
Ein ruhiges, helles Schlafzimmer bei Tageslicht mit einem ungemachten Bett und einem schlichten Nachttisch. Illustration mit AI erstellt.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt vor gesundheitlichen Risiken durch eine zu kurze Nachtruhe sowie einen zu langen Mittagsschlaf. Daten des Instituts verdeutlichen bestehende Defizite in der Bevölkerung: Nur 51,6 % aller Befragten erreichten die empfohlene Schlafdauer.

Empfehlungen und Schlafgewohnheiten

Nach den Richtwerten des RKI liegt die empfohlene Schlafdauer pro Nacht für Erwachsene bis 64 Jahre bei 7–9 Stunden, für Personen ab 65 Jahren bei 7–8 Stunden. Allerdings hielten sich Menschen über 65 Jahre am seltensten an die entsprechenden Vorgaben, während Personen aus höheren Bildungsgruppen die Werte am häufigsten erreichten.

Eine Rolle spielt dabei auch der Zeitpunkt des Zubettgehens: Wer unter der Woche vor 22.00 Uhr schlafen ging, erreichte die empfohlene Schlafdauer mit einer höheren Wahrscheinlichkeit.

Auch der Tagschlaf ist weit verbreitet. Laut RKI hielten 45,3 % aller Teilnehmenden mindestens einmal pro Woche einen Mittagsschlaf. Ein Viertel dieser Gruppe schlief dabei mindestens 60 Minuten.

Das Institut weist darauf hin, dass eine Mittagsschlafdauer von über 60 Minuten mit negativen Gesundheitsfolgen wie Demenz, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Zum Kontext verzeichnete das RKI für das Jahr 2022 eine Häufigkeit diagnostizierter Demenzerkrankungen von 3,3 % bei Frauen ab 40 Jahren und 2,4 % bei Männern derselben Altersgruppe.

Wissenschaftliche Befunde zu Nickerchen und Demenz

Mehrere internationale Untersuchungen haben die Zusammenhänge zwischen Tagschlaf und kognitiven Beeinträchtigungen analysiert. Eine Studie von Jiang K. et al. im Journal of Gerontology: Series A begleitete 995 US-Senioren ohne vorherige Demenzdiagnose über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren.

Häufige Nickerchen waren dabei mit einem um 48 % höheren relativen Demenzrisiko assoziiert, unbeabsichtigte Nickerchen mit einem um 39 % höheren Risiko. Bei gelegentlichen oder gezielt geplanten Ruhepausen am Tag zeigte sich keine signifikante Assoziation. Die Autoren betonten, dass es sich um eine statistische Assoziation und keinen Kausalnachweis handelt.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie von Forschenden des Brigham and Women's Hospital und der Rush University aus dem Jahr 2022, die in Alzheimer's & Dementia erschien. Bei 1.401 älteren Menschen, die bis zu 14 Jahre beobachtet wurden, waren längere und häufigere Nickerchen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer späteren Alzheimer-Demenz assoziiert, wobei der Zusammenhang bidirektional verlief.

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Risiken von chronischem Schlafmangel

Auch eine dauerhaft unzureichende Nachtruhe gilt als Risikofaktor. Daten der Whitehall-II-Kohorte, veröffentlicht in Nature Communications, umfassten eine Beobachtungszeit von rund 25 Jahren mit 7.959 Teilnehmenden und 521 Demenzfällen.

Verglichen mit einer Basis von 7 Stunden Schlaf pro Nacht war eine Schlafdauer von 6 Stunden oder weniger im Alter von 50 Jahren mit einem um 22 % höheren Demenzrisiko verbunden, im Alter von 60 Jahren mit einem um 37 % höheren Risiko. Dauerhaft kurzer Schlaf im Alter von 50, 60 und 70 Jahren wies ein um rund 30 % höheres Risiko auf.

Demnach zeigte sich in einer britischen Langzeitstudie mit fast 8.000 Teilnehmenden ebenfalls, dass Menschen, die mit 50 oder 60 regelmäßig 6 Stunden oder weniger schliefen, später ein um rund 30 % höheres Demenzrisiko hatten als jene mit 7 Stunden Schlaf.

Dieselbe Forschungsgruppe stellte fest, dass Personen, die mit 50 Jahren lediglich 5 Stunden oder weniger schliefen, ein deutlich höheres Risiko trugen, in den folgenden 25 Jahren mehrere chronische Krankheiten zu entwickeln.

Eine Untersuchung des University College London aus dem Jahr 2023 in The Lancet Healthy Longevity mit rund 9.000 Menschen ab 50 Jahren über einen Zeitraum von 10 Jahren zeigte zudem: Wer körperlich sehr aktiv war, jedoch dauerhaft weniger als 6 Stunden schlief, baute geistig ähnlich schnell ab wie Personen mit kaum Bewegung.

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Erkenntnisse zu Schlafphasen und Schlafhygiene

Eine Auswertung der Universität Peking im Fachjournal PLOS Medicine stützte sich auf Daten von etwa 100.000 Menschen aus der UK Biobank, deren Schlaf über eine Woche per Messarmband erfasst und neun Jahre nachbeobachtet wurde. Rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht senkten das Risiko für 83 Erkrankungen.

Längerer REM-Schlaf reduzierte das Risiko für ein Parkinson-Syndrom um 80 %, für Multiple Sklerose um 52 %, für Demenz um 46 % und für Herzinsuffizienz um 26 %. Ein zu langer Schlaf von mehr als acht Stunden erhöhte das Depressionsrisiko hingegen um 60 %, während eine Schlafdauer von unter sechs Stunden das Risiko für Herzinsuffizienz um 30 % steigerte.

Dass guter Schlaf auch bei Vorerkrankungen schützt, dokumentierte eine Studie des Karolinska Institutet im Journal of the American Heart Association an über 400.000 Personen der UK Biobank, darunter gut 54.000 mit mindestens einer kardiometabolischen Erkrankung.

Betroffene mit gutem Schlaf schnitten bei Kognition, Problemlösung und Verarbeitungsgeschwindigkeit etwas besser ab und wiesen ein größeres Gesamthirnvolumen sowie größere Volumina grauer und weißer Substanz auf.

Fachleute betonen den Stellenwert eines geregelten Schlafrhythmus. Nach Angaben der Stiftung ZQP benötigen ältere Menschen nicht weniger Schlaf, werden jedoch früher müde, gehen eher zu Bett und wachen zeitiger auf. Dies sei unbedenklich, solange kein anhaltender Schlafmangel entstehe.

Zur Unterstützung raten Fachleute zu ausreichend Tageslicht, einem schrittweisen Verschieben der Bettgehzeit um etwa eine Viertelstunde pro Woche sowie einem Aufstehen zur gleichen Zeit am Morgen.

Ergänzend werden wenig Licht in der Nacht, warme Füße und ein kühles Schlafzimmer genannt, während Schlaf- und Beruhigungsmittel wegen Nebenwirkungen wie Sturzgefahr und Gedächtnisstörungen bei Älteren nur zurückhaltend empfohlen werden.

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