Migräne, Fasten

Migräne und Fasten: In den ersten 1 bis 4 Tagen drohen Attacken

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei rheumatischen Beschwerden kann Fasten Entzündungen mindern; bei Nervenschmerzen bleibt die Wirkung aus, und bestimmte Gruppen sollten darauf verzichten.
Eine leere Keramikschale und ein Glas Wasser auf einem Holztisch in weichem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Verzicht auf Nahrung wird in der Schmerztherapie zunehmend als ergänzende Maßnahme diskutiert. Nach Angaben der Wiesbadener Schmerzmedizinerin Dr. Louise Reisner-Sénélar wirkt Fasten im gesamten Körper stark entzündungshemmend.

Vor allem bei Rheuma und weiteren rheumatischen Erkrankungen sei dieser gesundheitliche Nutzen wissenschaftlich sehr gut belegt, wie die Medizinerin in einem Interview mit dem Magazin BRIGITTE darlegte. Fasten stelle jedoch kein universelles Wundermittel dar, sondern müsse als Baustein eines umfassenden Therapiekonzepts verstanden werden, der bei Vorerkrankungen einer ärztlichen Abklärung bedarf.

Differenzierte Effekte je nach Schmerzursache

Die therapeutische Wirkung des Fastens hängt maßgeblich von der Art der Schmerzen ab. Bei Arthrose handelt es sich um einen Entzündungszustand. Reisner-Sénélar betont, dass Fasten ein geschädigtes Gelenk zwar nicht wiederherstellen könne, jedoch die umliegenden Entzündungsprozesse reduziere. Auch Rückenschmerzen basieren mitunter auf entzündlichen Vorgängen. Bei einer Kniearthrose trage zudem die Gewichtsreduktion zur Entlastung bei.

Keine lindernde Wirkung zeigt der Nahrungsverzicht hingegen bei Nervenschmerzen. Bei Beschwerden infolge einer Gürtelrose, bei einer Trigeminusneuralgie sowie bei einer Polyneuropathie sei kein Effekt zu verzeichnen.

Für Personen mit Migräne birgt der Einstieg sogar Risiken: Blutzuckerschwankungen, Schlafmangel und veränderte Routinen können Attacken auslösen, insbesondere in den ersten 1 bis 4 Tagen. Nach dieser Anfangsphase könne Fasten allerdings auch hier ein wirksames Werkzeug sein.

Physiologische Abläufe und molekulare Forschung

Für die Praxis empfiehlt Reisner-Sénélar ein schrittweises Vorgehen. Der Einstieg könne über Intervallfasten mit einer Essenspause von 12 Stunden erfolgen, die auf 14 und eventuell 16 Stunden gesteigert werde.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Gelenkschmerz befasst, sucht oft nach Wegen, Beschwerden ohne Medikamente aktiv zu lindern. Dieser bebilderte PDF-Guide zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Arthrose-Symptome selbst lindern können – ohne Arztbesuch und ohne Hilfsmittel. 101 Druckpunkte gegen Arthrose jetzt kostenlos entdecken

Bei einer Fasting Mimicking Diet werden täglich 300 bis 600 Kalorien zugeführt, während beim klassischen Heilfasten maximal 200 bis 250 Kalorien pro Tag vorgesehen sind. Historisch geht das Verfahren unter anderem auf Otto Buchinger zurück, der den therapeutischen Nutzen bereits 1917 beschrieb.

Nach Darstellung von Dr. Francoise Wilhelmi de Toledo von der Fastenklinik Buchinger Wilhelmi schalten Zellen beim Fasten in den Reparaturmodus der Autophagie; in ihrer Untersuchung berichteten 84 Prozent der Fastenden von positiven Effekten bei Erkrankungen wie Arthritis, Diabetes Typ 2, Fettleber, Hypercholesterinämie oder Bluthochdruck.

Auf molekularer Ebene lieferte eine in der Fachzeitschrift Nature Metabolism veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2024 von Claudia Langenberg und Maik Pietzner tiefere Einblicke. Bei totaler Kalorienrestriktion zeigten rund ein Drittel von 3.000 im Blut gemessenen Proteinen signifikante Veränderungen.

Anzeige

Gelenkbeschwerden und Erschöpfung sind oft ein Zeichen dafür, dass der Körper Unterstützung benötigt. Ernährungsexperten enthüllen in diesem Ratgeber, wie bestimmte Lebensmittel aus dem Supermarkt wie natürliche Schmerzmittel wirken können. Kostenlosen Ratgeber zur entzündungshemmenden Ernährung sichern

Zwar verbrennt der Körper gespeichertes Fett bereits in den ersten 48 Stunden, die eigentliche Wirkung setzt der Untersuchung zufolge jedoch erst nach drei Tagen ein. Veränderungen bei Proteinen der neuronalen Unterstützung im Gehirn deuteten auf neuroprotektive Effekte hin, was neue Ansätze für Behandlungen von rheumatoider Arthritis oder Epilepsie eröffnen könnte.

Eine im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Metaanalyse aus dem Jahr 2025 über 21 Studien mit 839 Erwachsenen ergab, dass Fasten die Entzündungsmarker CRP, TNF-? und Leptin geringfügig senkte, während Interleukin 6 unverändert blieb; die Autoren wiesen darauf hin, dass es keinen magischen Umschaltpunkt bei 16 Stunden gebe.

Relevanz und klare Kontraindikationen

Die Relevanz entzündungshemmender Ernährungsstrategien verdeutlichen die Krankheitszahlen. Wie Prof. Dr. Martin Smollich im Vorfeld des Pharmacon Schladming darstellte, betrifft Arthrose in Deutschland nahezu jeden sechsten Erwachsenen, während schätzungsweise rund 700.000 Menschen mit rheumatoider Arthritis leben.

Gleichzeitig mahnen Ernährungsexperten zur Vorsicht. Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung stellte klar, dass sich beim Fasten keine Schlacken bilden. Kinder, Schwangere, Untergewichtige sowie Menschen mit Essstörungen, Gicht, Gallensteinen oder Typ-1-Diabetes sollten nicht fasten.

Auch der Ernährungsberater Pablo Ojeda hebt hervor, dass bei Schwangerschaft, Stillzeit, Essstörungen, Minderjährigkeit sowie chronischen Erkrankungen oder der Einnahme blutzuckersenkender Medikamente und Insulin auf Fasten verzichtet beziehungsweise zwingend eine ärztliche Konsultation vorgeschaltet werden muss.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70434353 |