Migräne-Prophylaxe: CGRP-Hemmer und Botox bei 60-70% wirksam
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 00:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während neue klinische Daten zur Aurikulotherapie vorliegen, festigen CGRP-gerichtete Therapien und Botulinumtoxine ihren Stellenwert in der Prophylaxe. Ein Überblick über aktuelle Studien aus dem Juli 2026.
Ohrakupunktur: Signifikante Besserung – aber kein Placebo-Vorteil
Auf dem FENS Forum im Juli 2026 präsentierten Forscher der University of Southern Santa Catarina (UNISUL) aus Brasilien Ergebnisse einer randomisierten Studie. 68 Frauen mit chronischer Migräne (mindestens 15 Schmerztage pro Monat) erhielten Aurikulotherapie – also Ohrakupunktur.
Die Verumgruppe zeigte eine Reduktion der Schmerzintensität um 11 Prozent direkt nach der Behandlung und um 18 Prozent nach 30 Tagen. Der HIT-6-Score, der die Alltagsbeeinträchtigung misst, fiel von 66,1 auf 59,5 Punkte. Zudem dokumentierten HEG-Messungen Veränderungen der Sauerstoffsättigung im präfrontalen Cortex.
Doch es gibt einen Haken: Im Vergleich zur Sham-Gruppe (Scheinbehandlung) war der Unterschied statistisch nicht signifikant. Auch dort sank der HIT-6-Score – von 65,8 auf 59,3 Punkte. Studienleiterin Fernanda Belle plant bereits eine Folgestudie mit größerer Teilnehmerzahl, um die Effekte weiter zu validieren.
Botox für alle Migräne-Formen? Ipsen meldet positive Phase-III-Daten
Parallel zu den komplementären Ansätzen gibt es Neuigkeiten aus der Pharmaforschung. Anfang Juli veröffentlichte Ipsen positive Topline-Ergebnisse seines Phase-III-Programms BEOND. Die Studien E-BEOND und C-BEOND untersuchten Dysport (AbobotulinumtoxinA) zur Prophylaxe von episodischer und chronischer Migräne.
1.510 Patienten an 120 Zentren nahmen teil. Die primären Endpunkte wurden erreicht: Eine signifikante Reduktion der monatlichen Migränetage im Vergleich zu Placebo. Damit ist Dysport das erste Botulinumtoxin, das in späten klinischen Phasen seine Wirksamkeit für beide Indikationsbereiche belegt hat. Das Sicherheitsprofil blieb konsistent mit bisherigen Erkenntnissen.
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CGRP-Hemmer und Co.: Was die Leitlinien empfehlen
Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Lancet Neurology von Martinelli et al. unterstreicht die Bedeutung spezifischer Therapien. CGRP-gerichtete Behandlungen – monoklonale Antikörper, Gepante und Onabotulinumtoxin A – gelten demnach als sicher und effektiv in der Migräneprophylaxe.
Die Zahlen sprechen für sich: 60 bis 70 Prozent der Patienten sprechen auf diese Therapien an. Als Erfolg gilt eine Reduktion der monatlichen Migränetage um mindestens 50 Prozent bei episodischer Migräne und um mindestens 30 Prozent bei der chronischen Form. Fachgesellschaften wie die European Headache Federation und die American Headache Society empfehlen inzwischen den primären Einsatz dieser Substanzen.
Ein wichtiger Hinweis für Betroffene: Für eine fundierte Beurteilung des Therapieerfolgs sind mindestens drei bis sechs Monate nötig. Ein vollständiger Behandlungszyklus umfasst in der Regel mindestens ein Jahr.
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Ausblick: Magnetische Nanopartikel als Zukunftshoffnung?
Abseits der Migräne-Forschung zeigen aktuelle Publikationen neue technologische Ansätze in der Neurologie. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veröffentlichten im Juli 2026 im Journal Advanced Science Ergebnisse zu magnetischen Nanopartikeln. Im Tiermodell linderten diese Partikel im Nucleus subthalamicus motorische Defizite.
Eine direkte Anwendung für die Migränetherapie ist das noch nicht. Der Trend zu präzisen, lokalisierten Interventionsformen in der Neurologie wird dadurch aber eindrucksvoll unterstrichen.
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