Microsoft unter Kartell-Verdacht: AGCM prüft Copilot-Zwangsbündelung
30.06.2026 - 15:39:12 | boerse-global.de
Im Zentrum steht die Bündelung des KI-Assistenten Microsoft 365 Copilot mit den bestehenden Office-Produkten.
Zwangsinstallation und Preiserhöhungen unter Verdacht
Die Untersuchung, die am 26. Juni 2026 eröffnet wurde, richtet sich gegen die Praxis von Microsoft, die Copilot-Anwendung automatisch auf gewerblichen Windows-10- und Windows-11-Geräten zu installieren. Diese Strategie, die auf der Click-to-Run-Technologie basiert, startete am 15. Juni 2026. Ein breiterer Ausrolltermin für Unternehmen ist für Mitte Juli geplant.
Die Regulierungsbehörde prüft zudem die Bündelung des KI-Tools mit bestehenden Softwarepaketen sowie die jüngsten Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent. Der Europäische Wirtschaftsraum ist zwar aufgrund der Regelungen des Digital Markets Act (DMA) derzeit ausgenommen – doch der italienische Vorstoß zeigt den wachsenden internationalen Druck. Auch die britische Wettbewerbsbehörde CMA und die US-Handelskommission FTC sollen die Praktiken des Softwarekonzerns untersuchen.
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Technische Pannen belasten den Rollout
Parallel zu den regulatorischen Problemen kämpft Microsoft mit technischen Schwierigkeiten. Am 29. Juni 2026 meldeten Support-Mitarbeiter eine Servicebeeinträchtigung in SharePoint Online (Incident SP1408896). Das Problem führte dazu, dass Power Query nach einer Aktualisierung leere Excel-Tabellen ausgab – obwohl sich die Datenquellen nicht geändert hatten.
Gleichzeitig berichten Unternehmenskunden von Verbindungsproblemen im Azure Kubernetes Service (AKS). Tunnelverbindungen auf bestimmten Ports fallen aus, was zu Fehlern bei der Befehlsausführung und Protokollierung führt. Die Ursache: Konfigurationskonflikte zwischen Netzwerksicherheitsgruppen, Firewall-Einstellungen und blockierten Ports.
Adoption hinkt hinterher – nur jeder vierte Mitarbeiter nutzt Copilot
Trotz der schnellen technischen Einführung bleibt die tatsächliche Nutzung von Copilot in Unternehmen überschaubar. Laut Gartner liegt die wöchentliche aktive Nutzung in Unternehmen zwischen 20 und 30 Prozent. Branchenanalysten berichten, dass viele organisatorische Rollouts ins Stocken geraten sind – vor allem wegen fehlender Governance-Strukturen und unklarer Messbarkeit des Return on Investment.
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Mehrere Drittanbieter haben inzwischen spezielle Rettungsprogramme aufgelegt, die sich auf Governance und Adoptionsstrategien konzentrieren. Im juristischen Bereich erschien am 30. Juni 2026 der „Legal Copilot Cookbook" – ein Gemeinschaftsprojekt von LITE Lab@HKU mit Microsoft und mehreren globalen Kanzleien wie Clifford Chance und Eversheds Sutherland. Das Handbuch liefert praktische Anwendungsfälle für Vertragsentwürfe, Due Diligence und regulatorisches Monitoring.
Frontline-Mitarbeiter bleiben außen vor
Besonders akut sind die Integrationsprobleme in Unternehmen mit großen Frontline-Belegschaften. Branchenleitfäden vom Juni zeigen: 80 Prozent der Mitarbeiter im Außendienst oder in der Produktion haben keine geschäftliche E-Mail-Adresse. Standardisierte Microsoft-Teams-basierte KI-Tools sind für sie kaum nutzbar.
Der Gallagher-Report belegt, dass Organisationen mit überwiegend Frontline-Mitarbeitern ein doppelt so hohes Kommunikationsrisiko tragen. Viele Unternehmen suchen daher nach speziell entwickelten Anwendungen statt nach gebündelten Unternehmenspaketen – ein Problem, das Microsofts aggressive Copilot-Strategie weiter erschweren dürfte.
