Autonome, Fahrzeuge

Autonome Fahrzeuge: 536 Millionen Meilen ohne Fahrer weltweit

30.06.2026 - 15:39:12 | boerse-global.de

Autonome Fahrzeuge legen über 536 Millionen fahrerlose Meilen zurück. Waymo, WeRide und Apollo Go dominieren den Markt.

Autonomes Fahren: 536 Mio. Meilen ohne Fahrer – Branche vor Durchbruch
Autonome - Ein elegantes, futuristisches autonomes Fahrzeug fährt in der Dämmerung durch eine Stadtstraße. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehr als 536 Millionen Meilen ohne Fahrer: Die Branche steht vor einem historischen Durchbruch.

Die Zeiten der Testfahrten mit Sicherheitsfahrer sind endgültig vorbei. Laut dem aktuellen „Autonomy 2.0“-Report der Stifel IRIS-Forschungsabteilung vom 30. Juni 2026 haben autonome Fahrzeuge weltweit inzwischen kumuliert 536,3 Millionen Meilen auf Level 5 zurückgelegt. Drei Player dominieren das Feld: Waymo, WeRide und Apollo Go – sie vereinen über 99 Prozent aller fahrerlosen Fahrten auf sich.

Neue Regeln: Kein Bremspedal mehr nötig

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat am 26. Juni einen bedeutenden Schritt gewagt. Ein neuer Vorschlag zur Änderung der Bundesnorm FMVSS Nr. 135 würde es Herstellern erlauben, Fahrzeuge ohne manuelles Bremspedal auszuliefern. Bislang galt eine jährliche Obergrenze von 2.500 Einheiten für solche Fahrzeuge – diese Hürde soll nun fallen.

NHTSA-Direktor Jonathan Morrison spricht von einer „historischen Innovation für die Automobilindustrie“. Die Bremsleistung selbst bleibt allerdings streng reguliert: Die Anforderungen an den Bremsweg ändern sich nicht. Die öffentliche Anhörung zu den Vorschlägen läuft noch bis zum 27. Juli 2026.

Parallel dazu hat die Vereinten Nationen am 25. Juni die erste globale technische Regelung für automatisierte Fahrsysteme veröffentlicht. China hat die Initiative maßgeblich mit vorangetrieben. Ziel ist es, die zersplitterten nationalen Vorschriften zu harmonisieren – ein entscheidender Schritt für die internationale Expansion von Robotaxi-Diensten.

Waymo auf der Überholspur

Die kommerzielle Skalierung nimmt rasant Fahrt auf. Waymo betreibt inzwischen eine Flotte von über 3.000 fahrerlosen Fahrzeugen und wickelt wöchentlich rund 500.000 bezahlte Fahrten ab. Das Unternehmen peilt bis Ende 2026 die Marke von einer Million Fahrten pro Woche an.

Im Fahrdienstsektor hat Uber sein autonomes Netzwerk durch rund 30 Partnerschaften massiv ausgebaut. Die Zahl der autonomen Fahrten stieg im vergangenen Jahr um das Zehnfache. Allerdings: Die spezifische Robotaxi-Partnerschaft mit Waymo in Phoenix wurde Anfang Juni beendet. Waymo setzt die Fahrzeuge dort nun für autonome Lieferdienste ein. Uber plant dennoch, den fahrerlosen Dienst bis Jahresende auf bis zu 15 Städte auszuweiten und setzt dabei auf künftige Fahrzeuglieferungen von Partnern wie Lucid, Nuro und Rivian.

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Spezialfahrzeuge und neue Produktionsrekorde

Zoox hat im Juni eine überarbeitete Version seines Robotaxis vorgestellt. Das Fahrzeug bietet verbesserte Innenraumkommunikationssysteme und eine neu gestaltete Sitzanordnung. Die kalifornische Produktionsstätte kann nun bis zu 100 Einheiten pro Woche fertigen – das Unternehmen bereitet den Markteintritt in Austin und Miami vor.

Tesla hat mit dem Cybercab einen weiteren Meilenstein erreicht. Das für Level 4 ausgelegte Fahrzeug kommt ganz ohne Lenkrad und Pedale aus. Das erste Serienmodell lief im April 2026 in Gigafactory Texas vom Band. Dokumente vom 29. Juni bestätigen: Der „Autonomous Mode“ bleibt während der Fahrt, beim Laden und bei Leerfahrten aktiv – nur Ersthelfer oder Tesla-Mitarbeiter können ihn deaktivieren.

Milliarden-Investitionen und fallende Kosten

Der Kapitalmarkt zeigt sich optimistisch. Momenta startete am 29. Juni seinen Börsengang in Hongkong und peilt rund 751 Millionen US-Dollar an. Zu den Ankerinvestoren zählen Mercedes-Benz, BYD, GIC und BlackRock. Das chinesische Unternehmen will den Großteil der Erlöse in Forschung, Entwicklung und die Kommerzialisierung von Robotaxis stecken.

Die Technologiekosten sinken rasant. Festkörper-LiDAR-Sensoren kosten laut Stifel inzwischen weniger als 200 US-Dollar. Der chinesische Lieferroboter-Hersteller Neolix hat seine europäische Präsenz auf über 15 Länder ausgeweitet und betreibt rund 21.000 autonome Last-Mile-Fahrzeuge.

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Sicherheitsdebatte bleibt aktuell

Der rasante Fortschritt geht mit wachsender Skepsis einher. Ende Juni leiteten NHTSA und die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB Ermittlungen zu einem tödlichen Unfall in Texas mit einem Tesla ein. Ein Tesla-Manager erklärte, die Telemetriedaten zeigten, dass der Fahrer das Gaspedal voll durchgetreten habe. Die Behörden prüfen jedoch, ob automatisierte Systeme beteiligt waren.

Zudem zog die NHTSA am 26. Juni ihr AV STEP-Programm zurück. Sicherheitskoalitionen hatten scharf kritisiert, dass das Programm keine verpflichtenden Berichtspflichten vorsah. Der Schritt verdeutlicht den grundlegenden Konflikt: Die Branche drängt auf regulatorische Erleichterungen, während Sicherheitsorganisationen strengere Kontrollen fordern – ein Spannungsfeld, das den Übergang von Pilotprojekten zur Massenproduktion begleiten wird.

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