Microsoft-Oracle Cloud-Deal platzt: 3-Milliarden-Vertrag gescheitert
18.06.2026 - 12:03:28 | boerse-global.de
Der Vertrag über mehr als drei Milliarden Euro platzte, weil Oracle angeblich zentrale Sicherheitsanforderungen für Regierungsdaten nicht erfüllen konnte.
Im Zentrum des Streits stand die FedRAMP-Zertifizierung von Oracles Public Cloud. Diese Zertifizierung ist für die Verarbeitung von US-Regierungsdaten zwingend vorgeschrieben. Microsoft wollte die Kapazitäten nutzen, um seine Cloud-Infrastruktur auszubauen. Doch Oracle zeigte sich offenbar nicht bereit, die notwendigen Sicherheitsstandards für die fraglichen Kapazitäten nachzurüsten.
Oracle selbst widerspricht der Darstellung. Das Unternehmen bezeichnet die Zusammenarbeit mit Microsoft als „äußerst kooperativ und produktiv" und die Berichte über das gescheiterte Geschäft als unzutreffend.
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Microsoft sucht neue Wege
Nach dem geplatzten Deal hat Microsoft schnell umgeschwenkt. Statt auf Oracle setzt der Konzern nun auf andere Partner. Einem Bericht zufolge hat Microsoft eine Vereinbarung mit Crusoe in Texas getroffen. Dort sollen 700 Megawatt Rechenkapazität angemietet werden – genug, um ganze Rechenzentren zu betreiben.
Copilot Cowork startet weltweit
Parallel zu den Cloud-Verhandlungen hat Microsoft am 17. Juni 2026 die allgemeine Verfügbarkeit von Copilot Cowork bekannt gegeben. Der spezialisierte Microsoft-365-Agent übernimmt delegierte Aufgaben wie Terminplanung, E-Mail-Verkehr und Dokumentenerstellung. Das Besondere: Das System arbeitet mit einem nutzungsbasierten Preismodell über sogenannte Copilot Credits und kombiniert Modelle von Anthropic mit zukünftigen Versionen der GPT-Serie.
Eigenentwicklung als Trumpf
Um die wachsende Software-Palette zu stemmen, setzt Microsoft verstärkt auf eigene Hardware. Der hauseigene Maia 200 AI-Chip, der im Frühjahr vorgestellt wurde, wird nun in US-Rechenzentren integriert. Der auf einem 3-Nanometer-Verfahren gefertigte Chip soll eine um 30 Prozent höhere Leistung bieten als vergleichbare Alternativen – bei ähnlichen Kosten. Zum Einsatz kommt er unter anderem für Microsoft 365 Copilot und Microsoft Foundry.
Milliarden-Ausgaben unter der Lupe
Der Strategiewechsel in der Cloud kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Microsoft steht wegen seiner hohen Investitionsausgaben zunehmend unter Druck. Eine Sammelklage von Aktionären, eingereicht am 15. Juni 2026, wirft dem Unternehmen vor, eine Verlangsamung des Azure-Wachstums verschwiegen zu haben. Das Wachstum fiel zuletzt von 40 auf 39 Prozent. Die Klage verweist zudem auf einen sprunghaften Anstieg der KI-bezogenen Ausgaben – allein 37,5 Milliarden Euro betrugen die Investitionen im letzten Quartal.
Interne Prognosen gehen davon aus, dass Microsofts Gesamtinvestitionen im Geschäftsjahr 2026 auf 190 Milliarden Euro steigen könnten. Solche Dimensionen sind kein Einzelfall: Nvidia platzierte am 17. Juni 2026 eine Anleihe über 25 Milliarden Euro, die mehr als dreifach überzeichnet war – ein klares Signal für die hohe Nachfrage nach KI-bezogenen Anleihen.
Asien als Wachstumsmotor
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Während Microsoft in Nordamerika mit regulatorischen Hürden kämpft, boomt das KI-Geschäft in China. Im Geschäftsjahr bis Juni 2025 hat sich der Azure-KI-Umsatz in der Region verdreifacht. ByteDance, der Mutterkonzern von TikTok, ist zu einem Großkunden aufgestiegen. Aktuelle Trends deuten darauf hin, dass das Unternehmen jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Azure-KI-Dienste ausgeben wird.
Microsoft hat auf das Wachstum reagiert: Automatisierte Überwachungssysteme wurden eingeführt, der Verkauf an etablierte Firmen wird beschränkt. Gleichzeitig testet der Konzern neuere Modelle wie DeepSeek-V4 für den Copilot Cowork-Dienst.
Auch in anderen Teilen Asiens investiert Microsoft kräftig. Der kanadische Pensionsfonds CPP Investments steckt rund 741 Millionen Euro in den indischen Rechenzentrumsbetreiber CtrlS – für den Bau von Hyperscale-Campussen, die das rasante Datenwachstum in der Region bewältigen sollen.
