Alzheimer-Diagnose: Bluttest bestimmt Biomarker in nur 17 Minuten
18.06.2026 - 12:03:28 | boerse-global.de
Eine neue Studie der University of Pittsburgh zeigt: Lithiumcarbonat kann den kognitiven Abbau bei leichten Gedächtnisstörungen deutlich verlangsamen. Die Ergebnisse kommen zur rechten Zeit, denn der AOK-Bundesverband rechnet bis 2060 mit rund 2,1 Millionen Demenzfällen in Deutschland.
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Lithiumcarbonat: Hoffnung für das Gedächtnis
Die im Fachmagazin JAMA Neurology veröffentlichte Pilotstudie untersuchte 80 Probanden mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen über zwei Jahre. Das Ergebnis: In der Lithium-Gruppe fiel der jährliche Rückgang des verbalen Gedächtnisses mit 0,73 Punkten deutlich geringer aus als in der Kontrollgruppe mit 1,42 Punkten. Das entspricht einer Verlangsamung um fast 50 Prozent.
Bereits eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2025 hatte darauf hingewiesen, dass die Lithiumkonzentration in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten reduziert ist. Der Wirkstoff könnte also eine Schlüsselrolle beim Schutz neuronaler Strukturen spielen.
Alte Medikamente, neue Wirkung
Neben Lithium rücken weitere bekannte Substanzen in den Fokus. Eine im Juni 2026 in Communications Medicine veröffentlichte Studie unter Beteiligung bayerischer Universitätskliniken untersuchte Spironolacton. Das Herzmedikament zeigte bei Schizophrenie-Patienten erste Hinweise auf eine Verbesserung der kognitiven Leistung – allerdings nach nur dreiwöchiger Einnahme. Professor Alkomiet Hasan betonte, dass diese vorläufigen Ergebnisse noch bestätigt werden müssten.
An der ETH Zürich arbeitet man mit einem neuen Molekül namens CPD10. In einer im Juni 2026 in Cell Reports Medicine publizierten Arbeit stabilisiert der Wirkstoff das Enzym GRK2. Bei Mäusen führte das zu weniger Beta-Amyloid-Plaques und einem besseren Schutz der Mitochondrien in Nervenzellen. Klinische Studien am Menschen stehen noch aus.
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Ein bemerkenswerter Einzelfall stammt aus Frontiers of Neuroscience: Eine über 80-jährige Alzheimer-Patientin im Spätstadium zeigte nach der Gabe von Psilocybin vorübergehende Verbesserungen der Mobilität und des autobiografischen Gedächtnisses. Die Forscher warnen jedoch vor Verallgemeinerungen.
Neue Risikofaktoren entdeckt
Parallel zur Wirkstoffforschung wurden im Juni 2026 umfangreiche Daten zu Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren veröffentlicht. Eine Analyse im Journal of the American Heart Association mit rund 800.000 Erwachsenen identifizierte niedrigen Blutdruck als einen der stärksten mit Alzheimer assoziierten Herz-Kreislauf-Faktoren. Der genaue Zusammenhang ist noch unklar.
Weitere Studien nennen zusätzliche Risikofaktoren:
- Glucosamin: Laut Nature Metabolism kann die Einnahme bei bestehenden kognitiven Einschränkungen das Alzheimer-Risiko um 25 Prozent erhöhen.
- Flüssigkeitsmangel: Eine südkoreanische Untersuchung assoziierte weniger als 1,2 Liter Trinkmenge täglich mit verstärkten Amyloid-Ablagerungen.
- Infektionen: Analysen aus Dänemark und Schweden deuten darauf hin, dass schwere Krankenhausinfektionen das spätere Demenzrisiko steigern.
- Social Media: Eine Studie aus Madrid und Bergen fand bei jungen Erwachsenen eine Korrelation zwischen über fünf Stunden Social-Media-Nutzung täglich und verstärkten Gedächtnislücken.
Schnellere Diagnose dank neuer Bluttests
Um frühzeitig behandeln zu können, braucht es bessere Diagnoseverfahren. Die im Juni 2026 vorgestellte HISCL-Plattform von Sysmex Europe bestimmt Alzheimer-Biomarker wie p-Tau217 aus Blutproben – und das in nur 17 Minuten. Bisher wird ein Großteil der Patienten mit leichten kognitiven Störungen nicht oder falsch diagnostiziert. Die Genauigkeit neuer KI-gestützter Bluttests liegt in aktuellen Fachpublikationen bereits bei über 92 Prozent.
