microagi sichert sich 55 Millionen Euro: Deutschlands größte Seed-Runde
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Daniela Rus, Direktorin des MIT-Labors für Informatik und Künstliche Intelligenz, wird mit dem Bayerischen Hochtechnologiepreis 2026 ausgezeichnet.
Die mit 300.000 Euro dotierte Ehrung wird der US-Robotics-Expertin am 23. Juli in der Münchner Residenz überreicht. Die Bayerische Staatsregierung und die Bayerische Akademie der Wissenschaften würdigen damit ihre wegweisenden Beiträge zur Robotik und autonomen Systemtechnologie. Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete Rus als „weltweit herausragende Autorität auf dem Gebiet der Robotik und Künstlichen Intelligenz". Die Rohde-Stiftung stellt die Fördermittel bereit.
München wird zum Hotspot für Physical AI
Die Auszeichnung fällt in eine Zeit intensiver Aktivitäten im Münchner Robotik-Sektor. Erst Anfang des Jahres sicherte sich das Münchner Startup microagi eine Seed-Finanzierung in Höhe von 55 Millionen Euro – Berichten zufolge die größte Seed-Runde, die jemals in Deutschland stattfand. Angeführt wurde die Runde von Hummingbird, beteiligt waren unter anderem Northzone, LocalGlobe, Village Global und redalpine.
Gegründet im September 2025 von einem Team ehemaliger Formel-1-Ingenieure und einem Alan-Turing-Forscher, entwickelt microagi die Plattform Atlas. Das System sammelt Betriebsdaten aus Fabrikumgebungen, um KI-Modelle für die Robotik zu trainieren. Ein zweites Standbein namens Shift beschäftigt über 20.000 Menschen in 15 Ländern, die alltägliche Haushaltsaufgaben filmen – die Rohdaten für skalierbares Robotertraining. CEO Bercan Kilic betont: So bedeutend die Finanzierung auch sei, sie decke nur einen Bruchteil der Investitionen, die nötig seien, um Europa im globalen Robotik-Wettbewerb zu halten.
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Auch der chinesische Autobauer XPeng baut seine Präsenz in München aus. Das Unternehmen präsentierte dort seinen humanoiden Roboter „Iron" sowie ein senkrecht startendes und landendes Fluggerät (VTOL) – Teil einer Strategie, die das Auto als Roboter begreift. XPeng unterhält ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in München sowie ein Produktionswerk in Österreich und hat in Europa bislang rund 61.000 Fahrzeuge verkauft.
RoboGym: Europas größtes Trainingszentrum für Physical AI
Um den wachsenden Bedarf an spezialisierten Trainingsumgebungen zu decken, bauen Neura Robotics und die Technische Universität München (TUM) das „RoboGym" im TUM Convergence Center nahe des Münchner Flughafens. Die 2.300 Quadratmeter große Anlage soll Mitte 2026 eröffnen und wird voraussichtlich Europas größtes Trainingszentrum für Physical AI sein. Neura Robotics steuert 11 Millionen Euro zu den Gesamtinvestitionen von 17 Millionen Euro bei. Ziel ist es, realistische Umgebungen zu schaffen, in denen humanoide Roboter eigenständig lernen können.
Der Automatisierungsdruck wächst: 2024 installierte Europa rund 85.000 Fabrikroboter – das sind 16 Prozent des weltweiten Aufkommens. China hingegen installierte 295.000 Einheiten, was 54 Prozent des globalen Marktes entspricht. Die EU-Kommission prognostiziert zudem einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung um 18,8 Millionen Menschen bis 2050.
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In einem speziellen Anwendungsfall haben Forscher der TUM und des Bayerischen Landeskriminalamts eine KI-Software entwickelt, die durchsuchbare 3D-Digitalkopien von Tatorten erstellt. Ermittler können per Sprachbefehl nach bestimmten Objekten suchen. Die Software wird derzeit bei Polizeidienststellen in Bayern und Hessen eingeführt.
KI-Politik und Open-Source-Tools
Auch international gibt es bedeutende Entwicklungen: Professorin Dame Wendy Hall erhielt kürzlich die Sir-Frank-Whittle-Medaille der Royal Academy of Engineering für ihre Arbeiten in Informatik und KI-Politik. Hall, Mitglied des UN-Beratungsgremiums für Künstliche Intelligenz, veröffentlicht im September 2026 ihr neues Buch „AI Explained".
Bei der technischen Standardisierung arbeiten Nvidia und Hugging Face zusammen. Sie integrieren neue Werkzeuge in die Open-Source-Plattform LeRobot, darunter ein Modell für humanoide Roboter und Teleoperationssoftware. Entwickler erhalten Zugriff auf über 350.000 reale und simulierte Bewegungsabläufe.
In der regionalen Bildung eröffnete Bayerns Digitalminister Fabian Mehring am 17. Juli die Summer Expo des XR Hub Würzburg. Die Universität Würzburg belegt europaweit den ersten Platz in der Extended-Reality-Forschung – unterstützt durch staatliche Fördermittel von insgesamt 2,5 Millionen Euro seit 2019.
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