Metabolische Gesundheit: BMI identifiziert nur 50% der Fettleibigen
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die herkömmliche Klassifizierung von Typ-2-Diabetes grundlegend präzisiert werden muss. Eine im August 2026 im Fachjournal „Diabetologia“ veröffentlichte Studie des Amsterdam University Medical Center und der University of Ghana zeigt, dass sich die Erkrankung je nach Body-Mass-Index (BMI) in zwei unterschiedlichen Ausprägungen manifestiert.
Während bei Patienten mit einem höheren BMI primär eine Insulinresistenz im Vordergrund steht, ist die Erkrankung bei Patienten mit niedrigerem BMI durch eine unzureichende Insulinproduktion gekennzeichnet. Trotz dieser physiologischen Unterschiede werden derzeit beide Patientengruppen identisch therapiert.
Die Grenzen des BMI in der klinischen Bewertung
Die Aussagekraft des BMI als alleiniger Gesundheitsindikator wird zunehmend kritisch hinterfragt. Fachärzte weisen darauf hin, dass die Kennzahl nicht zwischen Muskelmasse und Körperfett unterscheiden kann. Dies führt dazu, dass das Phänomen der „Normal-Weight Obesity“ (umgangssprachlich „skinny fat“) oft unentdeckt bleibt.
Eine Meta-Analyse von 25 Studien mit rund 32.000 Probanden ergab, dass der BMI nur etwa die Hälfte der tatsächlich fettleibigen Personen identifiziert.
Besonders bei Menschen asiatischer Herkunft wurde beobachtet, dass diese bei gleichem BMI oft einen höheren Körperfettanteil aufweisen als andere Bevölkerungsgruppen. Mediziner empfehlen daher, den Taillenumfang im Verhältnis zur Körpergröße (Waist-to-Height Ratio, WHtR) als präziseren Indikator heranzuziehen. Der Zielwert sollte hierbei unter der Hälfte der Körpergröße liegen.
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Risiken bei normalgewichtigen Patienten mit viszeralem Fett
Dass ein normales Körpergewicht keine Garantie für metabolische Gesundheit ist, belegen Daten zur Sterblichkeit und zu Begleiterkrankungen. Personen mit einem normalen BMI, aber ausgeprägtem Bauchfett, weisen laut medizinischen Einschätzungen ein 2,42-fach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Übergewichtigen mit einer gleichmäßigen Fettverteilung auf.
Eine Studie mit 6.905 US-Erwachsenen über 65 Jahren bestätigte im August 2026 diesen Trend: Während ein höherer BMI in dieser Altersgruppe statistisch mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden war – bei Männern mit Adipositas I/II lag die Reduktion bei 51 % –, erhöhte ein großer Taillenumfang das Risiko bei Männern um 24 %.
Auch in der Kardiologie zeigt sich dieses Bild. In der PARAGON-HF-Studie mit 4.796 Patienten litten 96 % der Teilnehmer an zentraler Adipositas, obwohl nur 49 % einen BMI von über 30 aufwiesen. Die WHtR erwies sich hier als der verlässlichere Indikator für drohende Herzinsuffizienz-Ereignisse.
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Metabolische Fettleber als verbreitetes Krankheitsbild
In Deutschland ist Schätzungen der Charité Berlin zufolge etwa jeder vierte Erwachsene von einer metabolischen Fettleber (SLD/MASLD) betroffen. Experten betonen, dass auch schlanke Menschen erkranken können. Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Druckgefühle im rechten Oberbauch sind oft unspezifisch, weshalb Früherkennung durch Ultraschall, Elastographie oder Blutwerte entscheidend ist.
Untersuchungen an HIV-Patienten unterstreichen die Relevanz dieser Diagnose bei Normalgewichtigen: Rund 14,6 % der Patienten mit einem BMI unter 25 weisen eine Fettleber auf. Die Schwere der Lebererkrankung ist bei diesen schlanken Patienten oft vergleichbar mit der bei übergewichtigen Personen. Ein Zusammenhang wird hier unter anderem mit bestimmten Medikamenten wie Tenofovir-Alafenamid sowie Hepatitis-B-Koinfektionen gesehen.
Zur Behandlung der metabolischen Fettleber und zur Reduktion von viszeralem Fett werden primär Lebensstiländerungen empfohlen. Neben einer Gewichtsreduktion und kohlenhydratzyklischer Ernährung raten Fachleute zu ausreichendem Schlaf, Krafttraining sowie moderatem Ausdauertraining. Ergänzend können in der Therapie essenzielle Phospholipide zum Einsatz kommen.
