Mentale Ermüdung: Meta-Analyse mit 235 Teilnehmern zeigt regionale Hirnreaktionen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deMentale Erschöpfung ist längst kein rein psychologisches Phänomen mehr, sondern beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Menschen auf mehreren Ebenen. An der Vrije Universiteit Brussel (VUB) widmet sich am 14. November 2026 ein wissenschaftliches Symposium von 9:00 bis 14:30 Uhr im U-Square VUB diesem Themenkomplex.
Der VUB-Forscher Bart Roelands verweist im Vorfeld darauf, dass geistige Ermüdung nicht nur kognitive Prozesse beeinträchtigt, sondern auch messbare Folgen für die körperliche Leistung und die Ausdauer hat. Aktuelle Untersuchungen der Brüsseler Forschungsgruppen verdeutlichen, wie komplex die Mechanismen im Gehirn und die individuellen Reaktionen ausfallen.
Individuelle Unterschiede und sportliche Praxis
Inwiefern die körperliche Ausdauer unter geistiger Beanspruchung leidet, untersuchte unter anderem Jelle Habay an der VUB. Den Daten zufolge zeigt mentale Ermüdung im Durchschnitt einen kleinen negativen Effekt auf die Ausdauerleistung.
Auffallend seien jedoch erhebliche individuelle Unterschiede. Weder das Alter noch das Geschlecht, der Body-Mass-Index oder das allgemeine Fitnessniveau liefern eine statistische Erklärung für diese Abweichungen zwischen den einzelnen Personen.
Dass geistige Belastung insbesondere in anspruchsvollen Wettkampfsituationen spürbar wird, zeigt eine Untersuchung von Chao Bian (VUB). In einer Erhebung unter chinesischen Fechtern gaben die Athleten an, sich während der K.-o.-Phase des Turniers deutlich stärker mental ermüdet zu fühlen als noch in den vorangegangenen Vorrunden.
Neurobiologische Mechanismen im Gehirn
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Auf der Ebene der neuronalen Verarbeitung analysierte Manon Roose an der VUB im Rahmen einer Meta-Analyse von neun Studien mit insgesamt 235 Teilnehmern die Veränderungen im Gehirn. Die Auswertung ergab, dass die Hirnaktivität bei mentaler Ermüdung nicht pauschal absinkt, sondern regional teils erhöht und teils erniedrigt ist.
Ergänzende pharmakologische Erkenntnisse liefert eine Versuchsreihe von Laurisa Arenales an der VUB mit 18 gesunden Erwachsenen. Die Probanden zeigten nach der Gabe von Methylphenidat, das auf Dopamin und Noradrenalin wirkt, weniger Fehler bei der Reaktionsunterdrückung nach körperlicher Anstrengung. Bei der Gabe des reinen Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmers Reboxetin blieb ein solcher Effekt hingegen aus.
Schlafdefizite und Strategien zur Regeneration
Die Auswirkungen anhaltender geistiger Beanspruchung werden häufig durch Schlafmangel verstärkt. Eine Studie der McGill-Universität unter Leitung von Marc Roig untersuchte die Folgen von 30 Stunden anhaltender Wachheit.
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Bei einer Überprüfung drei Tage später zeigte sich, dass sowohl eine 20-minütige Bewegungseinheit als auch ein 90-minütiges Nickerchen die Gedächtnisleistung für zuvor präsentierte Bilder in vergleichbarem Maße verbesserten. Die Kontrollgruppe ohne Intervention erzielte die schlechtesten Werte.
Messungen mittels Elektroenzephalografie (EEG) verdeutlichten in der McGill-Studie, dass das Nickerchen den Schlafdruck sowie die neuronale Ermüdung reduzierte, während körperliche Bewegung die Enkodierung des episodischen Gedächtnisses förderte.
Eine höhere kardiorespiratorische Fitness ging zudem mit einer besseren Gedächtniserhaltung nach der langen Wachphase einher. Die langfristigen neuroplastischen Anpassungen werden derzeit in einer laufenden, auf zwölf Wochen angelegten Studie mittels Magnetresonanztomografie durch die Arbeitsgruppe weiter erforscht.
