Mentale Care-Arbeit: Studie belegt massive psychische Belastung bei Frauen
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Das zeigt eine Studie der HMU Potsdam. Besonders die sogenannte mentale Care-Arbeit – also das Planen, Organisieren und Vorhersehen familiärer Bedürfnisse – belastet sie massiv. Und das hat konkrete Folgen: für die Gesundheit und die Altersvorsorge.
Doppelt so viel Belastung wie in den USA
Die im Juli 2026 veröffentlichte Studie belegt: Der Geschlechterunterschied bei mentaler Care-Arbeit ist in Deutschland mehr als doppelt so groß wie in vergleichbaren US-amerikanischen Untersuchungen. Als stärkster Stressfaktor erweist sich die emotionale Care-Arbeit. Sie steht in direktem Zusammenhang mit erhöhten Werten bei Stress, Depressivität und emotionaler Erschöpfung.
Die Forscher beobachteten zudem geschlechtsspezifische Unterschiede in der Belastungsreaktion. Während Frauen die Hauptlast tragen, reagieren Männer bereits bei einer geringen bis moderaten Zunahme psychisch stärker negativ. Die kumulierte Belastung bleibt bei Frauen dennoch deutlich höher – durch die ständige Zuständigkeit für organisationale und emotionale Aufgaben.
Psychische Erkrankungen auf Rekordniveau
Die Auswirkungen zeigen sich in der Arbeitswelt. Laut einem Bericht der DAK-Gesundheit haben psychische Erkrankungen erstmals Atemwegserkrankungen als häufigsten Grund für Krankschreibungen abgelöst. Die Fehlzeiten stiegen um 9 Prozent, die durchschnittliche Krankheitsdauer lag bei 9,7 Tagen.
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Ein Fehlzeitenreport für 2025 bestätigt den Trend: Psychisch bedingte Krankenstände nehmen langfristig zu – selbst wenn die allgemeinen Krankenstände leicht rückläufig sind. Experten fordern daher verstärkte Maßnahmen gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz und eine bessere betriebliche Gesundheitsförderung.
Pflege kostet Rentenpunkte
Die finanzielle Dimension der Sorgearbeit ist gravierend. Eine Analyse des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) zeigt: Pflegende Angehörige in Vollzeit erwerben im Schnitt 1,3 Rentenpunkte weniger als Beschäftigte ohne Pflegeverantwortung.
Das Problem liegt im System. Die Rentenversicherung übernimmt Beiträge für Pflegende nur unter strikten Bedingungen:
- Ein Pflegegrad von mindestens 2 muss vorliegen
- Die Pflege muss im häuslichen Umfeld stattfinden
- Die Erwerbsarbeit darf 30 Wochenstunden nicht überschreiten
Kritik gibt es vor allem an der 30-Stunden-Grenze. Wer mehr arbeitet und trotzdem pflegt, erhält keine zusätzlichen Rentenpunkte. Zudem stehen Kürzungspläne im Raum: Die Pflegekassen könnten künftig nur noch 70 Prozent der Beiträge übernehmen.
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Flexiblere Arbeitsmodelle gefragt
Der Wunsch nach besserer Vereinbarkeit ist groß. Eine PwC-Umfrage unter Berufstätigen in Österreich vom Mai 2026 ergab: 75 Prozent bevorzugen lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle. Rund 63 Prozent gaben an, dass ihre psychische Belastung in den letzten zwei Jahren gestiegen sei – bei Personen mit Pflegeverantwortung waren es sogar 83 Prozent.
Besonders Frauen sind unsicher, was ihre finanzielle Zukunft angeht. Während 62 Prozent der Männer Klarheit über ihre spätere Pension haben, sind es bei den Frauen nur 48 Prozent. Die Zahlen zeigen den direkten Zusammenhang zwischen ungleicher Care-Arbeit, psychischer Belastung und Altersarmut. Besonders betroffen: Alleinerziehende. Über 80 Prozent von ihnen sind Frauen, vier von zehn gelten aktuell als armutsgefährdet.
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