Mentale Belastung: 80 Prozent der Familien fühlen sich überfordert
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 08:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Frauen leisten in Deutschland deutlich mehr mentale Care-Arbeit als Männer. Der Unterschied ist mehr als doppelt so groß wie in vergleichbaren US-Studien. Das belegt eine Untersuchung der HMU Health and Medical University vom 23. Juli 2026, veröffentlicht in der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie.
Die Forscher identifizierten die emotionale Care-Arbeit als einen der größten Stressfaktoren. Ein hohes Pensum korreliert mit verstärkter emotionaler Erschöpfung und Depressivität. Dabei zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauen leiden bei sehr hoher Belastung überproportional, Männer reagieren bereits bei geringer bis moderater Belastung mit stärkeren negativen Auswirkungen.
Acht von zehn Familien fühlen sich mental belastet
Die R+V Versicherung bestätigt den Trend. Ihre Studie vom 23. Juli zeigt: 80 Prozent der Familien in Deutschland fühlen sich mental belastet. 76 Prozent wünschen sich ein verständnisvolleres Umfeld für ihre Situation.
Ein weiterer Stressfaktor: die Regulierung des Medienkonsums der Kinder. Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) befragte 1.639 Eltern. Fast ein Drittel fühlt sich überfordert, ein Social-Media-Verbot durchzusetzen.
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Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang mit dem eigenen Medienverhalten der Eltern. Je suchtartiger die Eltern selbst nutzen, desto geringer fällt die Unterstützung für verbote aus. Die Folgen sind messbar: 15 Prozent der Teilnehmer haben depressive Probleme, 23 Prozent zeigen erhöhte Angst- und 24 Prozent gesteigerte Stresssymptome. Das DZPG plädiert für mehr Medienkompetenz-Programme statt reiner Verbote.
Soziale Kontakte schützen die Psyche am besten
Die niederländische Studie von Jankovi? et al. (2026) mit 613 Erwachsenen zeigt: Regelmäßige Besuche bei Familie und Freunden sind der stärkste Resilienz-Faktor. Der Effekt ist sogar ausgeprägter als sportliche Betätigung.
Besonders für Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen gilt: Soziale Freizeit wirkt als Schutzfaktor im Erwachsenenalter. Eine YouGov-Umfrage aus dem Frühjahr 2026 bestätigt: 71 Prozent der Deutschen sehen gemeinsame Zeit als zentral für ihr emotionales Wohlbefinden. 63 Prozent empfinden gemeinsame Mahlzeiten als besonders verbindend.
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Neue Bücher und praktische Hilfen
Die Expertin Joy Okafor veröffentlichte am 24. Juli 2026 zwei Werke: „Before Burnout" zur Früherkennung von Erschöpfungszuständen, „Bridging Hearts" für empathische Kommunikation in Partnerschaften.
Auch für besondere Situationen gibt es neue Ansätze. In der JVA Bremen gestalteten inhaftierte Väter das Kinderbuch „Papazeit – nur anders!". Es soll Kindern helfen, die Trennung während der Haft zu verarbeiten. 500 Exemplare werden kostenlos verteilt.
Auf kommunaler Ebene wächst die Unterstützung. Im Landkreis Würzburg wird im Herbst 2026 ein elfter Familienstützpunkt eröffnet. Die Kita „Am Schießrain" in Lahr erhielt eine Rezertifizierung für ihre gesundheitsförderliche Einrichtung – mit Fokus auf den pädagogischen Umgang mit herausforderndem Verhalten.
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