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Mental Load: Frauen tragen überproportionalen Anteil der Organisationslast

08.06.2026 - 07:03:12 | boerse-global.de

Dauerbelastung durch Mental Load und digitale Reizüberflutung gefährdet die Gesundheit. Experten fordern mehr Prävention und kürzere Therapie-Wartezeiten.

Chronischer Stress: Ursachen, Folgen und wirksame Gegenstrategien
Mental - Hände halten sanft ein leuchtendes Objekt oder eine Pflanze, symbolisierend Balance und Wohlbefinden in einem modernen Büroumfeld. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Laut einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2021 fühlt sich bereits jeder vierte Bundesbürger häufig gestresst. Experten beobachten eine Zunahme von Perfektionismus, digitalem Stress und der sogenannten mentalen Last – mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

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Wenn der Körper in Alarmbereitschaft bleibt

Die körperliche Reaktion auf Belastung folgt einem festgelegten Muster. Biopsychologin Veronika Engert von der Universität Jena erklärt: Die Amygdala leitet in Stresssituationen Signale an den Hypothalamus weiter. Die Folge: Die Hormone Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet.

Kurzfristig kann ein erhöhter Cortisolspiegel die Leistungsfähigkeit steigern. Doch bei dauerhafter Ausschüttung drohen ernste Gesundheitsrisiken: Erschöpfungszustände, Burnout oder Herzinfarkte.

Die Psychologie unterscheidet dabei zwischen zwei Qualitäten der Belastung. Psychologin Pia Wippert von der Universität Potsdam trennt den produktiven Eustress vom belastenden Dystress. Während moderate Herausforderungen positive Effekte haben können, gilt Dauerstress als gefährlich.

Neurowissenschaftlerin Friederike Fabritius beschreibt ein ideales Stresslevel durch das Zusammenspiel der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Acetylcholin. Ihr Prinzip: Vergnügen, Herausforderung und Fokus.

Mental Load: Die unsichtbare Last trifft Frauen härter

Moderne Arbeitsformen bringen spezifische Belastungsfaktoren mit sich. Besonders der Begriff Mental Load – die unsichtbare Last der Organisations- und Planungsarbeit – rückt in den Fokus. Laut Untersuchungen von Lena Hipp am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) tragen Frauen hierbei einen überproportionalen Anteil.

Ein weiterer Stressfaktor: die ständige Erreichbarkeit. Ein Test der Universität Bamberg zeigte, dass eine gezielte Reduzierung der Smartphone-Nutzung die tägliche Bildschirmzeit von elf auf vier Stunden senken kann – mit entlastender Wirkung. Auch eine Waldorfschule in Mainz erprobte ein vierwöchiges Projekt zur Reduzierung der Handyzeit, um das Bewusstsein für digitale Nutzungsgewohnheiten zu schärfen.

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Was gegen chronische Überlastung hilft

Zur Vermeidung chronischer Überlastung empfehlen Fachleute verschiedene Strategien. Friederike Fabritius betont die Bedeutung von ausreichendem Schlaf – idealerweise mit einer Ruhephase ab 21 Uhr – sowie regelmäßiger Bewegung. Zur Regulation des Nervensystems werden Methoden wie Yoga, Qigong, Faszienarbeit und gezielte Atemübungen eingesetzt.

Bildungseinrichtungen reagieren mit verstärkten Angeboten. Die Volkshochschule Odenwaldkreis bietet Workshops zur Stressregulation an. Die KVHS Mainz-Bingen plant für den Spätherbst 2026 eine mehrtägige Bildungszeit zum Thema Stressbewältigung. Bereits 2020 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Materialien zum Umgang mit Belastungen in schwierigen Zeiten.

Besorgnis erregt die Situation bei Jugendlichen. Winfried Schneider, Oberstufenleiter an einer Kölner Gesamtschule, schätzt, dass mindestens ein Drittel der Schüler in der Oberstufe psychisch belastet ist. Präventionsprogramme eines Fachvereins werden dort bereits seit mehreren Jahren eingesetzt, um die psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Lange Wartezeiten und drohende Honorarkürzungen

Trotz steigendem Bedarf zeigen sich strukturelle Engpässe in der Versorgung. In Regionen wie Wiesbaden müssen Patienten laut Heike Winter, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen, mit Wartezeiten von etwa vier Monaten für einen Therapieplatz rechnen. Die häufigsten Diagnosen: Depressionen und Angststörungen.

Zusätzlicher Druck entsteht durch geplante gesetzliche Änderungen. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz könnte laut Branchenvertretern zu Honorarkürzungen von 20 bis 30 Prozent für Psychotherapeuten führen. Das birgt das Risiko, dass Therapieplätze weiter reduziert werden – während spezialisierte Ausbildungsanbieter ihre Tätigkeit bereits teilweise eingestellt haben.

Vor diesem Hintergrund gewinnen niederschwellige Angebote zur Prävention und Selbstregulation zunehmend an Bedeutung. Der Internationale Yoga-Tag Anfang Juni rückte solche Ansätze in den Fokus – für die betriebliche und individuelle Gesundheitsvorsorge.

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