Meditation: Warum das Gehirn von Natur aus gegen Ruhe arbeitet
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Praxis der Meditation und Achtsamkeit hat in den letzten Jahren im Bereich der mentalen Gesundheit stark an Bedeutung gewonnen. Dennoch berichten viele Anwender von erheblichen Schwierigkeiten, den eigenen Geist zur Ruhe zu bringen. In einer psychologischen Analyse für das Fachportal Psychology Today legte der Psychiater Dr. Anders Hansen dar, dass diese Widerstände keine persönlichen Defizite darstellen, sondern auf der grundlegenden biologischen Beschaffenheit des menschlichen Gehirns beruhen.
Evolutionärer Fokus auf das Überleben
Gemäß den Ausführungen von Dr. Hansen ist das menschliche Gehirn im Laufe der Evolution primär auf das Überleben ausgerichtet worden, nicht auf das Erreichen von Zuständen der Achtsamkeit oder inneren Ruhe. In einer Umwelt, die von ständigen physischen Bedrohungen geprägt war, erwies sich die Fähigkeit zur kontinuierlichen Planung und zum Grübeln als entscheidender Überlebensvorteil.
Die Tendenz des Geistes, ständig zwischen vergangenen Ereignissen und zukünftigen Szenarien hin- und herzuwechseln, diente dazu, aus Fehlern zu lernen und potenzielle Gefahren frühzeitig zu antizipieren. Was in der modernen Meditationspraxis oft als Hindernis wahrgenommen wird – das sogenannte Gedankenkarussell –, war für die Vorfahren des modernen Menschen eine essenzielle Überlebensstrategie. Laut Hansen sei das Gehirn daher funktional nicht darauf ausgelegt, im Hier und Jetzt zu verweilen, sondern die Umgebung und die eigene Situation permanent auf Risiken hin zu scannen.
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Diese tief verwurzelte Programmierung führt bei vielen Menschen zu Frustration, wenn sie versuchen, während der Meditation eine gedankliche Stille zu erzwingen. Der Versuch, die natürliche Aktivität des Gehirns zu unterdrücken, steht im direkten Widerspruch zu den biologischen Mechanismen, die über Jahrtausende hinweg das Bestehen der Spezies gesichert haben.
Hansen identifizierte diese psychologischen Hintergründe als Hauptursache dafür, warum Meditation oft als anstrengend oder gar unmöglich empfunden wird. Das Gehirn interpretiert die Ruhephase nicht zwangsläufig als Erholung, sondern nutzt den Leerlauf häufig für weitere Planungsprozesse oder die Analyse sozialer Interaktionen, da dies evolutionär betrachtet die sinnvollste Nutzung der verfügbaren Ressourcen darstellte.
Empfehlungen für den Umgang mit Meditationsschwierigkeiten
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Anstatt die auftretende Unruhe als Scheitern zu werten, rät der Psychiater zu einem Perspektivwechsel. Er betonte die Bedeutung von Selbstmilde gegenüber Selbstkritik. Viele Übende neigen dazu, sich für ihre abschweifenden Gedanken zu verurteilen, was den Stresspegel zusätzlich erhöht und dem Ziel der Entspannung entgegenwirkt.
Hansen empfahl, die Schwierigkeiten beim Meditieren als Ausdruck eines voll funktionsfähigen, auf Sicherheit bedachten Gehirns zu akzeptieren. Eine Haltung der Nachsicht mit sich selbst sei entscheidend, um den Druck aus der Praxis zu nehmen. Wer verstehe, dass das Gehirn lediglich seine evolutionäre Aufgabe erfülle, könne eine distanziertere und wertungsfreiere Beobachtung der eigenen Gedanken entwickeln. Dieser Ansatz der Selbstmilde gilt laut dem Experten als wesentlicher Schlüssel, um trotz der biologischen Widerstände langfristig von mentalen Trainingstechniken profitieren zu können.
