Meditation, Forscher

Meditation: Forscher dokumentiert Schlafstörungen und psychische Nebenwirkungen

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien von Willoughby Britton zeigen mögliche Schlafprobleme und psychische Belastungen. Zudem wächst die Kritik an kommerzieller Achtsamkeit.

Meditation: Forschung zeigt Risiken intensiver Achtsamkeitspraxis
Ein minimalistischer, leerer Raum mit natürlichem Lichteinfall, der eine ruhige und nachdenkliche Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Meditation gilt im gesellschaftlichen Diskurs weitgehend als universelles Mittel gegen Stress, Schlafprobleme und psychische Belastungen. Doch wissenschaftliche Untersuchungen rücken zunehmend die Schattenseiten und potenziellen Risiken intensiver Achtsamkeitspraxis in den Fokus.

Forschungen von Willoughby Britton an der US-amerikanischen Brown University zeigen, dass Meditation keineswegs bei allen Menschen zu mehr Entspannung führt, sondern mitunter das Gegenteil bewirken kann.

Schlafstörungen und psychische Belastungen als Nebenwirkungen

Die Forschungsarbeiten von Britton verdeutlichen, dass eine Ausweitung der Meditationsdauer nicht zwangsläufig das Wohlbefinden steigert. Bei Probanden führte mehr Meditation unter anderem zu einer Verschlechterung der Schlafqualität. Physiologisch zeigte sich dies in einer Zunahme von Fast-Wave-Aktivität sowie sogenannten Microarousals, also kurzen, unbewussten Weckreaktionen während der Nachtruhe.

Darüber hinaus dokumentiert die Forschung von Britton schwerwiegendere psychologische Reaktionen: Bei einigen Praktizierenden traten verstärkt Angstzustände, Unmotiviertheit, Paranoia, Halluzinationen oder Dissoziationen auf.

Bemerkenswert ist dabei auch der persönliche Hintergrund der Forscherin: Britton verfügt selbst über eine umfangreiche Meditationspraxis von über 10.000 und nahe 20.000 absolvierten Stunden. Ihre Befunde verdeutlichen, dass Achtsamkeitsübungen wie jede wirksame Intervention auch unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können.

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Kritik an der Kommodifizierung von Achtsamkeit

Parallel zu den klinischen Befunden wächst auch die gesellschaftstheoretische Kritik an der Kommerzialisierung der Achtsamkeitsbewegung. Diskutiert wird das Phänomen unter anderem unter dem Begriff McMindfulness, der die Umwandlung spiritueller Praktiken in käufliche Lifestyle-Produkte beschreibt. Kritiker merken an, dass Achtsamkeit häufig vor allem für die Mittel- und Oberschicht zugänglich und vermarktet werde.

Dabei wird insbesondere die Möglichkeit, sich aus belastenden Nachrichten und gesellschaftlichen Krisen mental auszuklinken, als Privileg problematisiert. In aktuellen Debatten wird daher vermehrt zwischen einer eskapistischen Achtsamkeit, die dem Rückzug aus der Realität diene, und einer geerdeten Achtsamkeit unterschieden, die den Bezug zur Umwelt und gesellschaftlichen Herausforderungen wahrt.

Gelingendes Leben statt reiner Selbstoptimierung

Die Problematik einer rein individualisierten Bewältigung von Belastungen greift auch der Wirtschaftspsychologe Oliver Hoffmann auf. In seinem Werk mit dem Titel „Glück ist nicht genug“ setzt er dem Konzept des käuflichen Glücks das antike aristotelische Ideal der Eudaimonia entgegen, das auf ein gelingendes Leben im ganzheitlichen Sinne abstellt.

Hoffmann kritisiert eine neoliberale Umdeutung von Resilienz, die Achtsamkeit und psychische Widerstandskraft primär als Werkzeuge zur individuellen Selbstoptimierung begreife.

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Eine solche Verkürzung führe zu einer Entpolitisierung des Leids, indem gesellschaftliche oder arbeitsbedingte Belastungsfaktoren individualisiert und der Verantwortung des Einzelnen zugeschoben werden, statt strukturelle Ursachen anzugehen.

Die Debatte um die Grenzen der Achtsamkeit zeigt somit, dass Meditation weder ein Allheilmittel für das Individuum noch ein Ersatz für gesellschaftliche Veränderungen sein kann.

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