Medikamentenplan, Senioren

Medikamentenplan: 60% der Senioren nehmen drei Präparate täglich

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 03:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

90 Prozent der Versicherten befürworten den eMP, doch die Praxis hinkt hinterher. Eine Pilotphase startet im Juli 2026.

Elektronischer Medikationsplan: Große Zustimmung, schleppende Umsetzung
Hände einer älteren Person sortieren sorgfältig Medikamentenflaschen auf einer Oberfläche, im Hintergrund ein Tablet mit medizinischen Daten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Doch in der Praxis hapert es noch gewaltig.

Jeder zweite Ältere nimmt drei oder mehr Medikamente

Die Zahl der Medikamente steigt mit dem Alter rasant. Aktuelle Erhebungen aus dem Frühjahr 2026 zeigen: Rund 36 Prozent aller gesetzlich Versicherten in Deutschland nehmen dauerhaft drei oder mehr verordnete Präparate ein. Bei den über 60-Jährigen sind es bereits 60 Prozent.

Das Problem: Zwischen 30 und 50 Prozent der Betroffenen nehmen ihre Medikamente nicht korrekt ein. Das legt eine Untersuchung der Universität Basel aus diesem Jahr nahe. Die Folgen sind gravierend. Frühere Daten der Universität Luzern belegen: Unerwünschte Arzneimittelwirkungen führen jährlich zu rund 32.000 Krankenhauseinweisungen.

Der elektronische Medikationsplan kommt – aber langsam

Der elektronische Medikationsplan (eMP) soll Abhilfe schaffen. Er wird als Funktion in die elektronische Patientenakte (ePA) integriert. Eine Forsa-Umfrage unter mehr als 8.500 Befragten im April 2026 zeigt: 90 Prozent der Versicherten befürworten die Einführung.

Doch die Realität sieht anders aus:

  • 62 Prozent der Patienten mit drei oder mehr Medikamenten nutzen noch einen Papierplan
  • 81 Prozent der Arztbesuche: Die ePA ist kein Gesprächsthema
  • Weniger als die Hälfte der Versicherten (47 Prozent) fühlt sich gut informiert
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Besonders für Senioren ab 60 Jahren kann die Vielzahl an verschriebenen Präparaten zum Risiko werden, da viele Wirkstoffe im Alter gefährliche Nebenwirkungen auslösen. Der kostenlose PDF-Ratgeber zur Priscus-Liste informiert Sie über kritische Medikamente und zeigt sichere Alternativen für Ihr nächstes Arztgespräch auf. Stürze und Verwirrtheit vermeiden: Jetzt kostenlosen Medikamenten-Ratgeber sichern

Mitte Juli 2026 startete eine Pilotphase für den eMP in ausgewählten Modellregionen. Die Testphase soll bis zum Herbst abgeschlossen sein. Ziel: die technischen Prozesse validieren, bevor der breite Rollout kommt.

Die Zustimmungswerte für den Zugriff sind hoch: 89 Prozent der Patienten würden Ärzten den Einblick erlauben, 80 Prozent auch Apothekern.

Krebszahlen steigen – und mit ihnen die Dringlichkeit

Der Krebsreport 2025, im Februar 2026 vorgestellt, zeigt für Österreich eine klare Tendenz: Fast jeder dritte über 75-Jährige (34 Prozent) ist von Krebs betroffen. 60 Prozent der jährlichen Neuerkrankungen entfallen auf die über 65-Jährigen. Experten erwarten, dass dieser Anteil bis 2040 auf über 75 Prozent steigt.

Der Vergleich der gesunden Lebensjahre ab 60 unterstreicht den Handlungsbedarf. Der EU-Schnitt liegt bei 9,8 Jahren. Österreich erreicht nur 8,1 Jahre. Eine optimierte Arzneimitteltherapie könnte die Lebensqualität im Alter deutlich verbessern.

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Neue Gesetze für mehr Patientensicherheit

Der Gesetzgeber reagiert. Seit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) von 2024 nutzen Krankenkassen verstärkt Versicherungsdaten zur Risikoerkennung. Die Bilanz: Rund 1,5 Millionen Versicherte wurden gezielt auf Gesundheitsrisiken hingewiesen. Daraus resultierten 90.000 Kontakte zur Krebsfrüherkennung und über 8.000 Beratungen zum Pflegebedarf.

Seit Anfang Juli 2026 gilt zudem das Apotheken-Wahlrecht-Gesetz (ApoVWG). Es erlaubt eine befristete Ausnahme vom Zuweisungsverbot: Arztpraxen dürfen E-Rezepte für Pflegeheimbewohner direkt an die heimversorgende Apotheke übermitteln. Die Regelung soll Praxisteams entlasten und die Versorgung pflegebedürftiger Patienten sichern.

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes bezeichnet die Digitalisierung als langfristigen Prozess. Technische Lösungen wie Sicherheits-Wallets für Gesundheitsdaten sind bereits eingeführt. Doch die Integration in den Praxisalltag bleibt die zentrale Hürde.

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