Medikamente, Präparaten

Medikamente im Alter: Ab fünf Präparaten steigt das Risiko für Nebenwirkungen

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele Arzneimittel erhöhen im Alter das Risiko für Wechselwirkungen und Fehler; strukturierte Analysen können die Therapie sicherer machen.
Ein leeres Glas Wasser und eine kleine weiße Untertasse auf einem hölzernen Nachttisch in einem hellen, ruhigen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Mit zunehmendem Lebensalter steigt häufig die Zahl der täglich verordneten Arzneimittel. Fachberichte und Gesundheitsorganisationen weisen verstärkt darauf hin, dass ab einem Alter von 50 Jahren besondere Vorsicht bei der Medikamentenanwendung geboten ist.

Zu den zentralen Risiken zählen unerwünschte Wechselwirkungen, unbemerkte Überdosierungen und Einnahmefehler. Fachleute betonen daher die wachsende Bedeutung regelmäßiger strukturierter Medikationsüberprüfungen, um die Arzneimitteltherapiesicherheit im Alter zu gewährleisten.

Steigende Risiken durch Polypharmazie

In den Vereinigten Staaten führen unerwünschte Arzneimittelereignisse laut Daten der Gesundheitsbehörde CDC jährlich zu 1,5 Millionen Behandlungen in Notaufnahmen. Die zuständige Abteilung der Arzneimittelbehörde FDA (FDA-OSE) prüft pro Jahr mehr als 2 Millionen Berichte über Nebenwirkungen und Medikationsfehler.

Eine Erhebung der KFF verdeutlicht das Ausmaß: Sechs von zehn Personen ab 65 Jahren nehmen demnach vier oder mehr verschreibungspflichtige Medikamente ein. Bereits ab einer Schwelle von fünf gleichzeitig eingenommenen Präparaten steigt das Risiko für ernste Nebenwirkungen und Hospitalisierungen spürbar an.

Besonders kritisch sind Schnittstellen in der medizinischen Versorgung. Laut Veröffentlichungen im Journal on Quality and Patient Safety entstehen geschätzt 46 Prozent der Medikationsfehler während der Aufnahme in ein Krankenhaus oder bei der anschließenden Entlassung.

Zudem besitzen über 600 bekannte Medikamente anticholinerge Eigenschaften, die im Alter zu erheblichen Komplikationen führen können. In den USA werden entsprechende Medikationsprüfungen unter bestimmten Voraussetzungen von Medicare übernommen.

Die Belastung durch anticholinerge Wirkstoffe

Zu den typischen Begleiterscheinungen anticholinerger Arzneistoffe gehören Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalt, Schläfrigkeit, Schwindel, Verwirrtheitszustände, Gedächtnisstörungen sowie eine erhöhte Sturzgefahr.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen seiner Medikation befasst, sollte auch die Bedeutung der Blutwerte kennen, da diese häufig die Grundlage für Verordnungen bilden. Dieser kostenlose 25-seitige Report hilft dabei, die eigenen Laborwerte besser zu verstehen und potenzielle Fehlinterpretationen zu erkennen. Tausende Deutsche verstehen ihre Blutwerte jetzt selbst – dank diesem kostenlosen 25-Seiten-Report

Eine in BMJ Medicine veröffentlichte britische Untersuchung (Best et al. 2026), an der Forscher der Universitäten Leeds und Liverpool sowie des Bradford Institute beteiligt waren, nutzte anonymisierte Daten von fast 750.000 Erwachsenen über 65 Jahren.

Auf dieser Basis entwickelten die Wissenschaftler den Anticholinergic Medication Index (ACMI), um die anticholinerge Last und das damit verbundene Delir- und Sturzrisiko zu erfassen.

Laut Erstautorin Dr. Kate Best erhalten etwa 50 Prozent der älteren Menschen im Vereinigten Königreich jährlich mindestens ein anticholinerges Medikament, zu denen unter anderem Wirkstoffe wie Diphenhydramin, Oxybutynin oder Amitriptylin zählen.

Das System ist in zwei britischen NHS-Trusts bereits direkt in die elektronische Patientenakte integriert und aktualisiert sich automatisch bei Verordnungen oder Absetzungen. Pilotprojekte laufen zudem auf geriatrischen Stationen und orthopädischen Stationen für Hüftfrakturen.

Anzeige

Da viele Medikamente die Nährstoffaufnahme beeinflussen können, ist es für Patienten wichtig, die Zusammenhänge zwischen Blutwerten und Vitalstoffen zu kennen. Vitalstoffexperte Dr. Fricke zeigt in seinem Gratis-PDF, wie Sie 10 entscheidende Werte kennen und gezielt für Ihre Gesundheitsvorsorge nutzen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Auch bei der geriatrischen Behandlung von Sturzfolgen im St. Rochus Krankenhaus Steinheim bildet die Überprüfung der Medikation neben Blutdruckabfällen und Herzrhythmusstörungen einen festen Bestandteil der Ursachenabklärung, um postoperative Komplikationen wie ein Delir frühzeitig zu vermeiden.

Praktische Ansätze zur Medikationsanalyse

Experten raten bei unklaren Symptomen wie neu auftretender Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Schwindel oder wiederholten Stürzen zu einer gezielten Prüfung aller Präparate. Ein eigenmächtiges Absetzen oder Dosisänderungen sollten vermieden werden.

Fachapotheker empfehlen eine umfassende Medikationsanalyse insbesondere dann, wenn fünf oder mehr Arzneimittel dauerhaft eingenommen werden, chronische Erkrankungen vorliegen oder Rezepte von mehreren Fachärzten stammen.

Bei solchen Analysen werden Doppelverordnungen, Wechselwirkungen und der optimale Einnahmezeitpunkt strukturiert abgeglichen. Eine feste Stammapotheke mit Patientenkartei kann diesen Prozess unterstützen.

Internationale Initiativen unterstreichen die Notwendigkeit von Wachsamkeit. Im Rahmen der internationalen Aktionswoche MedSafetyWeek vom 2. bis 8. November 2026, koordiniert vom Uppsala Monitoring Centre unter Beteiligung von über 130 Organisationen aus mehr als 120 Ländern, wird dazu aufgerufen, Nebenwirkungen konsequent zu melden.

In Deutschland können Verdachtsfälle über die gemeinsame Plattform von BfArM und Paul-Ehrlich-Institut übermittelt werden, in Österreich über das Portal des BASG.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70472638 |