Medikamente aus dem Drucker: Klinikum Oldenburg zeigt Potenzial
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Individuell dosierte Arzneimittel aus dem Drucker statt aus der Fabrik: Am Klinikum Oldenburg ist ein 3D-Drucker im Einsatz, der Kautabletten für schwer kranke Kinder in Erdbeer-Vanille-Geschmack herstellt.
Das Gerät, etwa so groß wie ein Backofen, kann Dosis, Konsistenz, Form, Größe und Geschmack der Tabletten passgenau auf einzelne Patientinnen und Patienten zuschneiden. Der Fall zeigt exemplarisch, welches Potenzial die Technologie in der Kindermedizin hat – und wo sie noch am Anfang steht.
Von der Pilotphase in die Regelversorgung
Erprobt wurde der Drucker zunächst auf einer Station des Elisabeth-Kinderkrankenhauses am Klinikum Oldenburg. Nach Abschluss der Pilotphase wurden die Prozesse geprüft und TÜV-zertifiziert, sodass das Verfahren inzwischen in die Regelversorgung übergeht.
Für herkömmliche Arzneimittelhersteller ist die exakte Individualisierung von Dosierung und Form kaum wirtschaftlich darstellbar – gerade bei Kindern, deren Körpergewicht und Stoffwechsel stark variieren, ist eine passgenaue Dosis aber besonders relevant.
Kapazität und Kosten
Das im Klinikum Oldenburg eingesetzte Gerät kostete nach Angaben aus dem Klinikum rund 50.000 Euro. Pro Druckvorgang lassen sich bis zu 25 Tabletten herstellen, insgesamt sind täglich mehrere Hundert Tabletten möglich. Bislang wurden auf diese Weise rund 300 Tabletten für eine einzelne Station produziert – ein Volumen, das die Anwendung bislang klar auf einen begrenzten, spezialisierten Bedarf beschränkt.
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Geschmack als Teil der Therapie
Ein Detail, das in der Kindermedizin praktische Bedeutung hat: Die gedruckten Kautabletten lassen sich nicht nur in Dosierung und Form, sondern auch geschmacklich anpassen.
Die Erdbeer-Vanille-Variante soll die Einnahme für junge Patientinnen und Patienten erleichtern – ein Aspekt, der bei der Therapietreue schwer kranker Kinder eine Rolle spielt, wenn Standardpräparate mangels kindgerechter Darreichungsform schwer zu schlucken oder unangenehm im Geschmack sind.
Ausweitung auf weitere Anwendungsfelder geplant
Am Klinikum Oldenburg soll die Nutzung des 3D-Druckers künftig ausgeweitet werden. Im Blick sind dabei perspektivisch auch Schmelztabletten sowie die Anwendung bei geriatrischen Patientinnen und Patienten. Damit würde sich der Einsatzbereich der Technologie von der Kindermedizin auf eine weitere Gruppe mit besonderem Bedarf an individualisierter Dosierung ausdehnen – ältere Menschen leiden häufig unter Schluckbeschwerden oder benötigen aufgrund von Mehrfacherkrankungen fein abgestimmte Wirkstoffmengen.
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Einordnung durch Fachverbände
Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker bewertet die Technologie insgesamt zurückhaltend: Der 3D-Druck von Arzneimitteln befinde sich überwiegend noch im Forschungsstadium. Das größte Potenzial sieht der Verband derzeit vor allem in der Kindermedizin, wo der Bedarf an individuell angepassten Dosierungen besonders groß und mit konventionellen industriellen Herstellungsverfahren nur schwer zu decken ist.
Der Fall des Klinikums Oldenburg macht deutlich, dass die Technologie den Sprung von der reinen Forschung in eine zertifizierte klinische Anwendung bereits geschafft hat – wenn auch bislang in überschaubarem Umfang und auf einen spezialisierten Einsatzbereich begrenzt.
Ob sich der Ansatz auf breitere Patientengruppen wie ältere Menschen mit Schluckproblemen oder komplexen Medikationsplänen übertragen lässt, dürfte sich erst in den kommenden Ausbaustufen zeigen.
Mehr zum Thema bei ZEIT Online: „Klinikum Oldenburg: 3D-Drucker stellt Kautabletten für schwer kranke Kinder her“
