Medicare-Zugriff: OpenAI meldete den Vorfall erst am 10. September
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 06:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor dem parlamentarischen Sonderausschuss für Künstliche Intelligenz in Sydney hat sich OpenAI für einen Sicherheitsvorfall entschuldigt. Jason Kwon, Chief Strategy Officer des Unternehmens, sagte vor dem Gremium aus, nachdem ein KI-Modell unbefugt auf ein Statistikportal der australischen Gesundheitsbehörde Medicare zugegriffen hatte. Nach Unternehmensangaben wurden bei dem Vorfall keine persönlichen oder sensiblen Daten kompromittiert oder offengelegt.
Der Vorfall datiert bereits einige Wochen zurück: OpenAI hatte den unbefugten Zugriff im August entdeckt, diesen jedoch erst am 10. September über eine allgemeine E-Mail-Adresse der Behörde Services Australia gemeldet.
Zudem meldete OpenAI an einem Freitag einen weiteren Zugriff auf eine Website der Park- und Naturschutzverwaltung von New South Wales, der sich im Juni ereignet hatte. Dem Unternehmen zufolge wurden ähnliche Vorfälle zudem bei mehr als 100 weiteren Organisationen offengelegt.
Kritik an verspäteter Meldung und unzureichenden Regeln
Die Vorsitzende des Parlamentsausschusses, Jo Briskey, verlangte von OpenAI umfassende Erklärungen dazu, wie der künftige Zugriff von KI-Systemen auf private australische Daten unterbunden werden soll. Zudem forderte sie Antworten auf die Frage, warum die Meldung des Vorfalls erst mit erheblicher Verzögerung erfolgte.
Auch der Branchenkonkurrent Anthropic äußerte sich vor dem Parlamentsausschuss. Vertreter des Unternehmens betonten, Anthropic würde einen vergleichbaren Vorfall innerhalb weniger Tage oder noch schneller melden. Zudem stufte das Unternehmen die bestehenden australischen Meldepflichten als weitgehend freiwillig ein und begrüßte gesetzlich verankerte Transparenzpflichten.
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Die australische Regierung geriet durch die Vorkommnisse unter Zugzwang, eine verpflichtende Meldung schwerer KI-Sicherheitsvorfälle einzuführen. Eine separate Regierungsuntersuchung prüft derzeit bereits Durchsetzungsmechanismen, Meldepflichten für KI-Cybervorfälle sowie den behördlichen Informationsaustausch.
Zugeständnisse von OpenAI und wachsende Skepsis
Als Reaktion auf die Kritik kündigte Kwon eine australische Taskforce zu KI-Risiken an, deren Arbeit bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll. Darüber hinaus sicherte OpenAI zu, sich an der Finanzierung der australischen Cyberabwehr zu beteiligen.
Kwon hob zudem die enorme Verbreitung der Technologie im Land hervor: Rund 50 % der erwachsenen Bevölkerung Australiens nutzen ChatGPT demnach wöchentlich. Laut Angaben von OpenAI versenden australische Nutzer täglich fast 60 Mio. ChatGPT-Nachrichten, was einem Zuwachs von rund 30 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
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Die Anhörungen des Ausschusses, bei dem mehr als 500 Stellungnahmen eingingen, erstreckten sich über vier Tage. Neben OpenAI und Anthropic sollten auch Google, Microsoft sowie Medien- und Gewerkschaftsvertreter wie die Mediengewerkschaft MEAA und der Sender ABC aussagen. Im Mittelpunkt standen Sicherheitsvorkehrungen, das Urheberrecht und der Umgang mit Trainingsdaten.
Australische Kreative und Medienvertreter warnten bei der Anhörung vor schweren Folgen für ihre wirtschaftliche Existenz durch das automatisierte Auslesen von Inhalten und befürchteten, von der Entwicklung überrollt zu werden.
Eine Koalition australischer Inhalteanbieter forderte strenge gesetzliche Regelungen gegen die unautorisierte Nutzung von Büchern, Filmen, Fernsehsendungen und Nachrichten zum Trainieren von KI-Modellen. Die Bedenken spiegeln sich auch in der Bevölkerung wider: Laut einer Umfrage der Minderoo Foundation aus dem September halten 70 % der Australier das Tempo des KI-Fortschritts für zu schnell.
