Matcha und Heißgetränke: 3,17-faches Krebsrisiko bei sehr heißem Tee
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 06:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Markt für Matcha-Tee verzeichnete in den letzten Jahren ein signifikantes Wachstum, was sowohl durch steigende Importzahlen als auch durch eine verstärkte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Getränk deutlich wird.
Während Ratgeber die gesundheitlichen Vorteile der Inhaltsstoffe betonen, weisen aktuelle Forschungsberichte im September 2026 zugleich auf Risiken hin, die insbesondere mit der Temperatur des konsumierten Heißgetränks in Verbindung stehen.
Marktentwicklung und Verbraucherschutz bei Matcha-Produkten
Die Popularität von Matcha spiegelt sich in den Produktions- und Handelsstatistiken wider. In Japan stieg die Produktion des feingemahlenen Grüntees von 1.471 Tonnen im Jahr 2010 auf 4.176 Tonnen im Jahr 2023. Mehr als die Hälfte dieser Menge ist für den Export bestimmt. In Deutschland konnte im Jahr 2024 laut Daten der Lebensmittelzeitung ein Anstieg der Importe von Matcha-Pulver um 240 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden.
Verbraucherschützer beobachten diesen Trend jedoch kritisch. Fachleute der Verbraucherzentrale Bayern weisen darauf hin, dass Unternehmen den Begriff Matcha häufig nutzen, um Produkte zu höheren Preisen abzusetzen, da die Bezeichnung lebensmittelrechtlich nicht geschützt ist.
In der landwirtschaftlichen Erzeugung gilt Matcha als aufwendig; Teebauern in Regionen wie Uji benötigen etwa fünf Jahre, bis Teepflanzen erstmals geerntet werden können, wobei hochwertige Qualitäten oft Handarbeit erfordern.
Inhaltsstoffe und physiologische Wirkungen
Wissenschaftliche Analysen, unter anderem im Journal of Chromatography, belegen eine hohe Konzentration an sekundären Pflanzenstoffen. Matcha enthält demnach bis zu 137-mal mehr Catechine als herkömmlicher grüner Tee.
Besonders hervorgehoben wird das Epigallocatechingallat (EGCG), dem entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden. Zudem enthält das Pulver L-Theanin und Chlorophyll. Auf 100 Gramm weist Matcha-Pulver einen Brennwert von 285 kcal, 24 Gramm Eiweiß und 29 Gramm Ballaststoffe auf.
In der praktischen Anwendung berichten Ernährungsexperten von einer gleichmäßigeren Energieversorgung durch Matcha im Vergleich zu Kaffee. Während ein Espresso etwa 60 bis 80 Milligramm Koffein enthält, liegt eine Portion Matcha Latte bei rund 70 Milligramm. Das im Tee enthaltene L-Theanin sorge für eine sanftere Stimulation ohne die bei Kaffee oft beobachtete Nervosität.
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Dennoch wird zur Moderation geraten: Eine übermäßige Aufnahme von mehr als drei Tassen täglich könne zu Koffeinüberdosierungen und Leberbelastungen führen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt für gesunde Erwachsene einen Richtwert von maximal 400 Milligramm Koffein pro Tag vor.
Risikofaktor Trinktemperatur: Ergebnisse der Oxford-Studie
Ein wesentlicher Aspekt der aktuellen Gesundheitsberichterstattung im September 2026 betrifft die Temperatur, mit der Tee und Kaffee konsumiert werden.
Eine Studie der Universität Oxford, veröffentlicht im International Journal of Cancer, untersuchte den Zusammenhang zwischen der Trinktemperatur und dem Risiko für Speiseröhrenkrebs. Grundlage waren Daten von 977.282 Teilnehmern aus der UK Biobank und der Million Women Study über einen Beobachtungszeitraum von bis zu 14,2 Jahren.
Die Forscher erfassten 2.348 Fälle von Speiseröhrenkrebs, aufgeteilt in 1.045 Plattenepithelkarzinome und 1.303 Adenokarzinome. Die Ergebnisse zeigen:
- Konsumenten, die ihre Getränke als „sehr heiß“ einstuften, wiesen ein 3,17-faches relatives Risiko für ein Plattenepithelkarzinom auf.
- Bei einer Menge von sechs oder mehr Heißgetränken pro Tag stieg das relative Risiko um 71 Prozent.
- Ein Zusammenhang beim Adenokarzinom wurde nicht festgestellt.
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Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft Getränke mit einer Temperatur von über 65 Grad Celsius bereits als wahrscheinlich krebserregend ein. In Großbritannien gelten theoretisch rund 14 Prozent der Fälle von Speiseröhrenkrebs durch die Vermeidung zu heißer Getränke als vermeidbar. Trotz dieser Korrelation betonen die Wissenschaftler, dass die Hauptrisikofaktoren für diese Krebsart weiterhin Tabak- und Alkoholkonsum bleiben.
Empfehlungen für die Zubereitung und den Konsum
Für eine gesundheitsschonende Zubereitung empfehlen Experten, Matcha nicht mit kochendem Wasser, sondern bei Temperaturen zwischen 70 und 80 Grad Celsius aufzubrühen und das Getränk vor dem Verzehr ausreichend abkühlen zu lassen. Verbraucherschützer raten zu einer Menge von maximal einem Gramm Matcha pro Tasse bei höchstens drei Portionen täglich.
Besondere Vorsicht ist für bestimmte Gruppen geboten: Da Matcha Spuren von Blei enthalten kann, sollten Schwangere und Kindern den Konsum einschränken. Auch Personen, die Antikoagulanzien einnehmen, wird zur Rücksprache mit Fachleuten geraten.
Für Sportler bietet sich Matcha zudem in Kombination mit pflanzlichen Proteinen an, um die Muskelproteinsynthese zu unterstützen, wobei eine Koffeinaufnahme spätestens sechs Stunden vor der Nachtruhe vermieden werden sollte.
