Maskierter, Bluthochdruck

Maskierter Bluthochdruck: 70 Prozent höheres Sturzrisiko ab 78 Jahren

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Regelmäßige Messungen helfen, Hypertonie früh zu erkennen; unbehandelt kann sie Herz, Nieren und weitere Organe schädigen.

Bluthochdruck oft unbemerkt: Grenzwerte, Risiken und Kontrollen
Ein minimalistischer Holztisch mit einem Glas Wasser in einem hellen, ruhigen Raum, der ein Gefühl von Gesundheit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Dauerhaft erhöhter Blutdruck bleibt häufig über Jahre hinweg unbemerkt, birgt jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken. Medizinische Fachgesellschaften und aktuelle Ratgeber weisen verstärkt darauf hin, wie wichtig altersabhängige Kontrollen, die Kenntnis der eigenen Grenzwerte sowie eine frühzeitige Vorbeugung von Folgeerkrankungen sind.

Verbreitung und gesundheitliche Risiken

In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga rund 20 bis 30 Millionen Menschen unter Hypertonie. Betroffen sind demnach etwa jeder dritte Erwachsene sowie drei von vier Personen über 70 Jahren.

Bei Kindern liegt der Anteil bei etwa 3 %, während stark übergewichtige Jugendliche zu rund 25 % betroffen sind. Zudem sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland für etwa 33 % der Todesfälle verantwortlich, und laut Herold lassen sich etwa 50 % der Schlaganfälle auf Hypertonie zurückführen.

Die Kardiologin Sylvia Mirus erläuterte in einem Vortrag, dass rund ein Viertel der Weltbevölkerung sowie ähnlich viele Menschen in Österreich betroffen seien; in der Altersgruppe über 70 Jahre liege der Anteil bei knapp 70 %. Bluthochdruck erhöhe unter anderem das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz sowie Herz- und Nierenschäden.

Mögliche Anzeichen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Ohrensausen, Kurzatmigkeit, Sehstörungen oder Nasenbluten gelten als unspezifisch und stellen für sich genommen keinen Beweis für eine Erkrankung dar. Unbehandelt kann dauerhafter Hochdruck jedoch Herz, Nieren und Netzhaut nachhaltig schädigen.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie hervorhebt, leidet etwa die Hälfte der Menschen mit Herzschwäche an einer oft unentdeckten chronischen Nierenkrankheit. Die Fachgesellschaft empfiehlt bei Risikopatienten die Überprüfung der Nierenfunktion mittels eGFR und Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR), da Kreatinin allein nicht ausreiche.

Diagnostische Grenzwerte und korrekte Messung

Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga gelten für Erwachsene unabhängig vom Alter Praxiswerte unter 120/80 mmHg als optimal, während ab 140/90 mmHg von Bluthochdruck gesprochen wird. Bei Heimmessungen liegt die Grenze im Durchschnitt bei 135/85 mmHg.

Ein einzelner hoher Messwert begründet noch keine Diagnose; erforderlich sind wiederholte Messungen. Bis zum 16. Lebensjahr richten sich die Grenzwerte nach Alter, Geschlecht und Körpergröße, wobei regelmäßige Kontrollen ab drei Jahren empfohlen werden.

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Laut der europäischen ESC-Leitlinie 2024 gilt ein Praxisblutdruck von 120–139/70–89 mmHg als erhöht und ab 140/90 mmHg von Hypertonie. Für viele behandelte Erwachsene liegt der europäische Zielwert bei 120–129/70–79 mmHg, sofern dieser gut vertragen wird.

Ein wichtiges Kriterium bei Personen über 60 Jahren ist der Pulsdruck, also die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Wert. Eine Spanne von 30 bis 50 mmHg gilt als normal, Werte über 65 mmHg als kritisch und unter 30 mmHg als niedrig. Hohe Werte können auf steife oder verkalkte Gefäße hinweisen.

Für Heimmessungen raten Fachleute zu fünf Minuten Ruhe vor Beginn sowie zu Messungen morgens und abends. Mirus empfahl zudem eine Oberarmmanschette und das Auflegen des Arms auf Herzhöhe.

Bei Werten über 180 systolisch oder 110 diastolisch sollte nach etwa 30 Minuten erneut gemessen werden; bleiben die Werte erhöht, ist eine dringende ärztliche Abklärung nötig. Treten akute Symptome wie Brustschmerz, Atemnot oder neurologische Ausfälle auf, ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Besonderheiten im höheren Alter und Lebensstil

Bei Personen über 78 Jahren zeigte eine im Rahmen der AHA Hypertension Scientific Sessions 2026 vorgestellte vorläufige Untersuchung an 758 Teilnehmenden, dass maskierte Hypertonie – normale Werte in der Praxis bei erhöhtem Heimblutdruck – mit einem um 70 % höheren Sturzrisiko einherging als eine durchgehend bestehende Hypertonie.

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Sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren können einen Blutdruckanstieg zusätzlich begünstigen; eine Hormontherapie sollte bei unkontrolliertem Hochdruck nicht begonnen werden.

Zur Vorbeugung raten Kardiologen zu salzarmer Ernährung, Gewichtsreduktion, Rauchstopp, sieben bis neun Stunden Schlaf sowie rund 30 Minuten Bewegung an fünf Tagen pro Woche. Ergänzend empfahl der Kardiologe Nana Bimpong-Buta Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen sowie die regelmäßige Kontrolle von Blutzucker und Blutfetten wie dem LDL-Cholesterin.

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