Magnesiumpräparate, BfR

Magnesiumpräparate: BfR setzt Sicherheitsgrenze bei 250 Milligramm

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden und Fachgesellschaften warnen vor Überdosierungen, nicht zugelassenem Lithium und fehlender Prüfung vieler Supplemente.

Nahrungsergänzungsmittel: Risiken, Warnungen und Forderungen nach strengeren Kontrollen
Frische Lebensmittel wie grünes Blattgemüse, Nüsse und Zitrusfrüchte auf einem steinernen Untergrund bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Nahrungsergänzungsmittel gelten bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern als harmlose Helfer für den Alltag. Aktuelle Einschätzungen von Behörden und Fachgesellschaften zeigen jedoch, dass bereits bei gängigen Präparaten wie Magnesium, aber auch bei weniger bekannten Zusatzstoffen wie Lithiumverbindungen erhebliche Risiken bestehen können, wenn Dosierungen überschritten oder Produkte unkontrolliert eingenommen werden.

Magnesium: Sicherheitsgrenze bei 250 Milligramm

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft Magnesiumpräparate bis zu einer Höchstmenge von 250 mg auch ohne vorherige Blutwertprüfung als sicher ein. Diese Angabe schließt dabei die Magnesiummenge aus der normalen Nahrung mit ein.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von 350 mg für Männer und 300 mg für Frauen. Laut BfR und Deutscher Herzstiftung steigt ab einer Zufuhr von 250 mg das Risiko für Durchfall; bei leicht erhöhten Dosen über 300 mg können zudem Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass sehr hohe Aufnahmen, typischerweise über 2.500 mg täglich, Lähmungserscheinungen verursachen können. Besonders gefährdet sind Menschen mit schweren Nierenfunktionsstörungen, bei denen eine Hypermagnesiämie droht.

Vitamine: Warnungen der Krebsgesellschaft

Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt vor unnötigen Vitaminpräparaten und möglichen Risiken durch Überversorgung. Eine 2019 veröffentlichte Studie deutete auf ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei sehr hohen Dosen von Vitamin B12 hin – die Gesellschaft geht davon aus, dass B12 das Wachstum bereits vorhandener Krebszellen fördern könnte.

Eine Studie aus dem Journal of Clinical Investigation von 2023 legte zudem nahe, dass zusätzliche Gaben der Vitamine A, C und E dazu führen könnten, dass Tumore neue Blutgefäße bilden und dadurch schneller wachsen. Die Studienautoren betonten allerdings, dass Antioxidantien aus normaler Nahrung kein Problem darstellen – gewarnt wird ausdrücklich vor Supplementen.

Differenzierter fällt die Einschätzung zu Vitamin D aus: Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht davon aus, dass eine tägliche Vitamin-D-Einnahme die Krebssterblichkeit in der Bevölkerung um 12 Prozent senken könnte.

Besonders bei Kindern ist die Verbreitung von Präparaten bemerkenswert hoch. Laut der DONALD-Studie erhält jedes zehnte Kind täglich mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel, die EsKiMo-Studie beziffert den Anteil bei 6- bis 11-Jährigen auf jedes zwölfte Kind sowie auf rund 20 Prozent bei 12- bis 17-Jährigen.

Lithium: nicht zugelassener Inhaltsstoff mit schwerwiegenden Folgen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt, dass Lithiumverbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln in der EU unabhängig von ihrer chemischen Form – etwa als Lithiumcarbonat oder Lithiumorotat – nicht zugelassen sind.

Schon eine moderate Erhöhung des Lithiumspiegels kann schwerwiegende Folgen haben, da Lithium als Arzneimittel nur eine geringe therapeutische Breite besitzt. Vergiftungen können Durst, Erbrechen, Zittern und Verwirrtheit auslösen, in schweren Fällen Krampfanfälle, Koma oder Tod.

Das BVL stellt zudem klar, dass keine ernährungsbedingten Lithium-Mangelerscheinungen bekannt sind, und rät, eine ärztlich verordnete Lithiumtherapie nur in ärztlicher Begleitung zu verändern.

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Regulierungslücken und Forderungen nach strengeren Kontrollen

Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer haben in einem Brief an Bundesministerien strengere Regeln für pflanzliche, algen-, pilz- und flechtenbasierte Nahrungsergänzungsmittel gefordert. Hintergrund ist, dass Hersteller in Deutschland ihre Produkte vor dem Verkauf lediglich beim BVL registrieren müssen – eine behördliche Prüfung ist nicht vorgesehen.

Gefordert werden korrekte Produktangaben, laufende Rohstoff- und Produktprüfungen sowie eine bessere Kontrolle irreführender Gesundheitsversprechen. BVL-Präsident Andreas Hensel bezifferte die Zahl der im Vorjahr in Deutschland angemeldeten Nahrungsergänzungsmittel auf über 30.000.

Weitere Substanzen mit Risikopotenzial

Auch bei anderen populären Präparaten mahnen Fachleute zur Vorsicht. Bei Curcumin nennt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Richtwert von 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht täglich, was bei 70 Kilogramm etwa 210 mg Curcumin beziehungsweise 4–7 Gramm Kurkumapulver entspricht.

Hoch dosierte Präparate können jedoch Wechselwirkungen, Magen-Darm-Beschwerden und selten Leberschäden verursachen; Studien beobachteten vereinzelt Beschwerden bereits ab 180 mg täglich, während eine langfristige Einnahme von 500–1.000 mg das Risiko weiter erhöhen kann.

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Bei Koffein warnen Verbraucherzentralen und das BfR vor Energy Shots mit 25–60 Milliliter Inhalt, die bis zu 230 mg Koffein pro Portion enthalten können; bereits eine Messerspitze Koffeinpulver kann rund 200 mg liefern. Mengen von 5–10 Gramm Koffein gelten als lebensgefährlich.

Das BfR nennt als sichere Höchstmengen für gesunde Erwachsene 200 mg auf einmal und 400 mg über den Tag verteilt, für Schwangere und Stillende 200 mg täglich sowie für Kindern und Jugendliche höchstens 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Verbraucherzentralen und BfR fordern daher ein Verbot oder zumindest ein Verkaufsverbot von Energy Shots und Koffeinpulver an Minderjährige.

Für Cholin gibt die EFSA als angemessene Zufuhr 400 mg täglich für Erwachsene ab 15 Jahren, 480 mg für Schwangere und 520 mg für Stillende an. Überzeugende Belege für Supplemente zum Abnehmen oder zur Verbesserung von Stimmung und geistiger Leistung fehlen bislang; Mengen über 3,5 Gramm täglich können fischartigen Körpergeruch, Magen-Darm-Beschwerden, starkes Schwitzen, niedrigen Blutdruck oder Leberschäden verursachen.

Auch bei Zink gilt: Hoch dosierte Präparate und eine langfristige Einnahme bergen Überdosierungsrisiken, zu viel Zink kann Magenkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen auslösen.

Zu Vitamin K2 ist die Studienlage uneinheitlich: Eine Untersuchung mit rund 180 Teilnehmenden fand nach zwei Jahren bei der Form MK-7 eine um ein Viertel langsamere Zunahme der Gefäßverkalkung im Vergleich zu Placebo, jedoch keine Rückbildung bereits bestehender Verkalkung.

Der Effekt gilt als moderat und nicht eindeutig gesichert; eine weitere zweijährige Studie zeigte bei fortgeschrittener Verkalkung keinen Effekt. Ob Vitamin K2 tatsächlich Schlaganfälle oder Herzinfarkte verhindert, bleibt damit offen.

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de | wissenschaft | 70219537 |