Magnesium-Präparate, BfR

Magnesium-Präparate: BfR empfiehlt höchstens 250 Milligramm täglich

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hohe Nachfrage trifft auf uneinheitliche Produktqualität, begrenzte Wirksamkeitsnachweise und Empfehlungen zur gezielten Einnahme.

Nahrungsergänzungsmittel: Regulierung, Nachfrage und Risiken im Überblick
Frisches, rohes Gemüse wie Brokkoli und Karotten auf einer hölzernen Arbeitsfläche bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Rolle von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten sowie nährstoffangereicherten Lebensmitteln bei der täglichen Bedarfsdeckung steht zunehmend im Fokus von Wissenschaft, Verbraucherschutz und Gesundheitspolitik.

Während der Markt für entsprechende Produkte kontinuierlich wächst, zeigen Analysen und fachliche Stellungnahmen erhebliche Unterschiede zwischen tatsächlichem Versorgungsbedarf, wissenschaftlich belegtem Nutzen und den regulatorischen Rahmenbedingungen.

Gesetzliche Regulierung und Marktentwicklung

Nahrungsergänzungsmittel unterliegen in Deutschland rechtlich dem Lebensmittelrecht und damit weniger strengen Vorschriften als Arzneimittel. Es existiert keine behördliche Zulassungspflicht mit Wirksamkeitsnachweis, sondern lediglich ein Anmeldeverfahren. Zudem sind gesetzliche Grenzwerte für Wirkstoffe kaum festgelegt.

Vor diesem Hintergrund sprach sich Niedersachsens Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Miriam Staudte für gesetzliche Grenzwerte bei den Inhaltsstoffen aus. Da das Lebensmittelrecht in weiten Teilen Bundesrecht darstellt, hält sie eine bundeseinheitliche Regelung für notwendig. Das Thema war unter anderem Gegenstand der Beratungen auf der Agrarministerkonferenz in Würzburg.

Die Nachfrage nach Supplementen und angereicherten Produkten ist unterdessen hoch. Einer Erhebung des Bundesinstituts für Risikobewertung zufolge greifen 77 Prozent der Befragten zu mindestens einem Nahrungsergänzungsmittel. Dies spiegelt sich auch im Handel wider: Laut Erhebungen des Marktforschungsinstituts NIQ für die zwölf Monate bis März 2026 stieg der Umsatz von Proteinprodukten im deutschen Handel im Vergleich zum Vorjahr um 21,5 Prozent, während Produkte ohne Protein-Auslobung lediglich um 2,2 Prozent zulegten.

Der Absatz dieser Proteinwaren wuchs um 19,4 Prozent. Im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten kletterte der Umsatz mit Proteinpulver innerhalb von zwei Jahren von 113 Millionen auf 327 Millionen Euro, wobei sich die Zahl der Käuferhaushalte auf mehr als 5,1 Millionen verdoppelte.

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Empfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe

Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass eine Supplementierung nur in bestimmten Konstellationen gezielt erforderlich ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt vegan lebenden Personen eine regelmäßige und verlässliche Zufuhr von Vitamin B12. Für die Aufnahme im Dünndarm ist der Intrinsic Factor erforderlich, weshalb die Aufnahmekapazität begrenzt ist und die deklarierte Menge auf Präparaten nicht der absorbierten Dosis entspricht.

Bei gesunden Menschen ohne spezifische Ernährungsform ist eine breite Ergänzung von Elektrolyten wie Natrium, Chlorid, Magnesium und Kalium über Präparate laut DGE hingegen meist unnötig, da die normale Ernährung die Bedarfe deckt.

Bei der Dosierung mahnen Behörden zur Vorsicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, über Nahrungsergänzungsmittel maximal 250 Milligramm Magnesium pro Tag zuzuführen, aufgeteilt auf mindestens zwei Einzeldosen. Für Vitamin D gibt das Institut an, dass bis zu 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationale Einheiten täglich eigenmächtig eingenommen werden können, ohne dass gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erwarten sind.

Qualitätsmängel und wissenschaftliche Erkenntnisse

Untersuchungen von Verbrauchermagazinen verdeutlichen qualitative Schwachstellen am Markt. Ein Test von Öko-Test aus dem Januar 2025 untersuchte 23 Vitamin-D-Präparate, darunter 14 Nahrungsergänzungsmittel und neun rezeptfreie Arzneimittel.

Lediglich zwei Produkte erhielten das Urteil sehr gut und eines die Note gut, während acht Präparate durchfielen. 15 Produkte überschritten die offizielle Höchstmengenempfehlung, und in einzelnen Präparaten wiesen Labore den von der IARC als wahrscheinlich krebserregend eingestuften Hilfsstoff Talkum nach.

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Eine weitere Auswertung in Ausgabe 10/2026 zu Mitteln gegen Wechseljahresbeschwerden ergab, dass Nahrungsergänzungsmittel mangels Zulassungsprozesses keinen behördlichen Wirksamkeitsnachweis erbringen müssen.

Gleichzeitig verweisen neuere Auswertungen auf mögliche Risiken unkritischer Einnahmen. Eine 2026 in der Fachzeitschrift BMJ Open publizierte Studie an 5.065 Teilnehmenden zeigte, dass bei Personen mit normalem Vitamin-D-Ausgangsspiegel die kognitive Leistungsfähigkeit über sechs Jahre unter Supplementierung etwas schneller abnahm als bei Nicht-Nutzenden.

Eine 2026 erschienene Auswertung der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative beobachtete zudem bei älteren Menschen, die Omega-3-Präparate einnahmen, eine raschere Verschlechterung auf drei kognitiven Testskalen im Vergleich zu Kontrollpersonen, wenngleich Fachleute methodische Einschränkungen bei der Erfassung betonten.

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