Magnesium-Präparate, BfR

Magnesium-Präparate: BfR empfiehlt höchstens 250 mg täglich aus Ergänzungsmitteln

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Für Schlaf und Krämpfe ist der Nutzen kaum belegt; bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen Studien mögliche Effekte.

Magnesium als Nahrungsergänzung: Nutzen, Studienlage und Risiken im Überblick
Nahaufnahme von Kürbiskernen und Mandeln auf einer dunklen Holzoberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die zusätzliche Einnahme von Magnesium zur Unterstützung von Muskeln und Nerven wird in Fachkreisen sowie in aktuellen Medienberichten Ende September 2026 kritisch diskutiert. Während das Mineral essenziell für die Energieversorgung und die Muskelfunktion ist, werfen Experten Fragen zur Notwendigkeit einer flächendeckenden Supplementierung und zur Qualität der wissenschaftlichen Belege für gängige Gesundheitsversprechen auf.

Versorgungsstatus und täglicher Bedarf

Nach Angaben von April Morgan (Artah) erreichen etwa 60 % der Erwachsenen die empfohlene tägliche Magnesiumzufuhr nicht, wobei Frauen häufiger von einem Mangel betroffen seien als Männer. Die Empfehlungen für die tägliche Zufuhr variieren international leicht.

In Deutschland gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Orientierungswert von 350 mg pro Tag für Männer und 300 mg pro Tag für Frauen an. Britische Empfehlungen liegen bei etwa 300 mg für Männer und 270 mg bis 300 mg für Frauen.

Ein Magnesiummangel kann negative Auswirkungen auf das Nervensystem, den Knochenerhalt und den Energiestoffwechsel haben. Fachleute betonen jedoch, dass eine Zufuhr über Lebensmittel wie Kürbiskerne, Chiasamen, Mandeln, Spinat oder Vollkornprodukte für viele Menschen ausreichend ist. Bei sportlicher Belastung und starkem Schwitzen seien zudem die Natriumverluste meist gravierender als die Magnesiumverluste.

Wissenschaftliche Evidenz bei Schlafstörungen und Muskelkrämpfen

Trotz der weiten Verbreitung von Magnesiumpräparaten zur Verbesserung des Schlafs weisen Ernährungswissenschaftler darauf hin, dass konsistente und starke Belege für einen Kausalzusammenhang fehlen.

Eine Metaanalyse zu Schlafstörungen bei älteren Menschen, die drei kleine Studien mit insgesamt 151 Teilnehmern umfasste, zeigte zwar ein um etwa 17 Minuten schnelleres Einschlafen, wurde jedoch aufgrund der niedrigen Studienqualität kritisch bewertet. Magnesium könne zur normalen psychologischen Funktion beitragen, sei jedoch kein klassisches Schlafmittel.

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Ähnlich verhält es sich bei Muskelkrämpfen. Ein Cochrane-Review kam zu dem Ergebnis, dass Magnesium die Häufigkeit oder Schwere von idiopathischen Krämpfen bei älteren Erwachsenen wahrscheinlich nicht in klinisch bedeutsamem Maße reduziert.

Für belastungsassoziierte Muskelkrämpfe fehlen bislang randomisierte Studien. Experten halten fest, dass eine zusätzliche Einnahme bei einem bereits ausgeglichenen Magnesiumstatus keinen messbaren Nutzen bringt.

Therapeutische Anwendung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Deutlichere Hinweise auf einen medizinischen Nutzen finden sich im Bereich der Kardiologie. In der sogenannten MACH-Studie mit 79 Patienten, die an schwerer Herzinsuffizienz (NYHA IV) litten, wurde die Wirkung von Magnesiumorotat untersucht. Die Probanden erhielten zunächst 6 g und anschließend 3 g täglich. Nach einem Jahr lag die Überlebensrate in der Magnesiumgruppe bei 75,7 %, während sie in der Vergleichsgruppe 51,6 % betrug.

Zudem gibt die Gesellschaft für Magnesiumforschung an, dass eine Zufuhr von 10–20 mmol Magnesium täglich (wobei 20 mmol etwa 360 mg entsprechen) den diastolischen Blutdruck um durchschnittlich 10 mm Hg senken kann.

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Eine weitere Studie bestätigte positive Effekte auf den systolischen und diastolischen Blutdruck bei einer Gabe von 368 mg Magnesium über einen Zeitraum von drei Monaten. Für die Therapie von Hypertonie werden im Regelfall Dosierungen zwischen 300 mg und 600 mg empfohlen.

Bioverfügbarkeit und Sicherheitsrisiken

Bei der Wahl des Präparats spielt die chemische Form eine entscheidende Rolle für die Aufnahme im Körper. Organische Verbindungen wie Magnesiumcitrat, Glycinat, Malat oder Aspartat werden laut Fachberichten besser aufgenommen als anorganisches Magnesiumoxid, das eine schlechte Löslichkeit aufweist.

Magnesiumcitrat wirkt zudem stark osmotisch und wird daher auch zur Darmreinigung eingesetzt, während Magnesiumglycinat als besonders verträglich gilt, wenngleich hier aussagekräftige Vergleichsstudien fehlen.

Hinsichtlich der Sicherheit empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Tagesdosis von 250 mg Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln nicht zu überschreiten und diese auf mindestens zwei Gaben zu verteilen. Eine Überdosierung kann zu Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfen führen.

Schwere Nebenwirkungen wie Lähmungserscheinungen treten laut der Deutschen Herzstiftung erst ab einer Dosis von etwa 2500 mg pro Tag auf. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion geboten, da hier ein erhöhtes Risiko für eine Hypermagnesiämie besteht.

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