Männer und psychische Gesundheit: Nur 57 Prozent sprechen über ihre Sorgen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.dePsychische Belastungen betreffen Männer ebenso wie Frauen, doch der Weg zu professioneller Unterstützung fällt vielen Betroffenen schwer. Berichte thematisieren die bestehenden Hürden bei der Inanspruchnahme therapeutischer Angebote.
Die Psychologin Katharina Piekorz aus Oberderdingen verweist dabei auf spezialisierte Anlaufstellen wie Männerberatungsstellen, die Telefonseelsorge, kirchliche Männerkreise sowie das Portal maennerberatungsnetz.de des Bundesforums Männer, die Betroffenen den Zugang erleichtern können.
Hemmschwellen und späte Hilfesuche
In der Praxis zeigt sich regelmäßig, dass viele Männer erst spät Unterstützung suchen. Katharina Piekorz berichtet, dass Klienten im Erstgespräch oft bereits hochgradig belastet seien, sich jedoch zugleich die Frage stellten, ob ihre Probleme überhaupt schwerwiegend genug für eine Beratung seien.
Als Warnsignale für tiefere seelische Krisen nennt die Psychologin unter anderem anhaltend schlechten Schlaf, exzessiven Sport, einen gesteigerten Alkoholkonsum sowie sozialen Rückzug. Zeigen sich solche Symptome über einen längeren Zeitraum, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
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Neben Beratungsstellen gilt auch die klassische Hausarztpraxis als erste Kontaktmöglichkeit. Um die Hemmschwelle bei der Kontaktaufnahme zu senken, existieren zudem diverse anonyme Optionen, darunter Gespräche per Telefon, Beratungen per Videokonferenz ohne eingeschaltete Kamera sowie der Austausch über E-Mail oder Chat.
Daten verdeutlichen die Zurückhaltung
Die Zurückhaltung bei mentalen Gesundheitsthemen spiegelt sich auch in statistischen Erhebungen wider. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der hkk Krankenkasse sprechen nur 57% der Männer mit der Partnerin oder der Familie über bestehende Sorgen. Im Freundeskreis tauschen sich lediglich 45% dazu aus. Mehr als jeder Dritte versucht demnach, auftretende Schwierigkeiten vollständig alleine zu bewältigen.
Auf Ebene der Arbeitsunfähigkeit zeichnet sich ebenfalls ein deutlicher Unterschied ab: Laut dem Psychreport 2025 der DAK entfielen je 100 Versicherte 431 Fehltage bei Frauen und 266 bei Männern auf diagnostizierte psychische Erkrankungen. Gleichzeitig machen Männer statistisch fast 70% der Suizide aus.
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Nach Erkenntnissen der Universität Tübingen sterben Männer im Schnitt zudem fünf Jahre früher als Frauen – ein Unterschied, der als weitgehend vermeidbar gilt. Auf das gesamte Themenfeld der Männergesundheit macht unter anderem die jährliche Aktion Movember im November aufmerksam.
Wie Angehörige Unterstützung leisten können
Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Betroffene zu einer Konsultation zu ermutigen. Laut Berichten über die Arbeit von Beratungsstellen ist ein Impuls aus dem nahen Umfeld häufig der ausschlaggebende Schritt.
Katharina Piekorz empfiehlt Angehörigen, wahrgenommene Veränderungen ruhig und konkret anzusprechen. Anstelle von allgemeinem Druck sei es ratsam, konkrete Kontakte und Anlaufstellen direkt weiterzugeben. Ein dezentes Anschieben könne in solchen Situationen angemessen und zielführend sein, um den Einstieg in ein Hilfsangebot zu bahnen.
