Luxusbranche steckt in der Krise – Breitling streicht Stellen
12.05.2026 - 19:08:52 | boerse-global.deNahezu die Hälfte der Führungskräfte rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Marktbedingungen. Das zeigt der aktuelle „State of Fashion“-Report.
Während renommierte Uhrenhersteller wie Breitling den Rotstift ansetzen, kämpfen traditionsreiche deutsche Textilunternehmen um ihre Existenz. Volatilität ist zum neuen Standard geworden.
Starker Franken setzt Breitling zu
Der Schweizer Uhrenhersteller Breitling streicht weltweit über 50 Stellen. Das Unternehmen reagiert damit auf eine Kombination aus ungünstigen makroökonomischen Faktoren und sinkender Nachfrage in Kernmärkten.
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Besonders die Stärke des Schweizer Frankens setzt die Exportmargen unter Druck. Seit Anfang 2025 gewann die Währung gegenüber dem US-Dollar um mehr als 13 Prozent an Wert. Hinzu kommen Handelshemmnisse durch neue US-Zölle.
Die Bilanz für 2025 zeigt das Ausmaß des Rückgangs. Der Umsatz sank um elf Prozent auf 769 Millionen Schweizer Franken. Noch deutlicher fiel der operative Gewinn: minus 21 Prozent auf 162 Millionen Franken. Insgesamt setzte Breitling 155.000 Uhren ab.
Eterna vor dem Aus – Olymp setzt auf Lifestyle
Noch drastischer trifft es den Hemdenspezialisten Eterna. Das 1863 gegründete Traditionsunternehmen aus Passau steht vor dem operativen Aus. Nach einem Insolvenzantrag im Dezember 2025 scheiterten alle Rettungsversuche.
Der Betrieb am Standort Passau soll im Sommer 2026 endgültig eingestellt werden. Rund 400 Mitarbeiter sind betroffen. In Köln haben bereits Abverkäufe mit deutlichen Rabatten begonnen.
Die Markenrechte von Eterna bleiben bestehen. Der Wettbewerber Olymp übernahm sie. Olymp selbst steckt in einer Transformationsphase. Der Konzern meldete für 2025 einen Umsatz von 198 Millionen Euro – ein Minus von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Als Reaktion forciert Olymp eine Lifestyle-Strategie. Der reine Hemdenspezialist will breiter aufgestellt sein. Dazu gehören eine verstärkte Internationalisierung mit einer Exportquote von 22 Prozent und eine Kooperation mit Schauspieler Matthew McConaughey.
Auch Bogner setzt auf neue Führung. Das Münchner Unternehmen berief Arne Freundt, den ehemaligen CEO eines großen Sportartikelherstellers, zum Vorstandsvorsitzenden. Er tritt sein Amt am 1. Juni an.
Luxusgiganten verlieren an Wert
Die großen börsennotierten Luxuskonzerne bleiben von der Schwäche nicht verschont. Seit Mai 2024 verzeichnete der europäische Luxussektor einen Kursrückgang von fast 20 Prozent. Der breitere Aktienmarkt legte im gleichen Zeitraum deutlich zu.
Besonders hart traf es LVMH. Die Aktie gab seit Jahresbeginn um 28,2 Prozent nach. Kering musste im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von 14 Prozent hinnehmen. Richemont verlor rund 20 Prozent an Wert.
Analysten von Barclays bewerten die Lage differenziert. Sie hoben die Kursziele für LVMH und Kering moderat an. Bei Richemont sehen sie Potenzial aufgrund der Preismacht im Schmuckbereich. Hermès hingegen stuften sie auf „Neutral“ herab – das Kursziel senkten sie drastisch von 2.310 auf 1.700 Euro.
Trotz der Turbulenzen hält Hermès an seinen Expansionsplänen fest. In Loupes bei Bordeaux eröffnete das Unternehmen die 25. Lederwarenmanufaktur. Sie ist auf die Fertigung der begehrten Kelly-Taschen spezialisiert. Bis 2030 sollen drei weitere Fabriken in Frankreich folgen. Die Ausbildung eines einzigen Handwerkers dauert bis zu 18 Monate.
Positive Signale aus Nischen
Während die großen Player kämpfen, gibt es in Nischenbereichen Lichtblicke. Das Traditionshaus Arthus Bertrand wandelte sich vom Medaillenhersteller zum Juwelier. Seit 2018 vervierfachte das Unternehmen seinen Umsatz auf über 50 Millionen Euro.
Arthus Bertrand setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit durch recyceltes Gold. Geplant sind Expansionen in die USA und nach Japan.
Druck durch Nachhaltigkeitsvorgaben wächst
Ein weiterer Belastungsfaktor ist der politische Druck. In Nordrhein-Westfalen fordert Umweltminister Oliver Krischer eine stärkere Beteiligung der Produzenten an den Entsorgungskosten für Altkleider.
Die Menge der Alttextilien hat sich in NRW mehr als verdoppelt: von 16.184 Tonnen im Jahr 2012 auf über 36.145 Tonnen im Jahr 2024. Hauptursache ist „Fast Fashion“ – billig produzierte Kleidung, die nur kurz getragen wird.
Das Bundesumweltministerium legte im März 2026 ein Eckpunktepapier vor, das die Industrie in die Pflicht nehmen soll. Marken wie LOVE JOY VICTORY reagieren bereits. In Kooperation mit Künstlerin Annina Roescheisen präsentierte die Marke exklusive Kollektionen aus Bio-Baumwolle.
Ausblick: Konsolidierung oder Erholung?
Trotz der Krise sehen Marktexperten langfristiges Erholungspotenzial. Voraussetzung sei eine Stabilisierung der geopolitischen Lage, insbesondere im Nahen Osten.
Die Bewertung der Luxusunternehmen liegt derzeit beim etwa 20-fachen der erwarteten Gewinne. Vor zwei Jahren waren es noch das 27-Fache – ein deutlicher Abschlag zum historischen Durchschnitt.
Für das restliche Jahr 2026 wird entscheidend sein, wie schnell Unternehmen ihre Kostenstrukturen anpassen. Gleichzeitig müssen sie die Markenbegehrlichkeit aufrechterhalten. Trends wie der „Personality Skirt“ sollen bei Designern wie Loewe, Prada oder Balenciaga für kreative Impulse sorgen.
Das wirtschaftliche Fundament der Branche bleibt fragil. Werden keine neuen Wachstumsimpulse gesetzt, könnte 2026 als das Jahr der Konsolidierung in die Geschichte der modernen Modeindustrie eingehen.
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