Lungenemphysem, Frauen

Lungenemphysem: Frauen profitieren deutlich stärker von neuem Verfahren

24.06.2026 - 15:42:03 | boerse-global.de

Studie belegt geschlechtsspezifische Unterschiede bei bronchoskopischer Dampf-Ablation. Weibliche Patienten erzielen stärkere Verbesserungen von Lungenfunktion und Lebensqualität.

Lungenemphysem: Neue Dampf-Therapie wirkt besser bei Frauen
Lungenemphysem - Eine Nahaufnahme menschlicher Lungen, wobei eine Lunge subtil hervorgehoben ist, um medizinische Intervention und Forschung darzustellen. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Studie, die am 16. Juni im Fachjournal BMJ Open Respiratory Research veröffentlicht wurde.

Die Untersuchung analysierte die Wirkung der bronchoskopischen thermischen Dampf-Ablation (BTVA) – einem Verfahren zur Lungenvolumenreduktion. Von den 231 Teilnehmern waren 105 Frauen und 126 Männer.

Frauen zeigen deutliche Vorteile

Anzeige: Die neue Studie zeigt: Frauen profitieren deutlich stärker von der bronchoskopischen Dampf-Ablation bei Lungenemphysem. Doch viele Therapien sind noch nicht optimal auf den weiblichen Körper abgestimmt. Unser Leitfaden hilft Ihnen, die richtige Behandlung zu finden. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Die Ergebnisse sind eindeutig: Über zwölf Monate hinweg verbesserte sich bei Frauen die Lungenfunktion spürbar, die Überblähung der Lunge ging zurück. Männer zeigten in diesen Bereichen keine nachhaltigen Fortschritte.

Auch bei der Lebensqualität und körperlichen Belastbarkeit schnitten weibliche Patienten besser ab. Bei Männern hielt die Verbesserung der Lebensqualität nur sechs Monate an. Signifikante Steigerungen der Gehstrecke blieben ganz aus.

Immunantwort als Schlüsselfaktor

Wissenschaftler führen die Unterschiede auf biologische Ursachen zurück. Eine stärkere Immunantwort bei Frauen begünstigt offenbar die Effektivität des thermischen Verfahrens. Die Therapie zielt darauf ab, erkrankte Lungenabschnitte zu reduzieren – gesundes Gewebe bekommt so mehr Raum.

Die Erkenntnisse reihen sich in die Debatte um die sogenannte Gender Data Gap ein. Bei einer Fachdiskussion am Dienstag in Berlin wiesen Experten darauf hin: Klinische Studien wurden in der Vergangenheit oft primär an Männern durchgeführt.

Die Folge: Dosierungen und Therapiestandards sind nicht optimal auf den weiblichen Organismus abgestimmt. Frauen erhalten häufig höhere Dosen in Relation zu ihrem Körpergewicht, was vermehrte Nebenwirkungen auslösen kann.

COPD: Ein unterschätztes Problem

Die Relevanz präziser Behandlungsansätze untermauern aktuelle Gesundheitsdaten. In Bielefeld etwa leiden rund 9.700 Menschen an COPD – der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. In etwa 90 Prozent der Fälle gilt Rauchen als Hauptursache. Bundesweit sterben jährlich schätzungsweise 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Parallel zur Weiterentwicklung der BTVA gewinnen Früherkennungsmaßnahmen an Bedeutung. In Sachsen wurden heute erste Genehmigungen für ein neues Kassenangebot erteilt: CT-Screenings zur Lungenkrebs-Früherkennung für starke Raucher zwischen 50 und 75 Jahren.

Zudem einigten sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten heute auf neue Grenzwerte für Stoffe wie Kobalt und PAK am Arbeitsplatz. Ziel: Langfristig tausende Fälle von Lungenkrebs verhindern.

Anzeige: Gender Data Gap in der COPD-Behandlung: Frauen erhalten oft höhere Dosen und leiden häufiger unter Nebenwirkungen. Erfahren Sie in unserem Experten-Leitfaden, welche geschlechtsspezifischen Therapieoptionen es gibt und wie Sie Ihre Behandlung optimieren können. Leitfaden jetzt kostenlos sichern

Minimalinvasive Alternative bei Lungenembolie

Auch in verwandten Bereichen etablieren Kliniken neue Verfahren. Das Augusta-Krankenhaus in Düsseldorf informierte am Dienstag über die Einführung der kathetergestützten Thrombusaspiration bei akuten Lungenembolien. Das minimalinvasive Verfahren entfernt Blutgerinnsel im Herzkatheterlabor – eine Option für Patienten mit hohem Risiko oder Kontraindikationen gegen die klassische Lysetherapie.

Die Entwicklungen zeigen: Prävention und geschlechtsspezifische Therapieanpassungen müssen in der Pneumologie konsequent vorangetrieben werden. Nur so verbessern sich die Langzeitprognosen für Patienten beider Geschlechter.

de | wissenschaft | 69618727 |