Lunge, Herz

Lunge und Herz: Atemwegsinfektionen erhöhen das Sterberisiko fast um das Sechsfache

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach Atemwegsinfektionen bleibt das kardiovaskuläre Risiko laut Analysen bis zu einem Jahr erhöht; späte Diagnosen erschweren die Behandlung.
Ein minimalistischer, moderner Untersuchungsraum in einer Klinik mit weichem Tageslicht und medizinischer Ausstattung. Illustration mit AI erstellt.

Eine verzögerte Diagnose oder unzureichende Behandlung von Atemwegs- und Lungenkrankheiten erhöht das Risiko für schwerwiegende Herzerkrankungen bei älteren Menschen signifikant.

Lungenfachärzte verweisen in diesem Zusammenhang auf die enge anatomische und funktionelle Verknüpfung beider Organsysteme über den sogenannten kleinen Kreislauf. Wird das Atmungsorgan chronisch geschädigt oder von Infektionen geschwächt, bleibt dies für das Herz-Kreislauf-System selten ohne Folgen.

Erhöhte Risiken nach akuten Infektionen

Wie gravierend die Wechselwirkungen zwischen Lunge und Herz sein können, verdeutlichen Analysen von Medscape. Demnach weisen Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen (IRA) ein 6-fach höheres Sterberisiko (RR 5,99) sowie ein 2-fach höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (RR 2,19) auf.

Diese Bedrohung beschränkt sich keineswegs nur auf die unmittelbare Akutphase der Infektion. Zwar ist das kardiovaskuläre Risiko laut Medscape in den ersten 30 Tagen am höchsten, es persistiert jedoch bis zu einem Jahr nach der Erkrankung.

Besonders drastisch steigt nach einer Atemwegsinfektion die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts. Medscape beziffert dieses relative Risiko nach einer Infektion mit S. pneumoniae auf RR 10,40 und nach einer Grippe auf RR 7,23. Bei Infektionen mit VRS liegt der Wert bei RR 5,18, während für Covid-19 ein RR von 1,93 verzeichnet wird.

Kardiovaskuläre Schäden treten oft vor der Diagnose auf

Die Belastung für das Herz beginnt bei chronischen Lungenleiden oft lange vor der eigentlichen Befunderhebung. Daten von Dovepress zeigen dies eindrücklich am Beispiel der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD): Bei Betroffenen mit einem Durchschnittsalter von 67,4 Jahren zeigte sich bereits vor der offiziellen Diagnose eine Prävalenz kardiopulmonaler Ereignisse von 76,2 Prozent – im Vergleich zu 45,6 Prozent in einer Kontrollgruppe.

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Innerhalb der letzten drei Jahre vor der COPD-Diagnose erlitten laut Dovepress 56,6 Prozent der Patienten ein kardiovaskuläres Ereignis. Am häufigsten traten Vorhofflimmern mit 58,1 Prozent, Herzinsuffizienz mit 46,1 Prozent sowie Herzinfarkte mit 15,1 Prozent auf.

Kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einer akuten Verschlimmerung, einer sogenannten COPD-Exazerbation (ECOPD), verschärft sich die Lage weiter. Berichten von Sohu zufolge zeigen etwa 30 Prozent dieser Patienten Symptome einer akuten Herzinsuffizienz. Zudem liegt die Prävalenz einer lebensbedrohlichen Lungenembolie bei Betroffenen in dieser Phase zwischen 3,3 Prozent und 29,4 Prozent.

Verschleppte Symptome verzögern die Therapie

Ein zentrales Problem bei der Versorgung bleibt das späte Aufsuchen ärztlicher Hilfe. Nach Angaben der spanischen Fachgesellschaft SEPAR konsultieren 51 Prozent der Menschen mit anhaltenden Atembeschwerden wie Husten oder Atemnot keinen Arzt. Dieses Zögern führt dazu, dass chronische Erkrankungen wie Asthma und COPD oft erst spät erkannt werden, was das Risiko folgenschwerer Begleiterkrankungen vergrößert.

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Die kürzere Gehstrecke, die Pausen beim Treppensteigen: Was viele für normales Altern halten, war bei Betroffenen oft schon der Anfang kardialer Ereignisse — lange bevor die eigentliche Diagnose stand. Unser Präventions-Plan zeigt Ihnen, welche Zeichen Sie ernst nehmen und wie Sie Ihr Herz-Kreislauf-System nach einer Infektion gezielt wieder aufbauen. Präventions-Plan kostenfrei anfordern

Noch deutlicher zeigt sich das Phänomen bei selteneren Krankheitsbildern: Bei Bronchiektasien beträgt die diagnostische Verzögerung laut SEPAR im Durchschnitt 6,2 Jahre. Ein wesentlicher Grund für diese erhebliche Zeitspanne liege darin, dass Betroffene schleichende Einschränkungen – etwa verkürzte Gehstrecken im Alltag – über Jahre hinweg unbemerkt als normale Alterserscheinung hinnehmen.

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