Long COVID: GLP-1-Diabetes-Mittel reduzieren Lungenschäden
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 00:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Diabetes-Medikamente aus der Klasse der GLP-1-Rezeptor-Agonisten könnten auch Lungenschäden nach einer Corona-Infektion reduzieren.
Die am 9. Juli im Journal of Virology veröffentlichte Studie zeigt: Die Wirkstoffe normalisierten Fibrose-Gene und programmierten Makrophagen so um, dass Entzündungsprozesse abgeschwächt wurden. Getestet wurde an diabetischen Modellen nach einer SARS-CoV-2-Infektion.
Für die klinische Praxis ist das relevant: Diabetes-Patienten haben ein viermal höheres Risiko für schwere Long COVID-Verläufe. Die Studie liefert einen ersten Wirksamkeitsnachweis – allerdings sind weitere klinische Untersuchungen nötig, um die Effekte beim Menschen zu bestätigen.
Immunzellen gegen Lungenvernarbung
Ein zweiter Ansatz kommt aus Heidelberg. Bereits im Mai 2026 berichteten Wissenschaftler des Universitätsklinikums in Science Translational Medicine über Erfolge mit dem Antikörper Monalizumab. Das Team reaktivierte natürliche Killerzellen, die gealterte Fibroblasten eliminieren – genau jene Zellen, die für die Narbenbildung verantwortlich sind. Eine klinische Phase-I-Studie ist bereits in Planung.
Ergänzend dazu beschrieb eine Studie in Nature Communications vom 9. Juli einen bisher unbekannten Infektionsweg. SARS-CoV-2 nutzt demnach apoptotische Körperchen, um Makrophagen zu infizieren und schwere Lungenentzündungen auszulösen. Im Experiment reduzierten Kalziumkanalblocker die Lungenschäden.
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Die Kehrseite der Abnehm-Wunder
Trotz der vielversprechenden Lungen-Ansätze bleibt die Bewertung der GLP-1-Präparate differenziert. Eine Meta-Analyse von über 200 Studien, ebenfalls am 9. Juli im BMJ erschienen, bestätigte die hohe Effektivität beim Gewichtsverlust: Tirzepatid und Cagrisema erreichten rund 15 Prozent, Semaglutid etwa 10 Prozent.
Allerdings: Die Analyse wies auf häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen hin. Eine Verbesserung der Lebensqualität ließ sich nicht direkt belegen. Ein reduziertes kardiovaskuläres Risiko wurde bislang nur für Semaglutid und Tirzepatid nachgewiesen.
Hunde und KI als Diagnosehelfer
Neben GLP-1 gibt es einen zweiten vielversprechenden Ansatz: Der Antikörper Monalizumab reaktiviert natürliche Killerzellen gegen Lungenvernarbung. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Report, welche Behandlungen in 2026 in der Pipeline sind. Report zu Long COVID-Therapien sichern
Auch in der Diagnostik tut sich etwas. Im Rahmen des COFONI-Projekts wurden Anfang Juli Ergebnisse vorgestellt: Speziell trainierte Hunde und Massenspektrometrie können flüchtige organische Verbindungen im Urin von Long COVID-Betroffenen identifizieren. Kombiniert mit maschinellem Lernen könnten diese Signaturen künftig als objektive Biomarker dienen.
Für die Therapie bietet die Telemedizin neue Wege. Eine in JAMA Network Open veröffentlichte Studie mit 78 Teilnehmern belegte die Wirksamkeit eines zehnwöchigen kognitiven Videotrainings. Die Telemedizin-Gruppe erreichte bei der Erreichung ihrer Therapieziele einen Wert von 7,84 auf einer 10-Punkte-Skala – die Kontrollgruppe nur 4,97. Der Effekt war auch nach sechs Monaten noch nachweisbar.
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