London droht Apple und Google: Kinderschutz-Funktionen oder Gesetze
11.06.2026 - 10:54:51 | boerse-global.de
London droht Apple und Google mit scharfen Gesetzen, wenn sie nicht innerhalb von drei Monaten Kinderschutz-Funktionen auf Geräten aktivieren. Der Vorstoß von Premierminister Keir Starmer verschärft den Konflikt mit Washington um digitale Privatsphäre.
Die Forderung kam am 8. Juni im Rahmen der London Tech Week: Tech-Riesen wie Apple und Google sollen auf Kindernutzern standardmäßig die Erkennung und Blockierung expliziter Bildinhalte aktivieren. Weigern sie sich, droht die britische Regierung mit einem formalen Gesetzgebungsverfahren.
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Harte Strafen für Vorstände geplant
Die angedrohten Sanktionen haben es in sich. Neben empfindlichen Unternehmensstrafen sieht der Entwurf sogar Haftstrafen für Technologie-Vorstände vor. Erwachsene Nutzer sollen die Funktion nach einer Altersverifikation zwar deaktivieren können. Doch die Regierung pocht auf die Dringlichkeit: Laut Daten des Innenministeriums aus dem Jahr 2024 betrafen 91 Prozent aller Online-Meldungen zu illegalen Kinderinhalten selbst erstelltes Material.
US-Kongress schaltet sich ein
Der britische Vorstoß sorgt in Washington für erhebliche Unruhe. Bereits am 5. Juni äußerte der Vorsitzende des Justizausschusses im Repräsentantenhaus, Jim Jordan, massive Bedenken gegen das britische Untersuchungsbefugnis-Gesetz (Investigatory Powers Act) und die darin verankerten „Technical Capability Notices". Diese erlauben der Regierung, geheime technische Änderungen an Kommunikationsdiensten anzuordnen.
US-Abgeordnete untersuchen Berichte, wonach London im Februar 2025 eine geheime Forderung an Apple stellte: globalen Zugriff auf iCloud-Backups über das Advanced Data Protection (ADP)-System. Apple zog daraufhin ADP für britische Nutzer zurück und legte Widerspruch ein. Die US-Parlamentarier fordern nun Aufklärung – mit dem Hinweis, solche Mandate könnten das Vertrauen im „Five Eyes"-Geheimdienstbündnis untergraben.
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Sicherheitsbedenken und technische Hürden
Ehemalige US-Verteidigungsbeamte warnen vor einem gefährlichen Präzedenzfall: Verschlüsselungs-Hintertüren für einen Verbündeten könnten auch Staaten wie China, Russland oder Iran als Einladung verstehen. Die Warnungen kommen vor dem Hintergrund jüngster Cyber-Spionage-Aktionen, etwa der Gruppe „Salt Typhoon", die gezielt Überwachungssysteme angriff.
Datenschutzorganisationen und Anbieter sicherer Messenger wie Signal laufen Sturm. Sie bezeichnen den Plan als Massenüberwachung, die sich leicht für politische Zensur umfunktionieren ließe. Client-seitiges Scannen zerstöre das Vertrauensmodell der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und vergrößere die Angriffsfläche für Kriminelle.
Technische Experten bezweifeln zudem die Umsetzbarkeit: Ältere Geräte könnten mit der On-Device-Erkennung schlichtweg überfordert sein. Eine Verlagerung in die Cloud wiederum schaffe neue massive Datenschutzrisiken.
Kooperation auf anderen Feldern
Paradoxerweise arbeiten Behörden und Tech-Konzerne auf anderen Gebieten reibungslos zusammen. Bei Polizeiaktionen in London im Februar und April 2026 stellten die Ermittler über 1.000 gestohlene Mobilgeräte sicher. Apple, Google und Samsung erklärten sich bereit, die Hardware dauerhaft als unbrauchbar zu markieren – ein kooperativer Ansatz, der in scharfem Kontrast zum aktuellen legislativen Showdown um Verschlüsselung und Datenzugriff steht.
