Löwenmähne: 2 Gramm täglich steigern Aufmerksamkeit und Gedächtnis
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 15:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit neurodegenerativen Erkrankungen gewinnen Naturstoffe zunehmend an Bedeutung. Eine Untersuchung von Forschern der JUIT im indischen Solan widmet sich dem Potenzial bioaktiver Moleküle aus Pilzen, um zentrale biochemische Prozesse bei der Alzheimer-Krankheit zu beeinflussen.
Da Alzheimer laut der Studie weltweit für 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle verantwortlich ist, rücken alternative und präventive Ansätze verstärkt in den Fokus. Im Zentrum der Forschungsarbeit stand die Frage, wie spezifische Pilzverbindungen mit bestimmten Enzymen interagieren, die im Krankheitsverlauf eine entscheidende Rolle spielen.
Computersimulationen identifizieren vielversprechende Wirkstoffkandidaten
Für die Untersuchung nutzten die Wissenschaftler der JUIT computergestützte Simulationen. Mittels Moleküldocking analysierte das Team 21 bioaktive Pilzverbindungen im Hinblick auf deren Bindungsverhalten gegenüber den Zielenzymen Acetylcholinesterase (AChE) und Butyrylcholinesterase (BuChE). Beide Enzyme stehen in direktem Zusammenhang mit dem Abbau von Botenstoffen im Gehirn, was den kognitiven Verfall bei Betroffenen beschleunigt.
Zwei Verbindungen zeigten in den Modellrechnungen besonders ausgeprägte Interaktionen. Ergosterolperoxid, isoliert aus dem Schiefen Schillerporling (Inonotus obliquus), erreichte im Moleküldocking eine Bindungsenergie von -12,75 kcal/mol gegenüber AChE sowie -9,66 kcal/mol gegenüber BuChE.
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Die Substanz Ergosterol, die unter anderem im Zucht-Champignon (Agaricus bisporus) vorkommt, wies Bindungsenergien von -11,07 kcal/mol bei AChE und -8,95 kcal/mol bei BuChE auf. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass diese Ergebnisse der JUIT-Studie rein auf rechnerischen Vorhersagen basieren und bislang keine Bestätigung durch biochemische Labortests vorliegt.
Klinische Hinweise und Befunde zur Löwenmähne
Ergänzend zu den theoretischen Docking-Modellen existieren bereits empirische Untersuchungen zu anderen Pilzarten, insbesondere zum Igelstachelbart beziehungsweise der Löwenmähne (Hericium erinaceus).
Entsprechende Analysen legen dar, dass Inhaltsstoffe dieses Pilzes den Nervenwachstumsfaktor (NGF) stimulieren können. Dabei werden die wirksamen Substanzen strukturell unterschieden: Die sogenannten Hericenone stammen aus dem Fruchtkörper, während Erinacine im Myzel des Pilzes zu finden sind.
Mehrere klinische Studien haben die Effekte von Hericium erinaceus über die Jahre an Probanden überprüft:
- Mori et al. (2009): In einer Untersuchung an 50- bis 80-jährigen Probanden mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen führte die tägliche Gabe von 3 Gramm Trockenpulver über einen Zeitraum von 16 Wochen zu einer messbaren Verbesserung auf der HDS-R-Skala (Hasegawa Dementia Scale-Revised).
- Li et al. (2020): Bei 68 Teilnehmern mit früher Alzheimer-Demenz verbesserte die Verabreichung von Erinacin-A-angereichertem Myzel über einen Zeitraum von 49 Wochen die Werte im Mini-Mental-Status-Test (MMSE).
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- Daoust et al. (2026): Eine Studie an 109 Personen im Alter von 40 bis 75 Jahren ergab, dass eine Dosis von 2 Gramm pro Tag über einen Zeitraum von 8 Wochen sowohl die visuelle Aufmerksamkeit als auch das Arbeitsgedächtnis steigerte.
Die Kombination aus Simulationen zu Enzym-Inhibitoren und den Daten zu wachstumsfördernden Myzel-Extrakten zeigt auf, wie vielfältig die biochemischen Ansätze rund um Pilzinhaltsstoffe sind. Bis aus den Vorhersagen der Docking-Studien konkrete therapeutische oder präventive Anwendungen abgeleitet werden können, bleiben jedoch weiterführende Labor- und Praxisuntersuchungen erforderlich.
