Lesen und Gehirn: Studien verbinden Bücher mit bis zu 35 Prozent weniger Demenz
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 13:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deNeue Freizeitbeschäftigungen, kontinuierliche intellektuelle Herausforderungen und gezielte Übungsprogramme können die menschliche Gehirnfunktion aktiv stärken.
Fachleute und regionale Träger weisen darauf hin, dass regelmäßige mentale Beanspruchung dazu beiträgt, kognitive Fähigkeiten langfristig zu stabilisieren. Die Neurologin Ekaterina Demjanowskaja erklärte, dass intellektuelle Aktivität einen wichtigen Baustein zur Erhaltung geistiger Funktionen bilde.
Wer regelmäßig neue Aufgaben ausprobiere, verliere kognitive Fertigkeiten langsamer als Menschen mit vorwiegend passiver Lebensweise. Wie stark dieser Effekt ausfalle, hänge allerdings auch vom Ausgangsbildungsniveau, der körperlichen Aktivität und der sozialen Einbindung ab.
Kognitive Reserve durch Lesen und handwerkliche Tätigkeiten
In der Fachzeitschrift Psychological Medicine stellten Barbara Sahakian und Crystal Langley von der Universität Cambridge gemeinsam mit Vicki Perrin vom Queen's Reading Room Forschungsergebnisse zu geistig stimulierenden Aktivitäten zusammen.
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Eine Untersuchung mit 801 Personen ab 65 Jahren verknüpfte das Lesen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften mit einem um 33 Prozent niedrigeren Alzheimer-Risiko bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von viereinhalb Jahren. Eine weitere Studie mit 469 Personen ab 75 Jahren ohne vorherige Demenz dokumentierte ein um 35 Prozent geringeres Demenzrisiko über fünf Jahre.
Eine 14-jährige Untersuchung an 1.962 Erwachsenen über 64 Jahren zeigte zudem, dass bereits einmal wöchentliches Lesen mit einem verringerten Risiko kognitiver Einbußen einherging, selbst bei Probanden mit kürzerer formaler Bildungsdauer.
Eine Übersicht von elf Studien zum gemeinsamen Lesen ermittelte gesteigertes Wohlbefinden und weniger soziale Isolation, wenngleich ein kausaler Nachweis für einen Schutz vor Demenz bislang fehlt.
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Auch handwerkliche Tätigkeiten wie Stricken werden wissenschaftlich betrachtet. Eine 2013 publizierte Online-Befragung von 3.545 Strickbegeisterten ergab einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Strickens sowie Gefühlen von Ruhe und Zufriedenheit.
Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung mit Daten von 7.182 Teilnehmern ab 16 Jahren in England stellte bei handwerklichen Aktivitäten ebenfalls eine höhere Lebenszufriedenheit fest, wenngleich die Effektgröße gering war.
Eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2019 an 2.000 über 70-jährigen Probanden verband Handarbeiten im Alter mit einem selteneren Auftreten leichter kognitiver Störungen über fünf Jahre.
Ein 2025 erschienener systematischer Review von 19 Interventionsstudien berichtete von kurzfristigen Verbesserungen psychologischer Indikatoren, verwies jedoch auf eine lückenhafte Erforschung langfristiger Effekte.
Koordination, Videospiele und praktische Übungen
Körperlich-koordinative Herausforderungen zeigen teils deutliche Einflüsse auf neuronale Strukturen. Nach Erkenntnissen von Lifekinetik halten koordinativ fordernde Aktivitäten wie Musizieren oder Paartanz das Gehirn biologisch jünger als isolierte Denksportaufgaben.
Eine Langzeitstudie der Universität Zürich stellte fest, dass kombinierte körperliche und soziale Aktivitäten die Dicke des entorhinalen Kortex erhalten können. An der University of California erzielten ältere Erwachsene, die ein neues Instrument erlernten, anhaltende Verbesserungen ihres Arbeitsgedächtnisses, die noch zwölf Monate später messbar waren.
Zudem wiesen Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum am Beispiel von Schlagzeugern nach, dass diese mehrere gleichzeitige Steuerungsaufgaben besser bewältigten als unmusikalische Testpersonen.
Dr. Gregory West von der Universität Montreal beobachtete 2018 bei Teilnehmenden aller Altersgruppen einen Anstieg der grauen Substanz im Hippocampus nach dem Training mit dreidimensionalen Plattformspielen wie Super Mario 64, während sogenannte First-Person-Shooter diesen Anteil verringerten.
West verwies darauf, dass die über das Leben aufgebaute kognitive Reserve Symptome neurodegenerativer Veränderungen hinauszögern könne. Neben komplexen Trainingsansätzen können auch einfache Routinen wie das Zähneputzen mit der nicht-dominanten Hand neuronale Prozesse anregen.
Zur Früherkennung neurologischer Veränderungen beobachten Mediziner zudem körperliche Signale: Die Schlafmedizinerin Irina Sawalko betonte, dass auffällige Verhaltensstörungen im REM-Schlaf, darunter unbewusste Bewegungen oder das Nachahmen von Alltagsgewohnheiten, Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson vorausgehen können.
