Lernplattformen: 5.000 Studierende nutzen KI-Campus mit 600 Kursen
22.06.2026 - 20:14:14 | boerse-global.de
Statt starrer Lehrpläne setzen immer mehr Konzepte auf flexible, technikgestützte Lernökosysteme. Im Zentrum stehen Eigenverantwortung und künstliche Intelligenz.
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Schleswig-Holstein setzt auf Bildungssouveränität
Ein Vorreiter ist Schleswig-Holstein. Stefan Lemke, Referent für Zukunftskompetenzen im Bildungsministerium, hat ein Modell entwickelt, das persönliche Wissenslust und Neugier in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist lebenslanges, eigenverantwortliches Lernen – unterstützt durch moderne Technologien.
Der operative Rahmen heißt Digital Learning Campus (DLC). Das Pilotprojekt läuft seit März 2024 und verfügt über ein Budget von 38 Millionen Euro. Die Finanzierung teilt sich auf: 50 Prozent vom Land, 40 Prozent EU-Mittel, 10 Prozent von Partnern.
Die Plattform bietet über 600 kostenlose Kurse in KI, Virtual Reality und Robotik. Rund 400 Präsenz- und 230 Online-Kurse lockten bereits 5.000 registrierte Studierende. Insgesamt zählte der DLC etwa 60.000 Besuche.
Israel startet KI-Programm für Schulen
Auch international geht es voran. In Israel läuft das KI-basierte Programm „Projekt 720“ an. Es soll zunächst den Englischunterricht an Mittelschulen transformieren. Nach einer Pilotphase an 28 Schulen ist die Ausweitung auf 180 Einrichtungen geplant. Später sollen auch Mathematik und Naturwissenschaften folgen.
Das Budget beträgt rund 130 Millionen Schekel – etwa 45 Millionen US-Dollar. Bildungsminister Kisch bezeichnete die Initiative als eine der weitreichendsten Veränderungen im nationalen Bildungssystem.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Sie warnen vor übermäßiger Abhängigkeit von KI und möglichen Beeinträchtigungen der allgemeinen Lernfähigkeit.
KI hilft bei der Studienwahl
Schon vor dem Studium unterstützt Technologie. Die Universität Osnabrück hat einen KI-Studiengangsfinder entwickelt. Das Large Language Model stellt Interessierten maximal zehn gezielte Fragen. Daraus leitet es drei bis fünf passende Fachrichtungen ab.
Im Grundschulbereich sieht die Lage düsterer aus. Laut UNICEF belegt Deutschland im internationalen Vergleich schulischer Kompetenzen nur Platz 34 von 41. Nur etwa 60 Prozent der Kinder verfügen über notwendige Basiskompetenzen.
Die miila Lernsysteme GmbH aus Baden-Württemberg will gegensteuern. Ihr hybrides System verbindet handschriftliches Arbeiten mit KI-gestützter Echtzeit-Nachhilfe. Der Marktstart ist für Herbst 2026 geplant. Eine spezielle Kamera erfasst nur die Arbeitsfläche – DSGVO-konform.
Der Einsatz von KI-Systemen in der Bildung erfordert eine klare rechtliche Basis, wie sie der neue EU AI Act vorschreibt. Sichern Sie sich diesen kostenlosen Leitfaden, um alle relevanten Fristen, Pflichten und Risikoklassen der neuen KI-Verordnung kompakt zu verstehen. Kostenloses E-Book zum EU AI Act sichern
Hardware ohne Bildschirm
Ein weiterer Trend: Weniger Bildschirmzeit bei gleichzeitiger Nutzung digitaler Vorteile. Das Wiener Start-up Plappi hat einen Sprachlernbegleiter für Kinder zwischen zwei und 15 Jahren entwickelt. Das Gerät kommt ohne Display und Kamera aus. Es unterstützt 27 Sprachen.
Die Finanzierung läuft über eine Kickstarter-Kampagne, die für den 24. Juni 2026 angekündigt ist. Das Entwicklungsvolumen liegt bei 1,4 Millionen Euro.
Handyverbot und freies Lernen
Parallel zur Technologie-Welle gibt es auch gegenläufige Entwicklungen. Die Freie Waldorfschule Engelberg in Winterbach führt ein striktes Handyverbot ein. Smartphones und Smartwatches der rund 700 Schüler müssen während der Schulzeit in verschlossenen Taschen bleiben. Grundlage ist das geänderte baden-württembergische Schulgesetz.
Dass selbstreguliertes Lernen langfristig funktioniert, zeigt eine evangelische Gesamtschule in Gelsenkirchen. Sie praktiziert seit fast drei Jahrzehnten Formen des freien Lernens – und wurde dafür mit dem Schulpreis ausgezeichnet.
Die IdeenExpo 2026 in Hannover will unterdessen das Interesse an Technik und Naturwissenschaften fördern. Über 330 Aussteller und 800 Mitmach-Exponate auf 100.000 Quadratmetern warten auf Besucher.
