Leistungsfähigkeit, Vergleichsdaten

Leistungsfähigkeit im Alter: 70-Jährige sind heute so fit wie 60-Jährige früher

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vergleichsdaten zeigen bessere körperliche Fähigkeiten im Alter; kommunale Testangebote prüfen Fitness und machen mögliche Einschränkungen sichtbar.
Ein heller, minimalistischer Übungsraum mit einem leeren Holzstuhl in der Mitte, der für physiotherapeutische Zwecke genutzt wird. Illustration mit AI erstellt.

Geriatrische Einschätzungen und standardisierte körperliche Erhebungen verdeutlichen einen bemerkenswerten Wandel: Die körperliche Leistungsfähigkeit heutiger Senioren hat sich im Vergleich zu früheren Generationen spürbar verbessert.

Fachleute aus der Altersmedizin und regionale Sportverbände beobachten, dass ältere Menschen funktionale Reserven heute oft länger aufrechterhalten können, was den Erhalt der Selbstständigkeit im täglichen Leben begünstigt.

Zuwachs an funktioneller Leistungsfähigkeit im Alter

Wie der Geriater Bruno Vellas vom IHU HealthAge in Toulouse im August 2026 darlegte, verfüge ein 70-jähriger Mensch heute über eine vergleichbare intrinsische Kapazität wie ein 60-Jähriger vor 20 Jahren.

Vellas hob hervor, dass Anzeichen von Fragilität bereits vor dem Eintreten einer Pflegebedürftigkeit oder Abhängigkeit auftreten können. Aus diesem Grund empfiehlt der Experte gezielte Präventionsmaßnahmen bereits ab einem Alter von 50 Jahren.

Als Orientierung dient unter anderem das ICOPE-Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welches wesentliche Faktoren wie Mobilität, Gedächtnis, Seh- und Hörvermögen, Vitalität sowie die psychische Gesundheit erfasst. Regelmäßige körperliche Bewegung sei entscheidend, um sowohl die motorischen als auch die kognitiven Fähigkeiten langfristig zu sichern.

Kraftverlust und standardisierte Diagnoseverfahren

Der Erhalt der Muskulatur bleibt dabei eine der zentralen Herausforderungen. Nach Angaben von Dr. Jennifer Timmons verringert sich die Muskelmasse ab einem Alter von 40 Jahren um 3 bis 5 % pro Jahr. Ein etabliertes Messinstrument zur Bestimmung von Muskelkraft, Mobilität und Power ist der sogenannte 30-Sekunden-Sit-to-Stand-Chair-Test.

Gemäß den Mindestwerten der US-Gesundheitsbehörde CDC sollte ein 60-jähriger Mann bei diesem Aufstehtest innerhalb von 30 Sekunden mindestens 14 Wiederholungen erreichen, während für Frauen in dieser Altersgruppe mindestens 12 Wiederholungen vorgesehen sind.

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Eine Untersuchung mit über 11.000 älteren Erwachsenen belegt, dass eine unzureichende Sit-to-Stand-Muskelpower mit Mobilitätseinschränkungen und Behinderungen bei allfälligen Alltagsaktivitäten einhergeht. Darüber hinaus korreliert das Testergebnis mit der kognitiven Leistungsfähigkeit der Probanden.

Praxisnahe Präventionsangebote in den Kommunen

Um den individuellen Zustand zu ermitteln und funktionelle Einbußen frühzeitig zu erkennen, setzen Sportorganisationen zunehmend auf niedrigschwellige Testreihen.

In Heusenstamm nahmen rund 50 Seniorinnen und Senioren an einem wissenschaftlich fundierten Alltagsfitness-Test im Pfarrheim Maria Himmelskron teil. Die Veranstaltung wurde als Kooperationsprojekt vom Landessportbund Hessen (LSBH), dem TSV Heusenstamm und der Bürger- und Seniorenhilfe Heusenstamm organisiert.

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In Achtergruppen durchliefen die Teilnehmer sechs Übungen zur Erfassung von Geschicklichkeit, Arm- und Beinkraft, Ausdauer sowie der Beweglichkeit von Hüfte und Schultern, wobei die Resultate in einer individuellen Leistungskurve festgehalten wurden. Teilnehmer Bernd Ploch, 74 Jahre alt, erzielte dabei Werte im Mittelfeld.

Sonja Hergert vom Landessportbund Hessen unterstrich im Rahmen der Veranstaltung, dass regelmäßige Bewegung den Blutdruck senke, das Herz stärke und Depressionen vorbeugen könne. Nach der ersten Auflage im Jahr 2025 in Dietzenbach wanderte das Testangebot damit turnusgemäß nach Heusenstamm weiter.

Eine entsprechende Erhebung steht am Samstag, 24. Oktober, von 15 bis 18 Uhr in der Autalhalle in Niedernhausen an. Ausgerichtet wird das Angebot für Menschen ab 60 Jahren vom Sportkreis Rheingau-Taunus und dem Landessportbund Hessen.

Das Programm umfasst einen etwa 20-minütigen Einführungsvortrag des LSBH, 15 Minuten Aufwärmübungen, einen rund 20-minütigen Testparcours in Achtergruppen sowie eine Ergebnisbesprechung. Zu den Stationen zählen Übungen für Arm- und Beinkraft, die Beweglichkeit von Hüfte und Schultern, Geschicklichkeit mit schnellen Reaktionen sowie ein zweiminütiger Ausdauertest.

Markus Jestaedt, Vorsitzender des Sportkreises Rheingau-Taunus, erläuterte, dass das primäre Ziel darin liege, einen potenziellen Pflegebedarf so weit wie möglich hinauszuzögern. Es handelt sich um den dritten Testlauf im Kreisgebiet nach Stationen in Geisenheim im Jahr 2024 und Taunusstein im Jahr 2025, an denen im Durchschnitt 65 Teilnehmende registriert wurden.

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