Lebensmittelverschwendung: Österreich startet Kampagne für 18- bis 30-Jährige
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 09:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Lebensmittelverschwendung hat das österreichische Landwirtschafts- und Umweltministerium die Bewusstseinskampagne „Mach's wie Oma: Rette Lebensmittel!“ initiiert.
Die Initiative richtet sich primär an die Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen und thematisiert zentrale Aspekte der Abfallvermeidung wie vorausschauende Einkaufsplanung, sachgerechte Lagerung, kreative Resteverwertung sowie den differenzierten Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Unterstützt wird die Kampagne von großen Akteuren des österreichischen Lebensmitteleinzelhandels, darunter SPAR, REWE, HOFER und Lidl.
Statistische Bestandsaufnahme der Lebensmittelabfälle
Daten des Landwirtschafts- und Umweltministeriums für das Jahr 2024 verdeutlichen den Umfang der Problematik in Österreich. Demnach fielen insgesamt 1.175.206 Tonnen Lebensmittelabfälle an. Hiervon wurden 568.831 Tonnen als vermeidbar eingestuft. Trotz dieser hohen Mengen ist ein rückläufiger Trend erkennbar: Gegenüber dem Jahr 2020 sank die Gesamtmenge der Abfälle um 3 %.
Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit einem jährlichen Lebensmittelabfall von rund 130 kg pro Kopf geringfügig über dem EU-Durchschnitt von 129 kg. Der Handelsverband sowie das Umweltbundesamt konkretisierten diese Zahlen für das Jahr 2024 dahingehend, dass pro Person jährlich etwa 69 kg weggeworfen werden.
Davon gelten 37 kg als vermeidbar, was einem Gegenwert von rund 400 Euro entspricht. Analysen der Universität für Bodenkultur (BOKU) deuten darauf hin, dass die finanziellen Verluste in einem durchschnittlichen Haushalt sogar bis zu 800 Euro pro Jahr betragen können.
Sektorale Verteilung und Problembereiche
Die Verteilung der Abfallmengen auf die verschiedenen Sektoren zeigt laut Ministeriumsdaten eine deutliche Konzentration bei den privaten Haushalten. Diese verursachten im Jahr 2024 insgesamt 629.353 Tonnen der Abfälle, wovon 337.646 Tonnen als vermeidbar gelten. Hochrechnungen zufolge machen Brot, Süß- und Backwaren sowie Obst und Gemüse zusammen mehr als die Hälfte dieser vermeidbaren Abfälle im Restmüll aus.
Rund 69 Kilogramm Lebensmittel wirft jede Person in Österreich pro Jahr weg, 37 Kilogramm davon wären vermeidbar — ein Warenwert von etwa 400 Euro. Die drei wirksamsten Hebel dagegen sind unspektakulär: vorausschauend einkaufen, richtig lagern, Reste verwerten. Wie das im Alltag Schritt für Schritt funktioniert, zeigt dieser kostenlose Leitfaden. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Weitere signifikante Mengen entfielen auf folgende Bereiche:
- Be- und Verarbeitung: 234.863 Tonnen
- Außer-Haus-Konsum: 228.418 Tonnen (davon ca. 171.000 Tonnen vermeidbar)
- Handel: 71.275 Tonnen
- Landwirtschaftliche Produktion: 11.297 Tonnen
Die Umweltorganisation WWF Österreich kommt in ihren Berechnungen auf eine jährliche Verschwendung von mehr als 1,2 Millionen Tonnen Lebensmitteln. Dies entspreche einer täglichen Menge von über 3.000 Tonnen oder rechnerisch rund 137 Lkw-Ladungen. Die Organisation fordert angesichts dieser Daten verbindliche Reduktionsziele sowie verbesserte Rahmenbedingungen für Lebensmittelspenden.
Soziale Initiativen und langfristige Reduktionsziele
Ein wichtiger Baustein bei der Rettung von Lebensmitteln sind soziale Einrichtungen. In den fünf Wiener Sozialmärkten wurden beispielsweise im Jahr 2025 rund 1.300 Tonnen gerettete Lebensmittel angeboten. Die Relevanz dieser Angebote zeigt sich in der steigenden Nutzerzahl: Über 26.000 registrierte Kunden nahmen diese Leistungen im Jahr 2025 in Anspruch, während es im Jahr 2020 noch 17.000 waren.
Brot, Süß- und Backwaren sowie Obst und Gemüse machen zusammen mehr als die Hälfte der vermeidbaren Abfälle im Restmüll aus — meist, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum missverstanden wird. Dieser Leitfaden erklärt, wann Lebensmittel wirklich weg müssen und wie Sie Vorräte so lagern, dass sie länger halten. Lagerungs- und MHD-Guide jetzt sichern
Auf internationaler Ebene sind ambitionierte Ziele für die kommenden Jahre definiert. Die Vereinten Nationen (UN) streben bis zum Jahr 2030 eine Halbierung der weltweiten Lebensmittelabfälle pro Kopf an. Die Europäische Union hat für denselben Zeitraum das Ziel festgeschrieben, die Abfälle in den Sektoren Handel, Gastronomie und Haushalte um 30 % zu senken. Für den Bereich der Verarbeitung ist eine Reduktion um 10 % vorgesehen.
