Lebensmittelverschwendung: Aktionswoche zeigt praktische Rettungstipps
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 16:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts der weltweit hohen Verluste bei der Nahrungsmittelproduktion rücken Maßnahmen zur Reduzierung von Abfällen verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit.
In Deutschland wird dieser Thematik unter anderem durch die bundesweite Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“ begegnet, die für den Zeitraum vom 29. September bis zum 6. Oktober 2026 angesetzt ist. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMLEH) landen hierzulande jährlich Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel im Müll.
Fokus auf Privathaushalte und digitale Rettungstools
Untersuchungen des BMLEH verdeutlichen, dass ein Großteil der Lebensmittelabfälle nicht im Handel oder in der Gastronomie entsteht, sondern in privaten Haushalten.
Katharina Hauke von der Initiative Too Good To Go wies darauf hin, dass insbesondere Brot, Backwaren sowie Obst und Gemüse entsorgt würden. Als Hauptursachen gelten eine unzureichende Lagerung, ein bereits überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sowie ein über den Bedarf hinausgehender Einkauf.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, etablieren sich zunehmend digitale Vermittlungsplattformen. Too Good To Go bietet beispielsweise Überraschungstüten an, die für die Hälfte des ursprünglichen Preises oder weniger abgegeben werden.
Ein weiteres Modell verfolgt die Plattform foodsharing, auf der sich über 500.000 Menschen in verschiedenen europäischen Ländern engagieren. Hierbei gelte das Prinzip, dass gemeinnützige Tafeln Vorrang bei der Abholung von Waren haben.
Ergänzend dazu finden regionale Informationsveranstaltungen statt. In Mannheim wird im Rahmen der Fairen Woche 2026 für den 22. September eine Informationsstunde in der Zentralbibliothek vorbereitet. Dabei sollen unter anderem Joghurt- oder Quarksorten verkostet werden, deren MHD bereits um über sechs Wochen überschritten ist, um die tatsächliche Genießbarkeit im Vergleich zu frischen Produkten zu prüfen.
Technologische Innovationen und industrielle Vernetzung
Neben Verhaltensänderungen in Haushalten setzt die Forschung auf technologische Lösungen. Im Rahmen des Interreg-Projekts PRECISE entwickeln sechs Partner aus dem dänischen Sonderburg eine elektronische Nase. Diese Sensortechnik misst das Gas Cadaverin, welches beim Verderb von Fleisch und Fisch entsteht, um die Resthaltbarkeit von Produkten in Echtzeit zu bewerten.
In Deutschland landen jährlich Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel im Müll — ein Großteil davon in privaten Haushalten, vor allem Brot, Backwaren, Obst und Gemüse. Die häufigsten Ursachen: falsche Lagerung, ein missverstandenes MHD und zu viel Einkauf. Unser kostenloser Guide zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie mit richtigen Kühlschrank-Zonen, dem First-in-First-out-Prinzip und digitalen Rettungstools gegensteuern. Jetzt kostenlosen Rettungs-Guide anfordern
Das Projekt wird mit EU-Mitteln in Höhe von 1.885.263 Euro gefördert. Hintergrund dieser Bemühungen ist die Schätzung, dass in der EU jährlich rund 59 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle anfallen, während weltweit etwa ein Drittel der produzierten Nahrung verloren geht.
Auch auf Führungsebene der Wirtschaft wird das Thema diskutiert. Beim CEO-Event 2026 des Basler Vereins United Against Food Waste tauschten sich rund 30 Leiter Schweizer Lebensmittelunternehmen über Strategien für den Endverbrauchermarkt aus.
Prof. Dr. Johanna Gollnhofer von der Universität St.Gallen betonte dabei, dass für eine erfolgreiche Reduzierung nicht allein Nachhaltigkeitsaspekte entscheidend seien, sondern vor allem der konkrete Alltagsnutzen für die Konsumenten.
Internationale Vergleichswerte und Zielvorgaben bis 2030
In der Schweiz, wo vom 12. bis 20. September 2026 die erste Nationale Woche gegen Food Waste begangen wird, liegen detaillierte Kennzahlen vor. Laut dem Bundesamt für Umwelt wirft jede Person dort jährlich essbare Lebensmittel im Wert von 620 Franken weg, was einer Menge von rund 80 Kilogramm entspricht. Insgesamt entstehen in der Schweiz jährlich 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle, wovon fast ein Drittel auf private Haushalte entfällt.
Der Schweizer Bund verfolgt das Ziel, diese Mengen bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Einem Zwischenbericht des Bundesamtes für Umwelt zufolge wurden bislang jedoch erst 5 Prozent dieses Ziels erreicht. Das Amt empfiehlt zur Abfallvermeidung unter anderem, die Kühlschranktemperatur auf 5 Grad Celsius zu senken, verschiedene Kältezonen konsequent zu nutzen und nach dem Prinzip „First in, First out“ zu lagern.
Konservierungsmethoden als praktischer Lösungsansatz
Um die Haltbarkeit von Lebensmitteln in der eigenen Küche zu verlängern, rücken traditionelle und gastronomische Techniken wieder in den Vordergrund. Die Methode der Lakto-Fermentation nutzt beispielsweise zwei Prozent Salz im Verhältnis zum Gemüsegewicht – bei einem Kilogramm Kohl entspricht dies 20 Gramm Salz –, wobei die Dauer des Prozesses von der jeweiligen Sorte und der Schnittgröße abhängt.
Der Schweizer Bund will die Lebensmittelabfälle bis 2030 halbieren — erreicht wurden laut Zwischenbericht bislang erst 5 Prozent des Ziels. Wer im eigenen Haushalt ansetzen will, findet hier die konkreten Stellschrauben: Kühlschrank auf 5 Grad, Kältezonen konsequent nutzen, Reste haltbar machen. Die wichtigsten Hebel jetzt nachlesen
Für die Verwertung von Resten in der Gastronomie verwies Alexander Herrmann vom Restaurant „AURA“ auf die Verwendung von Pickel-Suden. Ein Standardrezept bestehe aus zwei Teilen Weißweinessig sowie jeweils einem Teil Wasser, Weißwein und Zucker.
Für eine alkoholfreie Variante könne das Verhältnis auf zwei Teile Wasser und einen Teil Essig angepasst werden. Solche Methoden unterstützen das Ziel, die Umweltwirkung weggeworfener Lebensmittel, die laut United Against Waste überproportional hoch ist, zu minimieren.
