Lebensmittel-Steuern: Pflanzliche Milch kostet 10% mehr als Kuhmilch
10.06.2026 - 10:52:02 | boerse-global.de
Doch steigende Energiepreise, volatile Rohstoffmärkte und strukturelle Schwachstellen in den Lieferketten trüben den Optimismus.
Umsatzplus trotz Preisrückgang
Im März 2026 erzielten die Nahrungsmittelhersteller ein preisbereinigtes Umsatzplus von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Nominal setzte die Branche 20,7 Milliarden Euro um – ein Plus von 3,0 Prozent.
Das Inlandsgeschäft lief mit einem nominalen Wachstum von 4,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro besser als der Export. Der Auslandsumsatz stieg nur um 1,3 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Grund: Die Ausfuhrpreise sanken um 4,4 Prozent. Auch im Inland gaben die Preise um 1,3 Prozent nach.
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Der Produktionsindex legte um 2,2 Prozent zu. Die Stimmung hellt sich auf: Das ifo-Geschäftsklima für die Ernährungsindustrie kletterte im Mai auf 92,2 Punkte.
Die Verbraucher bleiben dagegen zurückhaltend. Das GfK-Konsumklima lag im Mai bei miserablen -33,1 Punkten. Für Juni ist eine leichte Besserung auf -29,8 Punkte prognostiziert.
Energiepreise explodieren – Rohstoffmärkte uneinheitlich
Die internationalen Agrarmärkte zeigen ein gemischtes Bild. Der Nahrungsmittelpreisindex der Welternährungsorganisation (FAO) verharrt bei 130,8 Punkten.
Zucker verteuerte sich um 5,9 Prozent, Getreide um 2,7 Prozent. Dagegen fielen die Preise für pflanzliche Öle (-4,6 Prozent) und Milchprodukte (-0,4 Prozent).
Richtig weh tut der Energiesektor. Im April schoss der Erdgaspreis um 15,6 Prozent nach oben, der Erdölpreis legte sogar um 35,3 Prozent zu. Das belastet die gesamte Produktionskette.
Geflügel boomed – Eierbranche unter Druck
Die globale Produktion tierischer Erzeugnisse wächst seit Jahrzehnten massiv. Besonders Geflügelfleisch gilt als Wachstumstreiber. Im Mai 2026 erreichten die brasilianischen Hähnchenfleischexporte mit über einer Milliarde US-Dollar einen neuen Rekord. Die EU gehört zu den Hauptabnehmern.
Europäische Erzeuger geraten dadurch unter Druck. In der niederländischen Eierbranche beschleunigen günstige Importe aus Polen, Spanien und Frankreich den Strukturwandel in der Legehennenhaltung.
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Vegane Produkte wachsen – aber Steuer bremst
Der Markt für pflanzliche Alternativen in Deutschland wächst weiter. Laut GFI Europe stieg der Umsatz 2025 um 3,1 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro. Die Absatzmenge legte um 6,2 Prozent zu.
Milchalternativen sind der Star: Sie wuchsen um 8,1 Prozent. Fleischalternativen stagnierten dagegen – die Absatzmenge ging sogar um 1,7 Prozent zurück.
Ein Grund: die Steuer. Pflanzliche Milchalternativen waren 2025 im Schnitt zehn Prozent teurer als Kuhmilch. Der Grund liegt im unterschiedlichen Mehrwertsteuersatz von 19 gegenüber 7 Prozent.
Frankreich stützt letzten EU-Produzenten für Aminosäuren
In der vorgelagerten Industrie greift der Staat ein. Frankreich stützte den Hersteller Eurolysine mit einer Kapitalerhöhung von 70 Millionen Euro. Das Unternehmen ist der einzige verbliebene Produzent in der EU, der Aminosäuren für die Tierfütterung durch Fermentation herstellt.
Grund der Krise: massive Preisrückgänge durch chinesische Konkurrenz. Die Preise für Lysin fielen seit 2024 um 30 Prozent, for Tryptophan sogar um 60 Prozent.
Versorgungssicherheit: Deutschland ist verwundbar
Eine aktuelle Studie zu den Resilienzschwachstellen der deutschen Lebensmittelversorgung zeichnet ein düsteres Bild. Klimawandel, geopolitische Verwerfungen und Cyberangriffe gefährden die Versorgungssicherheit.
Besonders kritisch: die hohe Importabhängigkeit bei bestimmten Rohstoffen. Arabica-Kaffee kommt fast ausschließlich aus Brasilien und Ostafrika. Kakaoimporte hängen von wenigen Häfen in Westafrika ab.
Zwar versorgt ein Landwirt in Deutschland heute rechnerisch 153 Menschen – 1970 waren es noch 27. Doch der Selbstversorgungsgrad liegt bei nur 80 bis 84 Prozent. Zur vollständigen Autarkie reicht das nicht.
Experten empfehlen eine klimaresilientere Landwirtschaft, Frühwarnsysteme und eine nachhaltigere Gestaltung der EU-Agrarsubventionen.
BMEL will Bürokratie abbauen
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft plant Gegenschritte. Ein Gesetzentwurf sieht vor, die Fortbildungsintervalle für die Pflanzenschutz-Sachkunde von drei auf sechs Jahre zu verlängern. Bestimmte Meldepflichten im Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch sollen gestrichen werden.
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