Lebensmittel nach MHD: Teigwaren halten 360 Tage länger
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte und Analysen verdeutlichen, dass Produkte mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum keineswegs automatisch im Müll landen müssen. In Deutschland fallen jährlich rund 11 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle an.
Den größten Anteil tragen mit 58 Prozent beziehungsweise rund 6,3 Mio. Tonnen die privaten Haushalte, gefolgt von der Verarbeitung mit 17 Prozent (1,9 Mio. Tonnen), der Außer-Haus-Verpflegung mit 16 Prozent (1,7 Mio. Tonnen) und dem Handel mit 7 Prozent (0,8 Mio. Tonnen).
Durchschnittlich landen pro Person und Woche etwa 1,4 Kilogramm Nahrungsmittel im Abfall. Durch gezielte Lagerungsmethoden und die Unterscheidung von Fristen lässt sich dieses Aufkommen spürbar verringern.
Mindesthaltbarkeit und Verbrauchsdatum sachgerecht beurteilen
Ein zentraler Hebel liegt in der Unterscheidung zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum. Das schweizerische Bundesamt für Umwelt (Bafu) weist darauf hin, dass das strikte Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“) vor allem für leicht verderbliche Waren wie Frischfleisch, Fisch, Weich- und Frischkäse, Fertigmenüs, Sprossen oder verzehrfertige Salate gilt.
Nach Ablauf drohen gesundheitliche Risiken durch Bakterien oder Salmonellen, weshalb die Produkte weder verzehrt noch nachträglich eingefroren werden dürfen. Werden sie jedoch vor Ablauf tiefgekühlt, verlängert sich die Konsumierbarkeit um 90 Tage. Das Bafu beziffert das durchschnittliche Sparpotenzial durch vermiedenen Food Waste auf rund 600 Franken pro Kopf und Jahr.
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Das Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert hingegen lediglich spezifische Qualitätseigenschaften bis zum Stichtag. Eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zeigt, dass viele Produkte weit darüber hinaus genießbar bleiben:
- Teigwaren, Reis, Tee und Kaffee: bis zu 360 Tage über das MHD hinaus
- Fette, Öle und Müesli: rund 120 Tage
- Tiefkühlprodukte: etwa 90 Tage
- UHT-Milch, Hartkäse und Snacks: rund 30 Tage
- Rohe Eier, Kuchen und Kleingebäck: etwa 6 Tage
Das BLV schlägt daher vor, für Lebensmittel wie Joghurt, Quark, Butter, Rohschinken oder Eier vermehrt das MHD statt eines Verbrauchsdatums anzuwenden. Bei Schimmelbefall empfiehlt foodwaste.ch, Konfitürengläser komplett zu entsorgen, während bei Hartkäse betroffene Stellen großzügig abgeschnitten werden können.
Für Eier gilt in Deutschland eine Mindesthaltbarkeit von 28 Tagen; nach zwei Wochen Kühlung verlängert sich diese um zwei bis vier Wochen über das MHD hinaus, sofern sie anschließend nur noch durcherhitzt verwendet werden.
Optimierte Bedingungen für Obst, Gemüse und Frischeware
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Auch die Lagertechnik beeinflusst die Haltbarkeit maßgeblich. Die Verbraucherzentrale NRW rät dazu, Bananen an einem warmen, hellen Ort bei etwa 16 Grad Celsius hängend aufzubewahren, direkte Sonneneinstrahlung sowie die Nähe zu Äpfeln zu meiden und auf den Kühlschrank zu verzichten.
Fachveröffentlichungen bestätigen zudem, dass Beutel mit Ethylenhemmung den Reifeprozess verlangsamen. Champignons bleiben bei 4 Grad länger frisch und sollten trocken in Papiertüten statt Plastikfolie aufbewahrt werden.
Für den Kühlschrank bleibt die Zonenaufteilung maßgeblich: Leicht verderbliches Fleisch und Fisch gehören nach unten auf die kälteste Glasplatte, Milchprodukte in die Mitte, zubereitete Reste nach oben und Gemüse in die vorgesehenen Fächer. Solche Maßnahmen tragen dazu bei, Vorräte effizient zu nutzen, bevor sie verderben.
