Lebensmittel-Frische: Elektronische Nase erkennt Verderb in Echtzeit
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 10:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zuverlässige Bestimmung der Frische leicht verderblicher Waren stellt die Lebensmittelwirtschaft vor anhaltende Herausforderungen. Einen technologischen Lösungsansatz liefert das deutsch-dänische Interreg-Projekt PRECISE: Das Konsortium hat ein Sensorsystem in Form einer elektronischen Nase entwickelt, das den Verderb von Proteinen in Fisch und Fleisch anhand flüchtiger Gase präzise identifiziert.
Funktionsweise und Erkennung von Cadaverin-Gas
Im Zentrum der technologischen Entwicklung steht die gezielte Messung von Cadaverin. Bei diesem Stoff handelt es sich um ein charakteristisches Gas, das im Zuge von Zersetzungsprozessen organischer Proteine entsteht, wenn Fleisch und Fisch verderben.
Die vom Projekt PRECISE konzipierte elektronische Nase registriert das Vorhandensein sowie die Konzentration dieses Gases. Das System zielt darauf ab, die tatsächliche Resthaltbarkeit der geprüften proteinhaltigen Produkte in Echtzeit objektiv zu bewerten. Im Gegensatz zu pauschalen Haltbarkeitsangaben oder rein subjektiven sensorischen Prüfungen soll das Messgerät damit eine verlässliche, datenbasierte Zustandserfassung ermöglichen.
Geplanter Einsatz in Handel und Gastronomie
Für die praktische Anwendung des Geräts zeichnen sich bereits konkrete Einsatzfelder ab. Das Messwerkzeug ist primär für die Verwendung im Lebensmitteleinzelhandel sowie in der Gastronomie vorgesehen, um dort Frischeparameter schnell und verlässlich kontrollieren zu können.
Pauschale Haltbarkeitsangaben und der eigene Augenschein führen regelmäßig dazu, dass noch genießbare Ware in der Tonne landet. Das deutsch-dänische Projekt PRECISE hat ein Sensorsystem entwickelt, das Verderb bei Fisch und Fleisch über das Gas Cadaverin in Echtzeit erkennt — vorgesehen für den Einsatz in Handel und Gastronomie. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Frische objektiv prüfen und Ihren Wareneinsatz senken. Praxis-Leitfaden Frischekontrolle jetzt anfordern
Die Entwicklung begegnet einem globalen Problem im Umgang mit Nahrungsmitteln. Angaben des Projekts verdeutlichen das Ausmaß: Weltweit wird rund ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen.
Allein in der Europäischen Union fallen jährlich rund 59 Mio. Tonnen an Lebensmittelabfällen an. Ein objektives Echtzeit-Messverfahren für die Resthaltbarkeit soll dazu beitragen, Fehleinschätzungen zu reduzieren und vorzeitiges Entsorgen noch genießbarer Ware zu vermeiden.
Grenzüberschreitende Kooperation und europäische Förderung
In der EU fallen jährlich rund 59 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle an — ein erheblicher Teil davon dort, wo Frische täglich neu beurteilt werden muss. Wer seinen Wareneinsatz planbar senken will, braucht eine Checkliste statt Bauchgefühl: Unser kostenloser Leitfaden führt Sie in fünf Schritten durch Wareneingang, Lagerung und Ausgabe. 5-Schritte-Checkliste zur Abfallsenkung sichern
Hinter der Entwicklung steht das grenzübergreifende Netzwerk des Projekts PRECISE mit Sitz im dänischen Sonderburg. An der Realisierung des Messsystems sind sechs Partnerinstitutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft beteiligt:
- die TH Lübeck,
- die Hochschule Flensburg,
- das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (Fraunhofer ISIT),
- das Lebensmittelinstitut KIN,
- die Süddänische Universität (SDU) sowie
- das dänische Startup-Unternehmen AmiNIC.
Das Forschungsprojekt wird auf europäischer Ebene finanziell unterstützt. Für die Realisierung der Sensorik flossen Fördermittel der Europäischen Union in Höhe von exakt 1.885.263 Euro über das Interreg-Programm. Die Zusammenarbeit bündelt dabei mikrosystemtechnische, lebensmittelchemische und anwendungsorientierte Kompetenzen beider Nachbarländer.
