Langstreckenflug 21 Stunden: Thromboserisiko steigt um 18% pro zwei Stunden
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Voranschreiten technischer Innovationen in der Luftfahrtindustrie rücken neue Rekorddistanzen in den Fokus des kommerziellen Flugbetriebs. Im Rahmen des sogenannten „Project Sunrise“ plant die australische Fluggesellschaft Qantas ab dem Herbst 2027 die Einführung einer Nonstop-Verbindung zwischen London und Sydney. Mit einer projektierten Flugzeit von rund 21 Stunden stellt dieses Vorhaben neue Anforderungen an die Reisemedizin und die physiologische Belastbarkeit der Passagiere.
Steigendes Thromboserisiko durch Bewegungsmangel
Zentrales Thema der medizinischen Vorsorge bei Flügen dieser Größenordnung ist das Risiko von Reisethrombosen. Statistische Erhebungen verdeutlichen, dass die Gefahr einer Thrombose pro zwei Flugstunden um etwa 18 % ansteigt. Bei einer Flugdauer von 21 Stunden wird das Risiko auf etwa 1:1300 geschätzt. Fachleute führen rund 75 % dieser Vorfälle auf den ausgeprägten Bewegungsmangel während des Fluges zurück.
Um diesen Risiken entgegenzuwirken, empfehlen medizinische Leitlinien Passagieren die Wahl eines Gangplatzes, um die Mobilität zu erhöhen. Es wird angeraten, mindestens alle zwei Stunden aufzustehen und sich zu bewegen. Zudem gilt das Tragen von Kompressionsstrümpfen als wirksame präventive Maßnahme zur Unterstützung des Blutkreislaufs in den Beinen.
Physiologische Belastung durch Kabinenklima und Druckverhältnisse
Die Bedingungen in der Kabine stellen eine weitere Herausforderung für den menschlichen Organismus dar. Die Luftfeuchtigkeit liegt auf Langstreckenflügen oft lediglich zwischen 10 % und 20 %, was die Schleimhäute austrocknen kann. Zur Linderung werden Tränenersatzmittel für die Augen sowie Nasensprays empfohlen.
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Darüber hinaus entspricht der Kabinendruck in modernen Langstreckenflugzeugen einer Höhe von etwa 2400 Metern über dem Meeresspiegel. In Simulationen zeigten rund 7 % der Teilnehmer Symptome der Höhenkrankheit. Besonders Personen mit Vorerkrankungen des Herzens oder der Lunge gelten hierbei als Risikogruppe und sollten entsprechende Vorkehrungen treffen. Zur Unterstützung des Biorhythmus bei extremen Zeitverschiebungen wird zudem die Einnahme von Melatonin in einer Dosierung von 0,5 mg bis 1 mg sowie die frühzeitige Anpassung des Schlafrhythmus und der Verzicht auf Alkohol nahegelegt.
Technische Umsetzung und aktuelle Testphasen
Die Realisierung solcher Distanzen erfordert spezifische Anpassungen der Flugzeugflotte. Qantas setzt hierfür auf den Airbus A350-1000ULR (Ultra Long Range). Am 28. Juli 2026 absolvierte ein Flugzeug dieses Typs einen Testflug von Melbourne nach Toulouse. Die Maschine legte dabei eine Strecke von 23.000 Kilometern in einer Zeit von 24 Stunden und 24 Minuten zurück. An Bord befanden sich zwölf Personen; der Hinflug von Toulouse nach Melbourne dauerte zuvor 19 Stunden und 12 Minuten über eine Distanz von 17.000 Kilometern.
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Um den Komfort und die Sicherheit zu erhöhen, wird die Bestuhlung des Airbus A350-1000ULR deutlich reduziert. Statt der üblichen 410 Sitze soll die Maschine für die Ultra-Langstrecke lediglich mit 238 Plätzen ausgestattet werden. Technisch wird das Flugzeug zudem durch einen Zusatztank im hinteren Rumpf mit einer Kapazität von 20.000 Litern Treibstoff für die nonstop verfügbare Reichweite ertüchtigt.
Derzeit hält Singapore Airlines den Rekord für den längsten kommerziellen Flug auf der Strecke zwischen Singapur und New York mit etwa 18 Stunden Flugzeit und 15.350 Kilometern. Die geplanten Verbindungen von Qantas warten momentan noch auf die abschließende Zertifizierung durch die europäische Luftfahrtbehörde EASA und die australische CASA. Das öffentliche Interesse an dieser Entwicklung ist erheblich: Den Testflug Ende Juli 2026 verfolgten Schätzungen zufolge rund 3,6 Millionen Menschen über digitale Tracking-Plattformen.
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