Krisenfeste, Studie

Krisenfeste Unternehmen: Studie unter 500 Betrieben nennt vier Fähigkeiten

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz braucht individuelle Fähigkeiten, unterstützende Strukturen und gezielte betriebliche Prävention.

Resilienz im Beruf: Wie Beschäftigte und Unternehmen Krisen bewältigen
Ein heller, minimalistischer Büroflur mit weichem Lichteinfall und klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Die Anforderungen im modernen Arbeitsleben fordern von Beschäftigten zunehmend mentale Anpassungsfähigkeit. Resilienz, verstanden als psychische Widerstandskraft zur Bewältigung von Krisen und Rückschlägen, gilt dabei als zentrale Voraussetzung für die langfristige Leistungsfähigkeit.

Wie die Medizinerin Dr. Mirriam Prieß betont, führen fehlende Resilienzmechanismen im Beruf dazu, dass sich Betroffene in einem permanenten inneren Kampfzustand befinden. Krisenbewältigung erfordert daher sowohl individuelle Kompetenzen als auch tragfähige Rahmenbedingungen im Arbeitsumfeld.

Säulen der persönlichen Stabilität und des Umfelds

Die Festigung der psychischen Widerstandskraft stützt sich nach Modellen wie dem der Karrierebibel auf sieben Säulen: Selbstbewusstsein, Kontaktfreude, Gefühlsstabilität, Optimismus, Handlungskontrolle, Realismus und Analysestärke. Diese Faktoren ermöglichen es Fachkräften, Belastungen strukturiert einzuordnen und emotionale Reaktionen zu steuern.

Gleichzeitig weist Dr. Mirriam Prieß darauf hin, dass individuelle Resilienz nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie entstehe maßgeblich im Zusammenspiel mit den betrieblichen Rahmenbedingungen.

Werte wie Offenheit, gegenseitige Wertschätzung und Begegnungen auf Augenhöhe bilden den notwendigen Nährboden für psychische Gesundheit. Treffen Beschäftigte hingegen auf dauerhaft destruktive oder vergiftete Unternehmensstrukturen, könne nach Einschätzung der Expertin ein Arbeitsplatzwechsel der einzig wirksame Schritt sein.

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Ausfallzeiten und psychische Erstversorgung

Dass psychische Belastungen erhebliche ökonomische und personelle Folgen nach sich ziehen, zeigen Daten des Instituts für Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement (IBG) aus Wien. Durchschnittlich dauern psychisch bedingte Fehlzeiten mehr als 36 Tage je Fall; bei Langzeitkrankenständen steigt die Abwesenheit auf rund 68 Tage.

Anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit sprach sich Regina Nicham, Leiterin der Arbeits- und Organisationspsychologie bei IBG, für eine Etablierung psychischer Erster Hilfe in Betrieben aus. Das Institut verweist hierbei auf handlungsorientierte Modelle wie das Prinzip der drei L (Look, Listen, Link – Hinschauen, Zuhören, Anbinden) sowie die sogenannte SOS-Formel, die Betroffenen Sicherheit, Orientierung und Stabilisierung bieten soll.

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Auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) betont den Stellenwert präventiver Maßnahmen. Im Vorfeld der Woche der Seelischen Gesundheit im Oktober 2026 unterstrich DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer die Bedeutung einer gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung.

Über das Online-Instrument Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung (ESA) werden Praxisbeispiele bereitgestellt, um Belastungsfaktoren wie Zeitdruck, Unterbrechungen und Konflikte durch Gefährdungsbeurteilungen gezielt zu reduzieren.

Resilienz als organisatorische Daueraufgabe

Resilienz beschränkt sich nicht allein auf das Individuum, sondern betrifft Organisationen als Ganzes. Eine gemeinsame Studie der ESCP Business School und der Bertelsmann Stiftung unter 500 Unternehmen der deutschen Realwirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass organisatorische Widerstandsfähigkeit eine kontinuierliche Entwicklungsaufgabe im Tagesgeschäft darstellt.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Lüdeke-Freund identifizierte die Untersuchung vier zentrale Fähigkeiten für krisenfeste Unternehmen:
* ein proaktives Stakeholdermanagement,
* eine ausgeprägte Lern- und Veränderungsbereitschaft,
* konstruktive Deutungsmuster bei Rückschlägen sowie
* Veränderungskompetenz durch gezielte Innovation.

Als strategisches Konzept heben die Forscher die organisationale Ambidextrie hervor – das gleichzeitige Optimieren des bestehenden Kerngeschäfts bei paralleler Erschließung neuer Wertschöpfungsfelder. Gelingt es Betrieben, individuelle psychische Gesundheit mit flexiblen organisatorischen Strukturen zu verknüpfen, entsteht eine Belastbarkeit, die Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen durch wirtschaftliche Umbrüche trägt.

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