Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Mio.-Plan bis 2027
04.06.2026 - 09:32:44 | boerse-global.deDas Bundeskabinett hat am Mittwoch ein umfassendes Aktionsprogramm für die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) verabschiedet. Umweltminister Carsten Schneider will damit die Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduzieren und die heimischen Recyclingkapazitäten massiv ausbauen.
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565 Millionen Euro für grüne Technologien
Die Strategie sieht ein 12-Punkte-Programm vor, das bis Ende 2027 umgesetzt werden soll. Für den Start stellt die Bundesregierung kurzfristig 260 Millionen Euro für Investitionen in Recycling und grüne Technologien bereit. Zwischen 2027 und 2030 fließen weitere 305 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie dem Klimaschutzprogramm 2026.
Zu den Kernpunkten gehören:
- Digitale Produktpässe zur Verbesserung der Datentransparenz
- Eine neue Plattform zur Vernetzung der Wirtschaftsakteure
- Ein Textilgesetz und ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten
- Stärkere öffentliche Beschaffung von Kreislaufprodukten – konkrete Mengenziele bleiben jedoch offen
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet vor: Die Bruttowertschöpfung durch Kreislaufwirtschaft könnte sich bis 2045 mehr als verdoppeln – auf bis zu 125 Milliarden Euro. Umweltverbände kritisieren dagegen das Fehlen verbindlicher Ziele zur Reduzierung des Primärrohstoffverbrauchs.
Nachhaltigkeit im E-Commerce gewinnt an Fahrt
Doch nicht nur die Politik treibt den Wandel voran. Der DHL E-Commerce Trends Report 2026 zeigt: 45 Prozent der Verbraucher kaufen inzwischen Second-Hand-Produkte – und zwar gezielt aus Umweltgründen. Die Studie basiert auf einer Befragung von 29.000 Käufern und 5.800 Unternehmen aus 29 Ländern.
Der Re-Commerce-Sektor boomt. 52 Prozent der Konsumenten haben bereits auf Online-Marktplätzen verkauft. In Europa sind es sogar 57 Prozent. Prognosen zufolge könnten innerhalb der nächsten zehn Jahre 75 Prozent der Erwachsenen regelmäßig Gebrauchtwaren verkaufen.
Der HDE Online-Monitor 2026 bestätigt den Trend: Trotz rückläufigen Gesamtkonsums wächst der Online-Handel 2026 nominal um 4,3 Prozent auf rund 96,3 Milliarden Euro. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine wachsende Rolle. Zwar lehnen 60 Prozent der Konsumenten autonome KI-Käufe ab, doch 35 Prozent nutzen KI bereits für die Produktsuche. Interessant: KI-gestützte Empfehlungen genießen bei vielen Käufern mehr Vertrauen als klassische Kundenbewertungen.
Reusable-Systeme: Frankreich als Vorbild?
Die Kreislaufwirtschaft verändert auch die Logistik. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert mehrere Projekte zur Reduzierung von Plastikmüll. Ein Beispiel: Die Euro Plant Tray GmbH hat ein Mehrweg-Transportsystem für Topfpflanzen entwickelt. Mit RFID-Chips und hohem Recyclinganteil soll es Hunderte Millionen Einweg-Tabletts in Europa ersetzen.
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Doch die Erfahrungen zeigen: Ohne staatliche Vorgaben tun sich Mehrwegsysteme schwer. Das TerraCycle-„Loop“-Projekt wurde bis Mitte 2026 in den USA, Großbritannien, Japan und Kanada eingestellt – mangels Rentabilität. Die Ausnahme: Frankreich. Dort schreibt das Anti-Waste-Gesetz (loi AGEC) verbindliche Mehrwegquoten und Öko-Gebühren vor. Das System läuft in über 500 Supermärkten. Ein klares Signal: Freiwillige Initiativen scheitern oft ohne verbindliche Rahmenbedingungen.
Unternehmen sind bereit – doch digitale Lücken bleiben
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat ermittelt: Sieben von zehn Industrieunternehmen wirtschaften bereits erfolgreich mit Kreislaufstrategien. Dennoch liegen enorme Ressourcen brach. Allein in deutschen Haushalten lagern ungenutzte Mobiltelefone aus dem Jahr 2023 mit Rohstoffen im Wert von rund 240 Millionen Euro.
Die größte Baustelle: die Digitalisierung. Nur neun Prozent der Unternehmen nutzen KI, um die Reparierbarkeit ihrer Produkte zu verbessern. Gerade einmal 14 Prozent setzen KI für Ressourcenschonung ein. Und nur die Hälfte der befragten Firmen stellt umfassende digitale Produktdaten bereit. Ein alarmierender Befund – denn ohne diese Datenbasis bleiben die ehrgeizigen Ziele der neuen Nationalstrategie schwer erreichbar.
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