Krebstherapie: Licht aktiviert Wirkstoffe gezielt am Tumor
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 07:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Forschungsteam der Med Uni Graz und des HUN-REN Research Centre for Natural Sciences in Budapest hat ein Verfahren entwickelt, das Krebswirkstoffe erst dann aktiviert, wenn sie tatsächlich am Tumor angekommen sind. Ziel der im September 2026 vorgestellten Arbeit ist es, die Behandlungseffizienz zu steigern und gesundes Gewebe stärker zu schonen.
Das Prinzip der lichtempfindlichen Maske
Im Zentrum des Ansatzes steht eine chemische Modifikation, mit der die Wirkung eines Medikaments vorübergehend stillgelegt wird. Der Wirkstoff wird laut den Forschungseinrichtungen mit einer lichtempfindlichen Maske versehen, die ihn zunächst inaktiv hält.
Erst wenn grün- bis rotfarbenes Licht auf das Zielgewebe trifft, wird diese Maske entfernt und der Wirkstoff freigesetzt. Dadurch entfaltet das Medikament seine Wirkung gezielt dort, wo es benötigt wird, statt im gesamten Körper zu zirkulieren und dabei auch gesunde Zellen anzugreifen.
Dieses Konzept knüpft an Bestrebungen der Krebsforschung an, systemische Nebenwirkungen von Chemotherapeutika zu reduzieren, indem die Wirkstofffreisetzung räumlich und zeitlich präziser gesteuert wird. Die Kombination aus einem inaktivierenden chemischen Schalter und einer externen Lichtquelle als Aktivierungssignal soll dabei eine besonders feine Kontrolle ermöglichen.
Ergebnisse im Chicken-CAM-Modell
Getestet wurde das Verfahren im sogenannten Chicken-CAM-Modell, einem etablierten präklinischen System zur Untersuchung von Tumorwachstum. Die Ergebnisse der Med Uni Graz und des HUN-REN RCNS Budapest zeigten, dass Tumoren nach der Lichtaktivierung deutlich langsamer wuchsen als ohne die gezielte Freisetzung des Wirkstoffs.
Was wäre, wenn ein Krebswirkstoff erst dann scharf gestellt wird, wenn er tatsächlich am Tumor angekommen ist? Genau daran arbeiten Forschende der Med Uni Graz und des HUN-REN RCNS Budapest: Eine lichtempfindliche Maske hält den Wirkstoff inaktiv, bis grün- bis rotfarbenes Licht ihn am Zielort freisetzt — im Chicken-CAM-Modell wuchsen Tumoren danach deutlich langsamer. Unser kostenloser Ratgeber ordnet den Ansatz verständlich ein und gibt Ihnen einen Fragenkatalog für das nächste Arztgespräch an die Hand. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern
Ein zentraler Befund betrifft den eingesetzten Wirkstoff MMAE, ein in der Krebstherapie bekanntes zytotoxisches Molekül. Den Forschungseinrichtungen zufolge gelang es, MMAE durch die lichtempfindliche Maske nahezu vollständig zu entschärfen, solange keine Lichtaktivierung erfolgte. Erst die gezielte Bestrahlung am Tumor hob diese Inaktivierung auf und ermöglichte die volle Wirkung des Stoffs am gewünschten Ort.
Bedeutung für die Krebstherapie
Die Fähigkeit, hochwirksame, aber auch potenziell toxische Substanzen wie MMAE über weite Strecken des Körpers unschädlich zu halten und erst am Zielort zu aktivieren, gilt in der onkologischen Forschung als vielversprechender Weg, um die Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit von Krebsmedikamenten zu verbessern.
Solche lichtgesteuerten Ansätze könnten perspektivisch dazu beitragen, Nebenwirkungen klassischer Chemotherapien zu verringern, da der Wirkstoff nur an der Stelle aktiv wird, an der er tatsächlich gebraucht wird.
Die Angst vor Schäden an gesundem Gewebe begleitet viele, die eine Krebstherapie antreten oder begleiten. Ein Forschungsansatz aus Graz und Budapest setzt genau dort an: Der Wirkstoff MMAE wurde mit einer lichtempfindlichen Maske nahezu vollständig entschärft und erst durch gezielte Bestrahlung am Tumor wieder aktiviert. Was das für die Zukunft der Behandlung bedeuten könnte und wo die Forschung heute steht, lesen Sie in unserem kostenlosen Überblick — inklusive der Fragen, die Sie Ihrem Behandlungsteam stellen können. Überblick zur Lichtaktivierung sichern
Die Ergebnisse der Kooperation zwischen Med Uni Graz und HUN-REN RCNS Budapest wurden in der Fachzeitschrift Journal of the American Chemical Society veröffentlicht, in der Ausgabe 148(15) mit den Seiten 16379 bis 16393 (DOI 10.1021/jacs.6c02825).
Die Publikation dokumentiert damit sowohl den chemischen Mechanismus der lichtgesteuerten Wirkstoffaktivierung als auch die im Chicken-CAM-Modell erzielten Wachstumsergebnisse als Grundlage für weiterführende Untersuchungen.
