Krebstherapie, Minuten

Krebstherapie: 20 Minuten Training steigert Immunzellen um 50 Prozent

05.07.2026 - 19:04:04 | boerse-global.de

Studien belegen: Gezielte Bewegung und Ernährungstherapie beeinflussen Immunantwort und Krankheitsverlauf bei Krebs positiv.

Krebsforschung: Bewegung und Ernährung als starke Verbündete
Krebstherapie - Eine gesunde Mahlzeit mit Salat und Proteinen neben einer Person, die sich in einem klinischen Umfeld leicht körperlich betätigt. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die moderne Onkologie entdeckt zwei mächtige Verbündete neu: Medizinische Ernährungstherapie und gezielte Bewegung können direkten Einfluss auf Immunantwort und Krankheitsverlauf nehmen. Das belegen mehrere Studien und Publikationen aus dem Juli 2026.

Weißbuch zeigt Versorgungslücken in Österreich

Bis zu 40 Prozent der Krebspatienten sind bereits bei der Diagnose mangelernährt. Bei Tumoren im Magen-Darm-Trakt steigt dieser Anteil sogar auf 60 Prozent. Das zeigt ein am 2. Juli in Wien vorgestelltes Weißbuch zur medizinischen Ernährungstherapie in Österreich.

Die Autoren fordern flächendeckende Screenings, multiprofessionelle Teams und einheitliche Standards. Im europäischen Vergleich – besonders zu Deutschland oder den Niederlanden – hinkt Österreich hinterher.

20 Minuten Training boosten Immunzellen

Schon eine einzige Trainingseinheit verändert die Immunantwort. Eine Studie der Universität Duisburg-Essen in „Cancer Medicine“ untersuchte hochintensives Intervalltraining (HIIT) bei Krebspatienten unter Chemotherapie.

Das Ergebnis: Eine 20-minütige Einheit auf dem Fahrradergometer steigerte die Anzahl natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) um durchschnittlich 50 Prozent. Bei der gesunden Kontrollgruppe waren es 38 Prozent. Auch andere Immunzellen wie angeborene lymphatische Zellen (cILCs) nahmen zu.

Allerdings: Die Effekte klangen etwa eine Stunde nach dem Training wieder ab. Die Wissenschaftler betonen, dass die kurzfristige Mobilisierung noch keinen Beleg für einen verbesserten Krankheitsverlauf darstellt. Immerhin zeigt die Studie: Selbst bei fortgeschrittenen Erkrankungen ist HIIT durchführbar.

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PGE2: Schlüsselmolekül der Tumorkachexie

Mehrere am 2. Juli in „Science“ veröffentlichte Studien liefern neue Erkenntnisse zum tumorassoziierten Gewichtsverlust (Kachexie). Forscher des Salk Institutes identifizierten das Signalmolekül PGE2 als zentralen Faktor bei Lungentumoren mit Lkb1-Mutation.

Die Tumoren produzieren verstärkt PGE2, das über sensorische Nerven im Lungengewebe mit dem Gehirn kommuniziert und die Kachexie auslöst. Eine fettreiche Ernährung verstärkte die PGE2-Produktion und verschlimmerte den Zustand. Eine Blockade der PGE2-Synthese – etwa durch Aspirin, Ibuprofen oder Omega-3-Fettsäuren – konnte die Kachexie im Modell verhindern.

Parallel dazu untersuchte eine Studie in „Translational Psychiatry“ vom 5. Juli die zellulären Ursachen von Fatigue. Bei jungen Erwachsenen mit Depressionen fanden die Forscher eine Fehlregulation der Energieproduktion: In Ruhephasen produzierten die Zellen vermehrt Energiemoleküle, bei erhöhtem Bedarf konnten sie die Produktion jedoch nicht hochregulieren.

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Pflanzenbasierte Ernährung senkt Risiken

Die University of California, San Francisco (UCSF) veröffentlichte am 3. Juli Daten zum Nutzen spezifischer Diäten nach einer Krebsdiagnose. Eine pflanzenbasierte Ernährung senkte das Risiko für ein Fortschreiten von Prostatakrebs um 47 Prozent. Bei Darmkrebs im Stadium III reduzierte ein gesunder Lebensstil das Sterberisiko um 42 Prozent und das Rückfallrisiko um 31 Prozent.

Forscher der UCLA untersuchten zudem die Rolle von Kreatin. In präklinischen Modellen verbesserte Kreatin die Aktivierung dendritischer Zellen in der Tumorumgebung und verlangsamte das Tumorwachstum beim Melanom. Die Ergebnisse legen nahe, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel die Krebsabwehr unterstützen könnten – klinische Bestätigung steht aber noch aus.

Operationsverzögerungen: Drei bis vier Wochen unbedenklich

Eine internationale Untersuchung der Universität Halle, veröffentlicht am 5. Juli in „Discover Oncology“, gibt Entwarnung für Pandemie-Erfahrungen. Bei über 17.000 Patienten hatten kurzzeitige Verzögerungen von Krebsoperationen um drei bis vier Wochen keinen negativen Einfluss auf die Erfolgsrate der Tumorentfernung oder die kurzfristige Sterblichkeit.

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