Krebs und Bewegung: Ein Drittel der Neuerkrankungen vermeidbar
19.06.2026 - 10:13:01 | boerse-global.de
Aktuelle Studien und überarbeitete Versorgungsrichtlinien zeigen: Bewegung hilft nicht nur bei der Prävention, sondern auch bei Krebs, chronischen Schmerzen und Gelenkerkrankungen.
Erfolge in der Sportonkologie
Das Universitätsklinikum Münster (UKM) untersuchte zwischen Sommer 2020 und Herbst 2024, wie persönliches Training Hirntumorpatienten hilft. 54 Personen mit einem Glioblastom nahmen teil. Das Ziel: eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit um 15 Prozent durch sechsmonatiges, betreutes Training zweimal pro Woche.
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Die Teilnehmer berichteten von mehr Leistungsfähigkeit und besserer Lebensqualität. Das Programm soll nun auf andere Hirntumorarten ausgeweitet werden.
Ein 81-jähriger Patient mit metastasiertem Prostatakrebs zeigte, was möglich ist: Die Berliner Charité bescheinigte ihm im Februar 2026 die Sportfähigkeit. Ende Mai absolvierte er einen Radmarathon über 300 Kilometer. Experten betonen: Bewegung kann selbst im Endstadium die Lebensqualität verbessern.
Regionale Initiativen machen auf das Potenzial aufmerksam. Ein Aktionstag in Würzburg Mitte Juni 2026 wies darauf hin, dass rund ein Drittel der Krebs-Neuerkrankungen durch Bewegung verhindert werden könnte. Kliniken in Lübeck informieren Ende Juni bei einem Infoabend über die Kombination von Sport- und Ernährungstherapie.
Neue Versorgungsprogramme bei chronischen Schmerzen
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss am 18. Juni 2026 eine Aktualisierung der Disease-Management-Programme (DMP) für chronischen Rückenschmerz. Das Kernziel: körperliche Aktivität fördern und einem Angst-Vermeidungs-Verhalten der Patienten entgegenwirken.
Grundlage war eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Sie berücksichtigte 425 Empfehlungen aus elf Leitlinien.
Bereits im November 2023 startete Sachsen-Anhalt ein spezielles DMP-Programm für Osteoporose. Zahlreiche Haus- und Facharztpraxen nehmen teil. Der Anteil der Betroffenen in der Bevölkerung wird auf über fünf Prozent geschätzt.
Auch bei Arthrose gibt es neue Ansätze: Eine gesetzliche Krankenkasse bietet ab Juli 2026 in Berlin-Brandenburg das dänische Therapiekonzept GLA:D an. Es kombiniert klassische Physiotherapie mit einer digitalen Anwendung. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren und Operationen an Knie oder Hüfte zu vermeiden.
Prävention durch Krafttraining
Besonders Frauen ab 40 Jahren empfehlen Fachleute der Universität Ulm ein progressives Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche. Beim sogenannten „Progressive Overload“-Prinzip wird die Belastung stetig gesteigert. Das ist entscheidend für den Erhalt und Aufbau der Knochendichte. Unterstützend wirken Vibrationstraining oder zügiges Gehen.
Für den Muskelaufhalt und die allgemeine Fitness ab 50 Jahren empfehlen Ernährungsexperten eine Proteinzufuhr von etwa 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Für die Knochengesundheit raten sie zu 1000 bis 1200 Milligramm Calcium täglich sowie ausreichend Vitamin D.
Alternative Bewegungsformen im Aufwind
Neben dem klassischen Gerätetraining etablieren sich neue Ansätze. Wassergymnastik, wie sie die Rheuma-Liga in Niedersachsen anbietet, gilt als besonders gelenkschonend und eignet sich auch für Krebspatienten.
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Für Menschen mit Behinderungen entstehen inklusive Trainingsmöglichkeiten. In oberösterreichischen Caritas-Werkstätten finden regelmäßig Einheiten statt. Mit Hilfsmitteln wie Hometrainern oder Therabändern werden sie an die individuellen Fähigkeiten angepasst.
Die Reittherapie wird verstärkt nachgefragt. Sie fördert Motorik und Selbstvertrauen und kann Spastiken lösen. Allerdings übernehmen Versicherungen die Kosten bisher nur in Ausnahmefällen.
Großveranstaltungen wie die Weltmeisterschaften in Stockholm im Juni 2026 zeigen: Die Balance zwischen intensiver Belastung und gezielter Regeneration ist die Grundlage für Höchstleistungen. Dieses Prinzip gewinnt in abgeschwächter Form auch für die medizinische Trainingstherapie an Bedeutung.
