Kreatin-Sicherheit, Studien

Kreatin-Sicherheit: 685 Studien finden keine mehr Nebenwirkungen als Placebo

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Einzelne Patientinnengruppen profitierten in Studien zusätzlich zu Therapien; für eine Änderung der Behandlungspraxis reicht die Datenlage nicht aus.

Kreatin bei Depression: Studien zeigen mögliche Ergänzung, aber offene Fragen
Ein Glasbecher mit feinem, kristallinem Pulver auf einer weißen Marmoroberfläche in einem hellen, minimalistischen Labor. Illustration mit AI erstellt.

Kreatin-Monohydrat ist im Sportbereich seit Jahrzehnten als Ergänzungsmittel zur Steigerung von Kraft und Muskelmasse etabliert. Zunehmend rückt der Nährstoff jedoch auch in das Blickfeld der neurologischen und psychiatrischen Forschung.

Eine systematische Übersichtsarbeit im Fachjournal Brain Medicine hat das Potenzial von Kreatin-Monohydrat als begleitende Behandlungsoption bei Major Depression analysiert. Die wissenschaftlichen Resultate verdeutlichen biochemische Zusammenhänge, unterstreichen aber zugleich die Grenzen der bisherigen Datenlage.

Biologische Mechanismen im zentralen Nervensystem

Die Rationale für den Einsatz bei psychischen Erkrankungen beruht auf der Rolle von Kreatin im zellulären Energiestoffwechsel. Über den Kreatin-Phosphokreatin-Pfad fördert die Substanz die rasche Regeneration von Adenosintriphosphat (ATP) – ein Prozess, der auch für die energieintensiven Vorgänge im Gehirn maßgeblich ist.

Wie Auswertungen der McMaster University festhalten, deuten wissenschaftliche Erhebungen darauf hin, dass bei depressiven Erkrankungen charakteristische Veränderungen im zerebralen Energiestoffwechsel sowie bei bestimmten Kreatinverbindungen vorliegen. Darüber hinaus diskutieren Forscher eine mögliche Beteiligung an Signalwegen zentraler Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin.

Heterogene Ergebnisse in klinischen Studien

Trotz dieser biologischen Ansätze fällt die bisherige Studienlage gemischt aus. Positive Effekte zeigten sich vor allem bei spezifischen Patientengruppen: In einer klinischen Studie von Lyoo et al. aus dem Jahr 2012 erhielten Frauen mit einer diagnostizierten Major Depression zusätzlich zu einem Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) entweder Kreatin oder ein Placebo.

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Die Kreatin-Gruppe verzeichnete eine stärkere Besserung der Werte auf der Hamilton-Depressionsskala (HAM-D), wobei sich erste signifikante Veränderungen bereits ab der zweiten Woche zeigten und über die gesamte Studiendauer von acht Wochen anhielten. Auch in Verbindung mit einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) ergaben sich bei Patientinnen messbare Vorteile.

Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht uneingeschränkt verallgemeinern. Bei Teenager-Mädchen sowie bei Personen mit bipolarer Störung konnten Untersuchungen keine signifikanten therapeutischen Effekte feststellen. Fachleute betonen daher, dass Kreatin kein eigenständiges Heilmittel darstellt. Der therapeutische Verlauf hängt maßgeblich von Parametern wie Dosierung, Geschlecht, individueller Ernährungsweise sowie der bestehenden Medikation ab.

Sicherheitsdaten und Einordnung für die Praxis

In toxikologischer Hinsicht gilt Kreatin-Monohydrat als eines der am gründlichsten untersuchten Nahrungsergänzungsmittel. Eine Auswertung von 685 klinischen Studien aus dem Jahr 2025 zeigte keine signifikanten Unterschiede bei den Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo-Gruppen.

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In den Untersuchungen zu depressiven Erkrankungen beschränkten sich die dokumentierten Begleiterscheinungen auf gelegentliche leichte Magenschmerzen. Für gesunde Erwachsene gibt es zudem keine wissenschaftlich belegten Hinweise auf Nierenschäden oder Zusammenhänge mit Haarausfall; eine Gewichtszunahme geht typischerweise auf die Bindung von Wasser innerhalb der Muskelzellen zurück, nicht auf Einlagerungen unter der Haut.

Dennoch mahnt die Wissenschaft zu Vorsicht vor voreiligen Schlüssen. Bassam Jeryous Fares, der die Übersichtsarbeit in Brain Medicine leitete, verwies darauf, dass die vorliegenden Daten für eine Anpassung der regulären klinischen Behandlungspraxis gegenwärtig nicht ausreichen.

Auch Dr. Thea Gallagher von NYU Langone hob hervor, dass Kreatin bestehende Standardtherapien allenfalls sinnvoll ergänzen, keinesfalls jedoch etablierte medizinische Behandlungen ersetzen sollte. Für belastbare Therapieempfehlungen seien zunächst umfangreichere und langfristig angelegte kontrollierte Studien notwendig.

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